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Systematisch Kaffeetrinken: Reallife-Facette der Social-Serendipity. Gastbeitrag von MiSha.

Misha Porträgfoto im Serendipity -Gastbeitrag

Bildnachweis: Michael Rajiv Shah

Michael Rajiv Shah nahm ich bereits vor einigen Jahren als emsigen Nutzer und Treiber von XING-Gruppen wahr. Als ich nach einer virtuellen Kurzdiskussion Kontakt zu ihm aufnehmen wollte, hatte ich ihn unversehens am Telefon. Reine Internetkontakte seien seine Sache nicht. So war es eine Frage der Zeit, dass wir uns persönlich hier im Rheinland trafen. Quasi „Zufall“: Die indische Stadt seiner Wurzeln war mein nächstes Reiseziel.

Dass es nicht wirklich Zufälle gibt, dass man Social Media zur professionellen Herbeiführung von Zufällen nutzen kann und dass man dafür sowohl Bewusstsein als auch

Zahlenwerke einsetzen kann, diese Kombination vereint MiSha einzigartig und und außerordentlich kreativ, wie man in seinem Blog www.networkfinder.cc studieren kann.

Mir war bereits vorher klar, dass er einer der ersten sein würde, der auf mein Angebot reagieren würde, hier bei Systematisch Kaffeetrinken einen Gastbeitrag zu schreiben. „Schreib etwas über Serendipity, Intuition, Systematisch Kaffeetrinken, und wie Du mit Zahlen und Statistiken daraus eine unvergleichliche Melange kreiierst!“ lautete mein Auftrag. Hier ist der Gastbeitrag, den MiSha dazu schrieb:

MiSha Michael Rajiv Shah bei Systematisch Kaffeetrinken

Bildnachweis: Michael Rajiv Shah

Ich gestehe, als @DerLarsHahn sein ComingOut mit dem „Systematisch Kaffeetrinken“ hatte, war das Egotierchen in mir ein wenig neidisch. Lars war es gelungen, einer konkreten Reallife-Systematik, die Social Business-Networking zu Erfolg führt, (s)einen Namen zu geben. Auf der anderen Seite habe ich dadurch einen Wegbegleiter des gleichen Themas gefunden, wofür ich sehr dankbar bin.

Was ist Social Serendipity?

Während der 282 Stunden, die ich mit dem Schreiben meines ersten Buches verbrachte, beobachtete ich ein spannendes Phänomen. Immer dann, wenn ich nicht mehr weiterwusste gab es irgendjemanden, der entweder gerade zum Thema meiner Schreib-Block-Adé getwittert, ein Blogpost dazu geschrieben oder ein Video zu irgendetwas gesehen hatte, das mit meiner Situation zu tun hatte und mich weiterbrachte.

Ist das ein Zufall oder gibt es eine für Networking nutzbare Gesetzmäßigkeit?

Als ich am Ende des Buches mein Vorwort schreiben wollte und mir klar wurde, dass der eigentlich rote Faden bis hin zum absolut zufälligen Kennenlernen meiner Koautorin Isabella Mader von „Zufällen“ geprägt war, ging ich auf die „pseudowissenschaftliche“ Wikipedia-Forschungsreise.

Siehe da es gibt einen Begriff für das Phänomen – Serendipity

Seither nenne ich es professionell herbeigeführter Zufall. Denn auf Basis dieser -sagen wir mal intuitiven – Vorgehensweise gab es schon ein paar der wichtigsten
(Er-) Findungen. Die Entdeckung Amerikas, der Röntgenstrahlung, des Penicillins, Viagras, der kosmischen Hintergrundstrahlung, des Klettverschlusses, der Post-Its, des Systematischen Kaffeetrinkens und vieles mehr haben wir diesem Phänomen und dem Entdeckergeist zu verdanken.

