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Mythos Fachkräftemangel. Buchtipp plus Bonustipps für Bewerbung und Jobsuche.

Mythos Fachkräftemangel

Das Buch Mythos Fachkräftemangel ist gefüllt mit passenden Zitaten – auch auf eingelegten „Ansichtskarten“

Endlich hat mal jemand aufgeschrieben, was mich schon lange beschäftigt: Eine differenzierte Betrachtung über das allgegenwärtige F*-Wort der Personalbranche und aller Arbeitsmarktexperten: Fachkräftemangel – gerne noch garniert mit Vollbeschäftigung, Fachkräftesicherung, Bedrohung des Wirtschaftsstandortes, Engpassberufe, Azubi-Notstand. Kein Tag, an dem nicht diese und ähnliche Buzz-Wörter durch die Medien geistern. Oft undifferenziert in den Raum geworfen; denn Aufmerksamkeit ist gewiss. Ein mulmiges Gefühl stellt sich ein. Erlebt man denn nicht in Deutschland tagtäglich auch gegenläufige Entwicklungen? Frustierte Bewerber, hochqualifzierte Langzeitarbeitslose, schlecht bezahlte Fachkräfte selbst in sogenannten Engpassberufen.

Martin Gaedt, Recruiting- und HR-Fachmann widmet sich in seinem neuen Buch dem „Mythos Fachkräftemangel“ und untersucht, wie es wirklich um den deutschen Arbeitsmarkt steht. Vorneweg: Für Personalexperten und Menschen die sich mit dem Arbeitsmarkt beruflich befassen, ist das Buch Pflichtlektüre. Ich hatte vor dem Erscheinungstermin am 19.02.2014 bereits Gelegenheit, das Buch zu lesen und bin froh, jetzt endlich ein fundiertes Werk zu haben, was dem Fachkräftemangel-Hype auf den Zahn fühlt.

Fachkräftemangel – ja oder nein?

Ja, gibt‘s denn jetzt den Fachkräftemangel?  Altbekannte Zahlen legen das nahe. So stellte die Bundesagentur für Arbeit vor drei Jahren fest, dass bis 2025 das Angebot an Arbeitskräften um ca. 6,5 Millionen sinken werde. Diese Riesen-Zahl wird seitdem gerne und häufig als zu erwartende Fachkräftelücke zitiert, besonders gerne von Wirtschafts-Verbänden. Entwicklungen wie technologische Veränderungen oder Rationalisierungsgewinne werden dabei gerne völlig ausgeblendet. Meine These lautet nach wie vor:  Vielleicht haben wir 6 Millionen Erwerbspersonen weniger, aber sie werden gar nicht alle fehlen.

Mythos Fachkräftemangel: Buch mit Lösungen

Martin Gaedt kommt in seinem Buch zu dem Schluss „Nein. Es gibt ihn nicht“, den Fachkräftemangel. „Aber es läuft gewaltig was schief auf Deutschlands Arbeitsmarkt“. Unternehmen gingen eingefahrene Recruitingwege, die schon in der Vergangenheit schlecht funktionierten und heute gar nicht mehr fruchteten. Grad kleine und mittlere Unternehmen auf dem Land ringen Fachkräfte, selbst wenn sie gute Produkte herstellen. Gravierend: Genau sie stellten den Großteil der Arbeitsplätze  in Deutschland, konzentrieren sich aber auf die bewährten einseitigen Suchwege bei der Personalsuche. Gaedt beschreibt, warum sie häufig selbst Schuld sind: Sie kümmern sich bisher schlichtweg zu wenig, als attraktiver Arbeitgeber zu erscheinen. Starker Tobak! Aber fundiert!

Im Buch Mythos Fachkräftemangel beschreibt Gaedt, dass es im deutschen Arbeitsmarkt besonders knirscht, unter anderem weil

  • Recruitingsverfahren mit altbackenden Stellenanzeigen eingestaubt, nicht zeitgemäß und für Bewerber bisweilen entwürdigend sind,
  • Qualifizierte Fachkräfte abwandern, weil sie sich nicht wertgeschätzt und respektiert fühlen,
  • Hochschulausbildung einseitig gehypt und die klassische Ausbildung vernachlässigt wird,
  • das klassische System aus Beruforientierung und Berufsberatung mit großen Mängeln behaftet ist. Man könnte hinzufügen, der Beratung zu Fachkräften mangelt es auch.

Lösungsansätze gegen den „Fachkräftemangel“

Klasse ist, dass Martin Gaedt nicht nur Schwachstellen aufzeigt, sondern Lösungsansätze für Unternehmen, Politik und Gesellschaft anbietet. Sie liegen, was Wunder in den Themen Arbeitgebermarketing, Kommunikation, Bildung, Wertschätzung.

Besonders wegen dieser praktischen Lösungsansätze ist Mythos Fachkräftemangel ein lesenswertes Buch für Personalverantwortliche und Menschen, die sich mit dem Thema  Arbeitsmarkt befassen. Martin Gaedt will zur Diskussion anregen. Also: Ring frei!

Meine Tipps für Bewerbung und Jobsuche – Mythos Fachkräftemangel

Auch Bewerber können von den Erkenntnissen des Buches lernen. Denn was bedeuten die rasanten Veränderungen der Arbeitswelt für die Jobsuche? Umdenken!

