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„Wissen teilen ist geil“ – Lernen mit Spaß auf dem BarCamp Ruhr

Christian und Christian: Kleine Textschule am Kamin

Christian und Christian: Kleine Textschule am Kamin

„Hier steht eigentlich keiner richtig vorne“, hörte ich bereits in der Schlange beim Einchecken zum BarCamp Ruhr, das am ersten Märzwochenende im Unperfekthaus Essen stattfand. „Eine BarCamp-Session geht so: Vorne stellen einer oder zwei ein Thema vor und alle im Raum sind aufgerufen, dabei mitzumachen.“

Damit war eigentlich geklärt, worum es geht. Also: Auf einem BarCamp geht es um gemeinsamen Wissensaustausch von Expertinnen und Experten, vorwiegend zu Themen des Internets, Technik wie Kommunikation. Was ein BarCamp ausmacht, das steckt in dieser Aussage aber noch nicht.

Gemeinsam mit Martin Salwiczek besuchte ich in diesem Jahr zum ersten Mal ein BarCamp. Wir hatten uns entschlossen mit der LVQ das Event zu sponsern, weil wir die Idee einfach klasse finden: Lernen und Wissensaustausch auf einer Unkonferenz, die noch nicht einmal feste Themen vorgibt.

Viel gelesen und gehört hatten wir bereits und trotzdem keine richtige Vorstellung, was genau passieren würde. So war ich durchaus nicht nur neugierig, sondern ziemlich aufgeregt.

In meinem Kopf das ging neben der Vorfreude etwa so ab:

„Oh Gottogott.

So als Neuling falle ich bestimmt auf!

Ist mir ja schon ein wenig unangenehm, nicht genau zu wissen, was abgeht.

Wie läuft das denn jetzt auf dem BarCamp?

Hoffentlich merkt das keiner…!“

Irgendwie scheinen das andere vorher auch schon durchgemacht zu haben. Denn als die Sessions – das sind die Vorträge, Diskussionen, Selbsterfahrungstreffen, Präsentationen, Happenings – geplant werden, ist gleich das erste Thema „BarCamp für Einsteiger“.

„Ach?! Darf ich mich denn da melden, oder ist das peinlich? …

Ok, ok, ok.“

In der Einsteiger-Session klärte sich für mich dann auch, was ein BarCamp ist und wie das funktioniert.

Maik Wagner alias @fernmuendlich und Balu alias @balu erklärten in einer wohl BarCamp-typischen Art, wie BarCamp geht.

Lockeres Erklären, Frage und Antwort. Fehlende Infos tragen die Zuhörer durch Beiträge oder Fragen bei. Dadurch entsteht aus allen Statements ein Gesamtbild, mein Ergebnis:

  • Ein Barcamp ist eine Mit-mach-Konferenz, die sich auch dadurch auszeichnet, das prinzipiell alles mehr oder weniger kostenlos ist, was dargeboten wird.
  • Teure Keynote-Speaker sind deshalb fehl am Platz und auch gar nicht erwünscht.
  • Die Themen der Sessions werden erst am Tag des BarCamps durch die Beteiligten festgelegt, das unterscheidet von anderen Konferenzen.
  • Sponsoren haben keine Sonderrechte bei der Sessioneinreichung und Werbung ist tabu!
  • Es finden parallel viele Sessions zu diversen Themen statt.
  • Stündlich wechselt das Programm.
  • Somit laufen an einem Tag ca. 50 Sessions, macht an zwei Tagen 100 Sessions mit 100 Themen!
  • Jeder kann jede Session besuchen.
  • Die Themenvielfalt ist grandios, wenn nicht erschlagend.
  • Die Sessions reichen von perfekt vorbereiteten Präsentationen bis zu spontane Diskussiongruppen.
  • Manche Sessions sind fachlich hochwertige Expertenforen, zum Teil zu technischen Nischenthemen. Andere sind breitentauglich und haben Überschriften wie „Schöner bloggen – kleine Schreibschule“ oder „Best of 165+ Social Media Tools“.
  • Die Renner aber sind oft die Sessions, in denen der Spaß im Vordergrund steht. Die Session für „Serienjunkies“, in der es um die neuen amerikanischen Fernsehrenner geht, war genauso übervoll wie das Karaoke zu „Buffy the Musical“. Letztere Session schaffte es dann natürlich auch in die Zeitung.

„Erfolgreiche Sessions“ so Maik „sind oft diejenigen, bei denen vorne jemand eine Frage als Thema formuliert. Denn das animiert zum Austausch und zum Mitmachen.“ Als Beispiel nannte er den Handy-Konzern, der als Sponsor die technik-affinen Session-Teilnehmer bat, ein neues Gadget auszuprobieren, mit der Fragestellung, was denn nicht so gut sei. „Die sind mit richtig wertvollen Ergebnissen rausgegangen, weil die Nerds die Dinger natürlich sofort zum Absturz brachten.“

Offenheit für unerwartete, nicht geplante Ergebnisse, das sei ein wichtiger Unterschied zum klassischen Vortrag oder Unterricht. Der, der vorne steht, erschafft bei einem BarCamp nicht das Resultat, er schafft nur den Nährboden dafür.

Freude und Spaß haben dabei einen enorm hohen Stellenwert. Oder wie es Maik Wagner ausdrückt: „Wissen teilen ist geil“.

P.S. Das Kaffeetrinken in den Pausen war natürlich mindestens genauso spannend und wichtig. Nette Menschen live zu erleben, die ich sonst fast nur über Twitter, Facebook und Co. kenne, wie z.B. Juli vom Blog Heimatpottential, die IT-Unke, Rouven alias Gestalterhuette und so viele andere.

„Familienfeier“, „Klassentreffen oder „Großer Kindergeburtstag“ – so werden allenthalben BarCamps beschrieben – sogar in der westen. Für mich waren die vielen netten Gespräche wieder mal ein typisches Beispiel für Systematisch Kaffeetrinken. Für den persönlichen Austausch, der bisweilen auch mal ins geschäftliche reichte. Für die Synthese aus realem Treffen und virtuellem Folgen:

Ich habe selten an einem Wochenende so viele tolle Twitter-Follower gewonnen!

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der LVQ Weiterbildung gGmbH beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.