Erst die (Er-)findung, dann der „Beweis“. Aber dazu später mehr 😉

Die positive Auswirkung von Zufällen können wir immer erst im Nachhinein beurteilen. Der beste „Zufall“ meines Lebens zum Beispiel der auch dazu geführt hat, dass Sie diesen Beitrag gerade lesen, war das Kennenlernen meiner Frau (http://bit.ly/Liebe2Punkt0) in einem Internet Forum. Wäre ich 2005 nicht neugierig gewesen, mehr über eine anonyme Person zu erfahren, die sich hinter einem Avatarnamen verbarg (ähnlich wie Twitternamen), wäre niemals der Ball ins Rollen gekommen, der mich heute zum Social Media Consultant macht.

Wie geht die erfolgreiche Umsetzung von Social Serendipity?

Wenn Sie in den „Rückspiegel“ Ihrer persönlichen Lebenserfahrungen schauen, werden auch Sie sicher so wie ich zum Ergebnis kommen, dass es oft Zufälle waren, die uns zu den besten persönlichen und beruflichen Kontakten und Geschäften verholfen haben. Wer Serendipity nutzbar machen möchte, braucht lediglich zwei Dinge:

  1. Vertrauen, dass sich diese Zufälle auch in Zukunft ereignen werden
  2. Aktives Gehen in die Richtung, wo Zufälle am Wahrscheinlichsten sind

Natürlich geht das auch ohne Social Media. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied. Social Media Netzwerke wie XING & LinkedIn ermöglichen das Vorfiltern des Raums, in dem Sie sich aktiv auf den „Zufall“ hinzu bewegen können, in dem Sie sich Informationen über Personen verschaffen können, die in der Realität so nicht zur Verfügung stehen. Wer sich heute nur auf Reallife verlässt, hat zwar auch Erfolg. Aber Begegnungen entstehen viel zufälliger, denn das „Try and Error“ ist zeitintensiver.

Die Kaffee-Krönung der Social Serendipity

MiShas Social Media Serendipity als Bedürfnispyramide

Bildnachweis: Michael Rajiv Shah

Social Media Serendipity – insbesondere im B2B-Bereich – ohne die Integration von Offline-Elementen bringt in der Regel nur etwas für Produkte wie eBooks, eLearning, eShopping & Co.!

Ist aber der Mensch und seine Leistung das Produkt, so ist das was Lars Hahn „Systematisch Kaffeetrinken“ nennt, eines der Hauptziele der professionellen Social Serendipity. Virtuelle Netzwerkzeuge dazu zu nutzen, den virtuellen Raum in das echte Leben zu ziehen. Übrigens dazu gehört unbedingt ebenso „Systematisch Telefonieren“, „Systematisch Briefeschreiben“ und so weiter! Das Telefonieren ist ein weiterer extrem wichtiger Vorfilter, der zum Einen zur Kontaktqualifikation und anderem intuitivem Spüren, ob und warum ein reales Kennenlernen persönliche Freude, beruflichen Sinn oder vertrieblicher Zielerreichung dienlich sein könnte.

Fazit: Social Serendipity ohne „Systematisch Kaffeetrinken“ macht Social Media zum Selbstzweck. Das sollten Sie unbedingt vermeiden.

Warum Zahlen, Daten Fakten für Social Serendipity wichtig sind

Als Lars mir das Thema des Gastbeitrags aufgab wünschte er sich eine Erklärung von mir wie es kommt, dass mein sehr intuitiver (Er-)finderzugang einem sehr ausgeprägten Hang zu Zahlen, Daten und Fakten gegenübersteht. Die Erklärung ist recht einfach, liebe LeserInnen:

Wer glaubt schon jemandem, der sagt, er habe aufgrund bestimmter Beobachtungen in Sozialen Netzwerken ein Muster oder eine Gesetzmäßigkeit erfunden, die für Ihre Arbeit in sozialen Netzwerken wichtig ist?