Klassische Verfahren der Stellenbesetzung mit Ausschreibung in Stellenbörsen, starren Vorstellungsgesprächen und unpersönlichen Absagen törnen Sie ab? Sie haben das diffuse Gefühl, dass der Standardweg der Jobsuche der falsche ist?

Herkömmliche Wege werden zukünftig noch unattraktiver, wenn viele Unternehmen zukünftig verstärkt andere Wege gehen (müssen). Machen Sie es den Unternehmen leicht und gehen Sie ebenfalls andere Strategien.

10 Tipps für Bewerbung und Jobsuche im Schatten des Fachkräftemangels

  1. Recherchieren Sie nach spannenden Unternehmen abseits der Stellenanzeigen, z.B. bei XING, kununu und LinkedIN.
  2. Lösen Sie sich vom Mythos der bundesweiten Mobilität. Die meisten wollen gar nicht unbedingt nach Hamburg, München, Berlin und Köln. Sie finden dort nur einfacher Jobs.
  3. Haben Sie den Mut auch nebenan (auf dem platten Land) nach Unternehmen zu suchen. Vielleicht finden Sie einen spannenden Arbeitgeber gleich nebenan.
  4. Besuchen Sie Karrieretage und  Jobmessen!
  5. Besuchen Sie auch fachlichen Veranstaltungen: Messen, Kongresse, Tagungen, Verbandstreffen!
  6. Schauen Sie in XING und Co., ob Sie nicht sogar Menschen im Wunsch-Unternehmen kennen. Wenn nicht schauen Sie dort, wer im Unternehmen so nett und interessant aussieht, dass Sie mit ihm einen Kaffee trinken würden.
  7. Jeder hat ein Netzwerk: Gehen Sie Systematisch Kaffeetrinken mit Bekannten aus Schule, Studium und Hobby!
  8. Pflegen Sie berufliche Kontakte, die Sie bereits  kennen und verabreden sich auch mit ihnen zum Kaffee!
  9. Gehen Sie systematisch vor: Machen Sie Listen von Menschen, mit denen Sie gesprochen haben und noch sprechen werden.
  10. Nutzen Sie die Zeit der Jobsuche für die Schärfung Ihres Profils, zum Beispiel für eine berufliche Weiterbildung. Möglicherweise ist das die einzige sinnvolle Unterstützung, die Sie von der Agentur für Arbeit erhalten werden.

Die Jobsuche über Gespräche und das Pflegen von Netzwerken kann länger dauern als die klassische Jobsuche über Stellenanzeigen. Manchmal geht sie aber auch sehr schnell: Beim ersten Gespräch funkt’s.

Entscheidender Unterschied: In der Regel erhält man über informelle Gespräche á la Systematisch Kaffeetrinken viel authentischere Informationen über den potentiellen Job. Hier können Sie auch fragen, wie der nächste Arbeitsplatz aussehen könnte. Die Gefahr voll daneben zu liegen, ist somit viel geringer, als beim klassischen Bewerbungsverfahren.

Wenn sich das mal nicht lohnt?

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

10 Kommentare

  1. Guten Morgen Lars,
    Wow, ich glaube dieses Buch schmeckt mir, unterstreicht es doch meine Einschätzung des Arbeitsmarktes.
    Das werde ich lesen…
    Viele Grüße,
    Ulrike

    Antworten
    • Unbedingt Ulrike,

      da sind auch soviel Zahlen, Daten, Fakten zu Arbeitsmarkt, Recruiting, Fachkräftemangel drin, die Deine Einschätzung unterstützen werden.

      Liebe Grüße!
      Lars

      Antworten
  2. Toller Artikel zu einem von mir sehnsüchtig erwarteten Buch. Habe ich seit heute ebenfalls die Gelegenheit es zu lesen kann ich es kaum erwarten nach dieser Rezession. Sehr gelungen geschrieben und macht neugierig auf die Lektüre.

    Die Ergebnisse decken sich vermutlich mit jedem, der sich mit den Themen auseinandersetzt. Umso erfreulicher, dass es im Buch, aber auch hier praktische Tipps gibt.

    Viele Grüße
    Stefan

    Antworten
    • Danke, Stefan Lehmann! Es lohnt sich das Buch von A bis Z zu lesen. Martin Gaedt macht wirklich einen Rundumschlag um das Thema Fachkräftemangel. Spannend für Euer Unternehmen ist sicher der ganze Part zum Thema Berufsberatung. Viel Spaß!

      Antworten
  3. Es ist gut das jemand aufgeschrieben hat was einige, mich eingeschlossen, schon so lange sagen. Spricht man in HR-Kreisen von Fachkräften, so denken viele sofort an die High-Potentials, wie wir sie ständig in Stellenausschreibungen finden. Gesucht werden aber Facharbeiter, gut ausgebildete Studenten aus der zweiten und dritten Reihe, die zwar gerne 50km entfernt studiert haben, aber dann eigentlich wieder daheim arbeiten wollen. Werde das Buch bestellen und wahrscheinlich Nackenschmerzen vom ständigen zustimmenden Nicken bekommen…

    Antworten
    • Das ist der Trend. Alle denken an High-Irgendetwas und vergessen, dass es auch die klassischen Fachkräfte mit Berufsuasbildung oder Akademiker ohne Karriereallüren geben muss.
      Danke, Herr Berthold für den Kommentar und viel Spaß bei der Lektüre!

      Antworten
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