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Skandal! Fachkräftemangel fällt aus! Was nun? #Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel fällt aus

Skandal! Fachkräftemangel fällt aus.

Jetzt ist es wissenschaftlich belegt: Der Fachkräftemangel fällt aus!

6.000.000 fehlende Fachkräfte fehlen gar nicht!

Sechs Millionen!

Sind sie schlichtweg wieder aufgetaucht? Oder haben gar nie gefehlt? Oder man hatte sich da mal um 6.000.000 vertan?! Ein Skandal?!

Von Anfang an: Was ist passiert?

Fachkräftemangel: 6,5 Millionen werden fehlen

2010 prognostizierte die Agentur für Arbeit unter dem Titel „Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland“ einen Rückgang des Arbeitskräftepotentials bis 2025 um 6.500.000 in Worten 6,5 Millionen Personen. Diese Zahl ist in der Folgezeit bis heute meistens als Beleg für den drohenden Fachkräftemangel enormen Ausmaßes verwendet worden. Schließlich ist die Zahl ja amtlich. Von der Bundesagentur für Arbeit und ihrem hauseigenen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB. Der demografische Wandel führe zu Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel war zum Beispiel auch Tenor einer Serie im Blog der FAZ, zu deren Blogparade ich 2013 schon mal was über „Vollbeschäftigung, Fachkräftemangel – Buzzwords des Arbeitsmarkts“ schrieb. 6.500.000 fehlenden Fachkräfte bestimmten also in den letzten Jahren die Messlatte und waren damit auch diskussionsbestimmend für Themen wie „Bluecard“, „Rente mit 67“ und gar Verkürzung von Schul- und Studienzeiten.

Und jetzt nur noch 500.000 statt 6.500.000? Wie das?

Fachkräftemangel fällt aus: Nur 500.000 fehlen 2025

500.000 Arbeitskräfte werden 2025 voraussichtlich fehlen gegenüber dem Jahr 2010. Das sagt jetzt die gerade erschienene brandaktuelle Studie „Arbeitsmarktprognose 2030“, die im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlicht wurde. Demnach sinkt die Zahl der Erwerbspersonen in der so genannten mittleren Basisvariante von 43,5 auf 43 Millionen. Macht summa summarum 500.000.

Zum Mitschreiben – Differenz Erwerbspersonenpotential 2010 zu 2025:

Studie 2010          6.500.000

Studie 2014             500.000

Differenz            – 6.000.000

Brisante Abweichungen beim Fachkräftebedarf

Innerhalb von drei, vier Jahren ist also eine der zentralen Zahlen der Diskussion um den Fachkräftemangel relativiert. Spannend wird dies, wenn man bedenkt, dass die Bundesagentur für Arbeit mit ihrem Forschungsinstitut dem BMAS untersteht, also dem Auftraggeber eben jener aktuellen Studie. Daraus ableitend könnte man sich so einige Fragen stellen. Zum Beispiel:

  • Wie kann die enorme Änderung des prognostizierten Rückgangs des Erwerbspersonenpotentials sein?
  • Wurden zwischenzeitlich tatsächlich zig Millionen Fachkräfte aus dem Ausland gewonnen?
  • Konnten aus der sogenannten Stillen Reserve Millionen von Arbeitskräften aktiviert werden?
  • Haben sich die Erwerbspersonen gar in der Zwischenzeit signifikant selbst vermehrt?
  • Oder haben sich vielleicht seinerzeit die Experten um viele Millionen verrechnet?
  • War die hohe Zahl des Erwerbspersonen-Rückgangs, die als Beleg für den Fachkräftemangel bis heute herhielt, gewollt oder gar politisch lanciert?
  • War die Veröffentlichung der Zahl von 6,5 Millionen fehlenden Arbeitskräften gar ein Skandal?
  • Oder untertreibt die jetzige Studie und das ist der Skandal?
  • Was meinen Sie?

Fazit: Flächendeckender Fachkräftemangel fällt 2025 aus!

Tatsache ist, dass in den nächsten zehn Jahren keine demografische Katastrophe am deutschen Arbeitsmarkt entstehen wird. Es werden wahrscheinlich 500.000 Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen und die übrigen werden besser qualifiziert sein. Wenn man anzunehmende Rationalisierungseffekte gerade bei Großindustrie, Dienstleistung und Handel berücksichtigt, könnte das dazu führen, dass es im Saldo nicht weniger potentielle Bewerber für die gleiche Anzahl an Arbeitsplätzen gibt.

Der Fachkräftemangel fällt also aus! Gleichzeitig ändert sich unsere Arbeitswelt rasant.