Daten und Fakten sind mein Schlüssel zum Beweis allgemeingültiger Social Serendipitymuster

Mein zweiter und dritter Berufsabschnitt hatten auch sehr viel mit betriebswirtschaftlichen Zahlen zu tun. Insbesondere die 7 Jahre Finanzdienstleistung haben mich gelehrt, dass Zahlen, die uns von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, meist den Sinn haben, ein bestimmtes Verkaufsziel zu erreichen. Nicht aber wirklich für Käufer gemacht wurden. Diese Tausenden Stunden mit Bilanzen bzw. Zahlen und haben dazu geführt, dass ich ein intuitives Gespür für Daten entwickelt habe, die ich auch heute nutze.

Beispiele für Ihre Social Serendipty-Arbeit im Social Media Business

  1. Das Beispiel der (Er-)findung eines Frühwarnsonars für Personalentwickler: Als ehemaliger offizieller XING-Trainer nutzte ich zur Erläuterung der XING Unternehmensprofile immer dieselbe österreichische Niederlassung eines weltweit tätigen Beratungsunternehmens. Irgendwann habe ich „zufällig“ festgestellt, dass es ein Muster in Mitarbeiterfluktuation gibt. Und zwar das Auftreten der für Bewerbungen typischen Softskill-Keywörter wie Team-, Durchsetzungfähigkeit und Einsatzbereitschaft bei Wechselwilligen. Sie finden das Beispiel unter http://bit.ly/3-Schritte-zur-Personaler-Achillesferse
  2. Nächstes Beispiel: die (Er-)findung der Nutzung von XING-Gruppen als Blog: In meiner ersten Gruppe sammelten wir Moderatoren aufgrund der unübersichtlichen zweidimendionalen Struktur inhaltliche Themen in einzelnen Artikelbäumen. Durch die Gruppenstatistiken stellten wir dann zufällig fest, dass dieses völlig atypische immer wieder „Antworten“ von Einzelbeitrag zu Einzelbeitrag zu mehr Abrufzahlen führte. Das nannte ich dann die http://bit.ly/den_ArtikelBaum_faellen-Strategie.
  3. Das Beispiel der Recruiter Marktdichte zur Beurteilung der Social Standortwahl: Je häufiger die XING AG ihr großes Wachstum im HR/Recruiting Bereich verkündete, desto neugieriger wurde meine Vertrieblerintuition auf die faktische Marktauswirkung. Irgendwann nahm ich spasseshalber aktuelle Mitgliederzahlen von XING und LinkedIn und dividierte diese durch die Mitgliederzahlen, die ‚“Human Resources“ oder Recruiting’ in Ihrem Profil stehen haben und ermittelte diese für Österreich und die Schweiz. Siehe da, der Erfolg wirkt sich so aus, dass die Recruiterdichte auf XING in beiden Ländern doppelt so hoch wie bei LinkedIn ist. Frage an Sie: Wo müssten für Recruiter die mathematischen Chancen besser sein? http://bit.ly/Recruiting-Fischerei
  4. Das Beispiel der Follower-Akzeptanz bei Unternehmensprofilen: Dividieren Sie mal die Follower-Anzahl eines Unternehmensprofils durch die Mitarbeitanzahl des Unternehmens auf der jeweiligen Plattform. Was Sie als Ergebnis erhalten ist der Quotient, der die Follower je Mitarbeiter angibt. Auf Follower bezogen ein ähnlicher KPI’ wie der Prokopfumsatz von Mitarbeitern eines Unternehmens. Spannend dabei, LinkedIn schneidet in der Regel selbst bei der Überzahl nicht aktiv gemanagter Unternehmensprofile besser ab als XING. http://bit.ly/Followakzeptanz

Glauben Sie mir nichts! Rechnen Sie nach!

Bitte! Glauben Sie mir niemals, ich bin auch ‚nur’ ein Verkäufer meiner Fähigkeiten! Entschuldigen Sie die verwirrende aber wahre Aussage, die nur ein Ziel hat: Rechnen Sie unbedingt selber nach und nutzen Sie eigene Ergebnisse, um zu professionell entscheiden zu können wo und wie Sie Social Serendipity am zielführendsten für sich oder Ihr Unternehmen nutzen können.

