Artikelformat

Social Media bei der Jobsuche: Trink den Kaffee, der zu Dir passt! [Infografik]

Es gibt sie noch: Die schriftliche Bewerbung per Post. Im Einzelfall. Selten. Gängig ist die Online- oder E-Mail-Bewerbung. Reaktiv auf klassische Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen oder in Zeitungen. Ein Großteil der Bewerber beschränkt sich nach wie vor auf diese Form der Jobsuche im sogenannten offenen Stellenmarkt. Viele Stellen werden aber gar nicht ausgeschrieben, sondern zum Beispiel über Netzwerke vergeben.

Dass dafür auch Netzwerken mit Social Media heutzutage dringend zu empfehlen ist, hat sich zwar rumgesprochen, wird aber nur bisweilen bei der Jobsuche praktiziert. Meine Kurz-Powerpoint zeigt die Bedeutung, die in der Personalgewinnung den Social Media beigemessen wird:

Nicht überall gehört die Jobsuche und das Netzwerken per XING, LinkedIn und Co. bereits zum Standard-Repertoire. Und so bin ich oft unterwegs mit meinem Vortrags-Thema „Karriere 2.0 – soziale Netzwerke für die Jobsuche“. Das Interesse ist stets groß. Die gestellten Fragen zeigen: Viele Bewerber sind unsicher, was sie tun sollten und was lieber nicht.

Was mir auch mehr und mehr auffällt: Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gehen sehr unterschiedlich mit Social Media generell und bei der Jobsuche speziell um.

Zwei Bespiele machen das deutlich:

Beispiel 1: Ingenieure schätzen XING.

Kürzlich hielt ich einen Vortrag vor 50 Ingenieuren auf dem VDI-Recruitingtag – allesamt auf Jobsuche. Wie immer zum Start meines Vortrags machte ich eine Umfrage unter den Zuhörern über die aktuelle Nutzung von Social Media für die Karriere. Für mich überraschende Ergebnis: Von 50 Besuchern waren

45 auf XING, 30 davon nach eigener Einschätzung gut unterwegs

20 in LinkedIn

15 bei Facebook, allerdings nur 1, die das öffentlich Arbeitgebern zumuten würde

1 bei Twitter, allerdings passiv.

Keiner bei Google+

Keiner bloggt.

Mein Fazit: Ingenieure schätzen tendenziell nüchterne Netzwerke wie XING. Zweckmäßigkeit geht über alles. Business-Nutzen und Auffindbarkeit durch Headhunter sind die wichtigsten Argumente für ein Netzwerk. Generell ist der Gedanke des beruflichen Netzwerkens den meisten Ingenieuren sehr bewusst. Möglicherweise ist das ein Verdienst des starken Berufsverbandes Verband Deutscher Ingenieure, VDI.

Beispiel 2: Geisteswissenschaftlern gefällt Facebook

Auf dem Karrieretag für Geistes- und Bildungswissenschaftler in Essen zeigte sich ein komplett anderes Bild. Bei meiner Umfrage unter 30 Teilnehmern zu Beginn meines Workshops ergab sich, dass etwa

25 in Facebook sind, etwa die Hälfte öffentlich sichtbar

7 in XING

1 in LinkedIn

2 Blogger waren da,

3 in Twitter unterwegs

Keiner war auf Google+

Fazit: Tendenziell sind Geisteswissenschaftler bei der Wahl ihrer Social Media-Nutzung weniger ziel- und karriereorientiert. Auffindbarkeit war hier eher nicht gewünscht. Das Thema der beruflichen Netzwerke kaum im Bewusstsein. Eine Offenheit für Business-Netzwerke ist nur bedingt vorhanden.

 Pauschale Social-Media-Lösungen für die Jobsuche gibt’s nicht

Zugegeben: Es ist pauschalisierend, dass Ingenieure karriereorientiert vorgehen und Geisteswissenschaftler eher nicht. Gegenbeispiele erlebe ich regelmäßig. Was diese beiden Episoden mir allerdings deutlich gemacht haben, ist, dass es die pauschale Standardlösung für Social Media und Jobsuche nicht gibt. Ein paar Standards gibt es mittlerweile schon, der Rest muss zum jeweiligen Menschen passen.

Standards für die Jobsuche mit Social Media

1. Social Media Strategie für Jobsuchende

Genau wie bei Unternehmen, die sich in Social Media bewegen, gilt für Bewerber und Jobsuchene zu allererst, sich eine Strategie zuzulegen. Denn Bewerber sind Unternehmer in Sachen der Präsentation Ihrer eigenen Dienstleistung: Der Arbeitskraft, der Talente und Fähigkeiten. Dabei kann die Strategie auf fünf simplen Fragen basieren:

  • Was ist mein Ziel? Wie kann ich es erreichen?
  • Wer ist meine Zielgruppe? Wen möchte ich erreichen?
  • Was ist meine Botschaft?
  • Was sind meine Fähigkeiten/Angebote?
  • Mit welchen Tools und Plattformen ist das Ziel zu erreichen?

2. Businessnetzwerke

Business-Netzwerke als virtuelle Visitenkarten sind nach wie vor die Basis-Plattform für Netzwerk-Aktivitäten online. Viele Headhunter suchen über Business-Netzwerke, viele (ehemalige) Kollegen findet man dort. XING und LinkedIn sind dabei die konkurrierenden Systeme. Noch ist XING in Deutschland vorne – besonders bei kleineren und mittelständischen Unternehmen.

Mein einziges Dogma bei der Jobsuche mit Social Media heißt:

Eine Präsenz in einem Business-Netzwerk ist Pflicht!