Was nun TUN? Mit dieser Frage befasse ich mich im Blogbeitrag in der kommenden Woche. Wenn Sie mögen, könnten Sie mir helfen, indem Sie in der Zwischenzeit einige der Fragen von oben beantworten oder Ihre Sicht der Dinge in den Kommentaren hinterlassen.

Disclaimer: Bevor es einer bemerkt: Einzelne Unternehmen haben natürlich oft Schwierigkeiten, einzelne Stellen zu besetzen. Über die Gründe wurde viel im Rahmen der „Mythos Fachkräftemangel“-Diskussion geschrieben und gesprochen.

Und ja: Der demografische Wandel findet unerbittlich statt, die Arbeitswelt in den nächsten 50 oder gar 70 Jahren wird weniger Arbeitskräfte zur Verfügung haben. Aber vielleicht oder gar hoffentlich auch weniger Arbeit. Und weniger Renten.

Und natürlich gibt es Branchen mit chronischen Mangelberufen. Dazu gehören beispielsweise der gesamte Gesundheits- und Pflegebereich und ausgewählte Ingenieurberufe. Da darf gerne das Buzzword „Fachkräftemangel“ bemüht werden. Wobei natürlich immer auch die Bedingungen dieses Bereichs mit berücksichtigt werden müssen. Möglicherweise ist der Fachkräftemangel einer Branche ja auch darauf zurückzuführen, dass die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung unattraktiv sind. Aber das ist dann schon wieder Stoff für eine neue Geschichte …

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

43 Kommentare

  1. Hinter dem Punkt stehe ich auch, dass vereinzelte Unternehmen keine passenden Bewerber mehr bekommen und somit vom Fachkräftemangel schimpfen. Dies hat aber mehrere Gründe z.B. unattraktiver Arbeitgeber, sehr abgelegener Standort oder die Personalabteilung schaltet nur Anzeigen in der örtlichen Zeitung um nur ein paar zu nennen. Dann ist ja klar, dass das Geschrei groß ist!
    Es kommen auch immer weniger nach die den ganzen Tag an einer Maschine in einer Halle stehen wollen. Zudem muss auch immer mehr der Work-Life-Balance stimmen.
    Das sind die Themen mit denen sich die Personalabteilungen rumschlagen müssen.

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  2. Lieber Herr Hahn,

    ein genauer Blick in die Studie hätte Ihnen die Freude verdorben.

    Der Mangel schrumpt auf „nur“ zwei Millionen Fachkräfte wenn…

    1. Das Arbeitskräftepotential mit 15-74 Jahren berechnet wird. (Statt wie bisher 15-65 Jahre). Mit anderen Worten: Rente mit 74.

    2. Wir alle 2 Stunden pro Woche mehr arbeiten

    3. Die Frauenarbeitsquote massiv erhöht wird. (Was schwierig ist, weil 1. mehr als die Hälfte aller Frauen selbst älter als 47 Jahre ist und 2. die übrigen Frauen bald unsere Pflegefälle versorgen müssen. Unfair, aber wahr.

    3. Wir langfristig mindestens 200.000 Netto-Einwanderer pro Jahr haben. Das funktioniert im Moment, dank der Wirtschaftskrise – ob das so bleibt ist fraglich.

    Die Zeit hat gerade in einer schönen Grafik aufgezeigt, was passiert wenn die Einwanderungszahl nur 100.000 pro Jahr beträgt:

    http://www.zeit.de/wissen/altersstruktur

    Lieber Gruss
    Chris Pyak

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    • Hallo Herr Pyak,

      vielen Dank für die wertvollen Ergänzungen. Ich hatte mich auf die Veröffentlichung der Zusammenfassung der Studie berufen, die interessanterweise kaum kürzer ist, als die von Ihnen genannte Broschüre. http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Pressemitteilungen/2015/arbeitsmarktprognose-2030-zusammenfassung.pdf;jsessionid=019DA43C1D99F1972A3A991CDDA3E002?__blob=publicationFile
      Zu Ihren Argumenten: Von Rente mit 74 redet in der Prognose keiner. Dort heißt es „Wir rechnen in unserer Prognose mit einem Anstieg der Erwerbsquoten der 60-74-Jährigen um 10 Prozentpunkte auf 35 %.“ Bezugsgröße auch im von Ihnen zitierten Dokument ist allerdings die „Rente mit 67“.
      Eine Arbeitszeiterhöhung indessen um 2 Stunden (bis 2030) halte ich für nicht unwahrscheinlich, siehe aktuelle Entwicklungen im öffentlichen Dienst.
      Kritischer Faktor bleibt wohl die Zuwanderung. In diesem Fall würde ich zustimmen. Das könnte fraglich sein, aber eben auch nicht. Sie tun ja viel Gutes zum Erreichen einer guten Größe! 😉