Ihr
Michael Rajiv Shah

Update: Eine aktuelle Bitkom-Veröffentlichung gibt diesem Beitrag direkt nach Redaktionsschluss noch mehr Aktualität: XING- und LinkedIn Nutzer seien zu einem großen Teil „privat“ unterwegs, sagt da der BITKOM. Michael hat sich diesem Thema direkt im Blog angenommen und nimmt die Zahlen auseinander. Fazit: Vorsicht mit Statistiken und Studien!

Der Autor Michael Rajiv Shah ist Initiator von systematischem SocialMedia Network Nutzen in Unternehmen seit 2005, B2B Social Network Experte, Buchautor zu LinkedIn, XING und Twitter für Einsteiger, B2B Social Networking Trainer Ideen für Ihre Kommunikation. Sein Angebot ist zu finden unter www.networkfinder.cc. MiSha hat unverkennbar indische Wurzeln, wuchs im Rheinland und weilt heute in Wien.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

20 Kommentare

  1. In der Esoterik-Welt nehme ich Sätze wie „Wohin ich meine Energie lenke, trete ich mit den passenden Dingen in Resonanz.“

    Unsere deutsche Sprachen zeigt es sehr gut: Zu-fall ist, wenn mir etwas zufällt, in den Schoß fällt.

    Verwandt ist ja auch der Ein-fall: mir ist etwas in mein Bewusstsein ein-gefallen.

    Womit ein weitere Mysthischer Punkt, die Akasha-Kronik hinzukommt:

    Alles Wissen ist schon bekannt und wir zur passenden Zeit aus dieser geholt.

    Ja, als nüchterner Physiker sind das erstaunliche Wahrnehmungen, die ich inzwischen aber auch bestätigen kann. Und ja, je mehr ich davon ausgehe, dass mir bei Bedarf schon die passenen Dinge zufallen werde, desto mehr geschieht es …

    Viele Grüße
    Martin

    Antworten
  2. Pingback: Was ist Social Serendipity? - es findet mich ...

  3. Lieber Lars … nur eines ist Gewiss … der stete Wandel. Das was schon lange überfällig war, die Trennung meiner persönlichen Vorliebe vom Business ist vollzogen und findet bei http://www.MiSha.at seine neue Heimat.

    Eigentlich würde auch Dein Indien-beitrag dort besser hin passen. Aber nun ist es einmal so 😉

    Lieben Gruss
    Dein MiSha

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  4. Hallo Michael und Lars,

    sowohl die Idee als auch der Beitrag gefällt mir sehr.

    Der Volksmund hat für das beschriebene Phänomen ein passendes Sprichwort parat: „Kommt Zeit, kommt Rat.“

    Sonnige Grüße, Ralph

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  5. Pingback: Reallife-Facette der Social-Serendipity | Innov...

  6. Lieber Lars,

    per Facebook wurde ich an das zwei Jahre alte Posting erinnert. Genau vorgestern las ich einen Wissenschaftsspecial, den ich mir serendipitös wie ich bin sogar mitnahm, ohne bewusst zu ahnen, dass ich zwei Tage später an meinen Gastbeitrag erinnert werden werde.

    http://bit.ly/Serendipity_in_der_Wissenschaft

    Sehr spannend und serendiptös darin ist der Newtonhinweis auf dessen Basis ich zufällig meinen Neustart als Speaker auf der Personal Austria begann. Auch Dein Weihnachtsspecial hat damit zu tun.

    http://bit.ly/emc2_Quantum_EmployeeBranding

    Grüsse ins Rhein-Ruhr-Eck
    Der MiSha aus Wien

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    • Dein Comeback hab ich mit Freude und Neugier registriert.
      Klasse lieber Misha! Und klar: Irgendwie hängt alles mit vielem zusammen. Nur anders als man denkt.

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  7. Pingback: Verneigen vor dem Gott des Anderen › MiSha . at

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