XING (oder LinkedIn) ist ein MUSS!

Ob das in zwei, drei Jahren noch so sein wird, spielt heute keine Rolle. Jetzt ist das so.

Alles was dann folgt, ist Kür:

3. Facebook, Twitter, Google+ und Co: Die Kür.

In Facebook treiben sich fast die Hälfte der Bundesbürger rum. „Natürlich privat“! Wenn Sie da schon sind: Nutzen Sie es bei der Jobsuche als Suchwerkzeug. Sie werden sich wundern wie viele spannende Karriereseiten von Unternehmen dort zu finden sind und wie viele interessante Jobevents man dort auftun kann.

Twitter ist in Deutschland nach wie vor nicht sehr geläufig. Wenn Sie bei Twitter dabei sind, nutzen Sie es fürs berufliche Netzwerken. Gleiches gilt für die Jobsuche bei Google Plus. Dort wie auch auf Twitter sollten Menschen unbedingt präsent sein, die in Bereichen wie Marketing, PR, Kommunikation und natürlich Social Media arbeiten wollen.

Für alle Netzwerke gilt: Recherchieren Sie nach Ansprechpartner und Arbeitgebern. Netzwerken Sie innerhalb der sozialen Plattformen, beobachten Sie und beteiligen sich an fachlichen Diskussionen. Verbinden Sie sich schließlich mit für Sie beruflich relevanten Personen und gehen Sie mit Ihnen Systematisch Kaffeetrinken.

4. Bloggen: Die Königsdisziplin

Mitteilungsbedürftige und Textversierte können sich heute durch ein eigenes Blog fachlich positionieren. Ganz gleich ob unter WordPress.com, Blogspot.de oder über eine eigene Plattform – wenn die Themen von Interesse gut aufbereitet prästentiert werden, kann damit Aufmerksamkeit und Reichweite erzielt werden. In der Social Media-, PR- und Journalistenbranche gilt die Bewerbung über eine Online-Kampagne mittlerweile als Königsdisziplin. Tolle Beispiele der jüngsten Zeit sind Florian Blaschke, Mike Schnoor, Nico Lumma und die Punktefrau Christine Heller, die es mit ihrer Jobsuche sogar bis in die FAZ geschafft hat. Christine zeigt auch das besondere Potential von Videos bei der Jobsuche (hier Vimeo statt youtube).

Zugegeben: Das sind alles Kommunikationsprofis, die ihre Arbeit der Jobsuche sehr professionell gemacht haben. Dennoch können diese Beispiele zur Inspiration dienen, die Jobsuche individuell anzugehen.

Als „Bloggen für Bequeme“ habe ich kürzlich das Schreiben eines Themas bei XING-Themen vorgestellt. Eine Kompromisslösung, aber gerade für Personenen, die kein eigenes Blog betreiben wollen, durchaus brauchbar.

Von Digital zu Analog: Systematisch Kaffeetrinken

Erfolgreich ist die Jobsuche 2.0 dann, wenn virtuelle Netzwerke unterstützend für die reale Jobsuche genutzt werden. Kontakte aus XING und LinkedIn sollte man dann bisweilen zum Kaffee treffen, um die Karriere zu beflügeln. Social Media eignen sich besonders zum Systematisch Kaffeetrinken.

Ideal finde ich: Systematische Kontaktaufnahme in XING oder Facebook führt anschließend zu charmanten Gesprächen beim Kaffee oder umgekehrt.

Und selbst dabei gilt: Der eine trinkt Filterkaffee, die nächste bevorzugt Cappuccino und der dritte mag lieber Tee. Genauso ist das mit den sozialen Netzwerken: Trinke den Kaffee, der zu Dir passt:

Social Media erklärt mit Kaffee

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der LVQ Weiterbildung gGmbH beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

9 Kommentare

  1. Guten Tag,
    ich führe regelmäßig Workshops zum Thema Bewerbung und Karrierestart an unsere hiesigen Hochschule durch und stelle immer wieder fest, dass wenige Studenten (innen) die sozialen Netzwerke für die eigene Karriere nutzen. Ich denke es ist bei einigen noch gar nicht angekommen welche Möglichkeiten sich hier gerade auch für Berufseinsteiger auftun. Wobei ich für die Suche nach einer guten Arbeitsstelle xing immer als erstes nenne. Aber auch so mancher private Kontakt über facebook kann weiterhelfen.

    Antworten
    • Hallo Frau M.,
      danke für den Kommentar. So sehe ich das auch. Grad Hochschulabsolventen könnten noch viel mehr professionelle Präsenz in Business zeigen. Manchmal zweifle ich diesbezüglich auch am Begriff der Digital Natives. Junge Absolventen tun sich manchmal schwerer mit XING und LinkedIn, als 40jährige Professionals. Da gibt es von Seiten der Hochschulen auch noch viel Klärungsbedarf.

      Antworten
  2. Pingback: Jobsuche in Zeiten von Social Recruiting und Active Sourcing. #ZP13 | Systematisch KaffeetrinkenSystematisch Kaffeetrinken

  3. Pingback: XING-Blog: Flashmob der Digitalen Skeptiker | Systematisch KaffeetrinkenSystematisch Kaffeetrinken

  4. Pingback: Aufgelesen: 10 Toplinks zum (beruflichen) Netzwerken | Berufseinstieg leicht gemacht

  5. Pingback: Social Media bei der Jobsuche: Trink den Kaffee, der zu Dir passt! | Beruf und Karriere >> Seite

  6. Pingback: Stellenanzeigen mal anders

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.