      Ziel meines Artikels war auch, die Beliebigkeit solcher Prognosen und deren Brisanz aufgrund des „Allmachtcharakters“ für Diskussionen aufzuzeigen. Selbst, wenn es 2 Millionen sind, die zu heute fehlen sollten: Eventuelle Rationalisierungseffekte spart ja die Prognose aus, möglicherweise benötigt „der Arbeitsmarkt“ ja gar keine 40 + x Millionen Arbeitskräfte.

      Spannend bleibt allemal, wie die Ergebnisse der aktuellen Prognose die öffentliche Diskussion beeinflussen wird. Und wie dann in 5 Jahren die nächste Prognose lauten wird.

      Viele Grüße!
      Lars Hahn

      Antworten
    • ähemmmmmmmmm, in der Studie steht geschrieben, dass die andere Hälfte der Frauen die Pflegebedürftigen versorgen MUSS? Wie will man denn das schaffen? Zwangsrekrutierung?

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  4. Ein zentraler Punkt ist die Verwechslung von „Erwerbspersonenpotential“ und Fachkräftemangel. Das IAB macht 2011 sehr deutlich, dass das IAB selbst ausdrücklich nicht vom einen auf das andere schließt
    (Diesen Schluss ziehen andere, vielleicht auch aus politischen Gründen)
    http://iab.de/194/section.aspx/Publikation/k110721n01

    Ein anderer Punkt ist die Zuwanderung. Sie wurde vom IAB mit 100.000 bereits als Szenario mit hoher Zuwanderung angenommen.

    2014 nennt das IAB noch höhere Raten (120-140 Tsd.)
    http://iab.de/194/section.aspx/Publikation/k140917301
    und nun sind es 200.000 (BMAS).

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  6. Mir liegt dabei ein Ausspruch meines alten Lehrers auf der Zunge: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ Man könnte das hierbei vielleicht auch auf die Studien übertragen.
    Gruß

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    • Noch schlimmer: Die Prognosen über den Fachkräftebedarf sind besten Wissens so ausgefallen, glaube ich. Das macht die Sache aber nicht besser.

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  7. @Lars: Glaube ich auch. Allerdings finde ich diese Variante schon besser. Wobei mich dennoch die Gründe der Fehlprognose interessieren würden.

    Aber noch einmal: Das IAB schreibt im Kurzbericht 16/2011 (am Ende): „Der Rückgang des Arbeitskräfteangebots führt nicht zwangsläufig zum Fachkräftemangel…“ Das ist doch eindeutig! Faktoren, die angeführt werden: Anpassung von Kapital- und Gütermärkten, verstärkte Investitionen in Bildung, Anerkennung Älterer, Gleichberechtigung Frauen / Männer, Integration. Und mit Bezug auf die letzteren Punkte wird gesagt: Die Maßnahmen sind okay, denn das wollen wir doch sowieso! Finde ich gut.

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    • Das IAB redet nicht von Fachkräftemangel. Aber die BA tut das zumindest operativ immer wieder gerne. Und viele Verbände, Medien und Akteure im Tagesgeschäft sowieso. Und die berufen sich auf die berühmten 6,5 Mio.

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  8. Hallo,

    wir fragen immer wie wird es sein. Müssen wir was tun oder sitzen wir das aus.

    Ehrlich, ich fühle mich außer Stande mir meine verläßliche Meinung zu bilden, auch wenn ich selbst den prognostizierten Fachräftemangel strapaziere, um Aufmerksamkeit für die Themen „Neue Qualität der Arbeit“ oder Arbeitgeberattraktivität zu erhaschen.

    Heute empfinde ich es als absolutes Märchen, das aber in den nächsten Jahren wahr werden könnte.

    Statt zu fragen „wie wird die Arbeitswelt ausehen“ gehe ich lieber der Frage nach „Wie wollen wir arbeiten?“.

    Wollen wir die selektive Suche nach „Plug and Play“ Mitarbeitern in der Altersgruppe 33-47 mit gradlinigem Lebenslauf ein Ende setzen? Wollen wir den sinkenden Arbeitsfähigkeit im Alter und die zunehmenden psychischen Erkrankungen weiter dulden? Den jungen Menschen Perspektive geben und die älteren gesund und arbeitsfähig halten?

    Ich bin vielleicht ein Träumer. Aber wenn wir mit Respekt und Wertschätzung die Potentiale in den Menschen sehen, Vielfalt leben und Arbeit Flexibilisieren wird es unser Leben bereichern. Und wenn Management und Führungskräfte befähigt werden mit diesen geänderten Rahmenbedingungen, nein gerade wegen dieser, Unternehmen erfolgreich zu machen, dann werden wir größere Chancen haben, die Herausforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft zu meistern.

    Danke für diesen Blog-Artikel, der mich zukünftig tatsächlich ein wenig vorsichtiger mit dem Begriff Fachkräftemangel umgehen lässt.

    Gut, dass ich mich in meinem Tun nicht von Statistiken sondern von Herz und Verstand leiten lassen.

    @Lars ich freue mich, dass Sie bei Augenhöhe in Dortmund dabei sein werden.

    Danke für ihr Blogger-Engagement

    Herzliche Grüße Rainer Weichbrodt

    Antworten
    • Hallo Herr Weichbrodt,
      genau. Die nächsten Jahre werden es zeigen. Der Artikel sollte nur die Unstimmigkeiten von Zahlenspielen aufzeigen und sensiblisieren, damit vorsichtig zu agieren.

      Qualität vor Quantität ist auch mein Kredo. Ich denke, dass unter dem Aspekt der Zahlenspiele die gesamte Diskussion um Augenhöhe und NewWork noch einmal anders betrachtet werden könnte. Was ist denn, wenn wir merken, dass wir gar keinen Mangel an Fachkräften haben?

      Antworten
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  11. Hallo Lars,
    was meinst du, wenn der Fachkräftemangel jetzt ins Wasser fällt, braucht dann die Arbeitswelt auch keinen Feel-Good-Manager mehr?

    Liebe Grüße,

    Ulrike

    Antworten
    • Das glaube ich nicht. Das Bewusstsein des Wertes von guten Arbeitsbedingungen ist doch gestiegen.
      Allerdings Feelgood müsste den Nutzen fürs Unternehmen dementsprechend stark betonen, damit es realisiert wird.

      Antworten
  12. Mir persönlich ist kein Realunternehmer bekannt, der sich über einen Fachkräftemangel beklagt, sondern nur die sogenannten Möchtegernunternehmer ! (und von denen haben wir ja mehr als wie wir brauchen)

    Ich habe über ein Jahr recherchiert, mir die Jahresberichte der Handwerkskammern durchgelesen, mir die berufsbezogenen Abschlußprüfungen der Industrie angesehen. (natürlich nicht bei allen 11900 registrierten Akrtiengesellschaften)
    Ich habe mir die Zahlen der bestandenen Fort-und Weiterbildungsprüfungen angesehen. Alle Prüfungsabnahmen belaufen sich auf den Jahrgang 2013 – 2014.
    Ich habe mit Unternehmungen und mit Großkonzernen telefoniert.
    Ich habe diverse Unternehmungen persönlich besucht und vor Ort mit den Leuten gesprochen. Nix mit Fachkräftemangel !

    Und das Ergebnis habe ich in dem neuen Buch veröffentlicht mit Quellenangabe.
    Titel: „Fachkrtäftemangel in Deutschland ? – Ein Lügenmärchen der Politik und der Wirtschaft !“
    Es drängt sich vielmehr der Eindruck auf, dass man das Volk mit dieser Aussage belügt um eine Zuwanderung zu rechtfertigen.
    Darüber hinaus stimme ich einem BWL-Prof. zu der gesagt hat, „Fachkräftemangel nein, aber Fachlohnmagel ja“.

    Antworten
      • Hallo Herr Hahn !
        Ja, ob man wirklich eine Zuwanderung wünscht wage ich ernsthaft anzuzweifeln. Vielmehr ist es doch so, dass eine verlogene und unfähige Regierung in Deutschland tanzt, sobald Brüssel pfeift. Daher sehen auch viele Menschen in der Bevölkerung die Sache so, dass uns eine Flüchtlingsaufnahme von Brüssel vordiktiert wird. Ob die ganze Sache dann auch wirklich einen reinen humanistischen Charakter hat, wird vielerorts bezweifelt.

        Und damit man dem Volk dann erzählen kann, warum wir diese Leute aufnehmen, kommt dann gerade passend die Lüge vom Fachkräftemangel. Ich frage mich heute noch, wer diesen Quatsch in die Welt gesetzt hat. Jahrelang war alles OK und plötzlich über Nacht hatten wir auf einmal einen Fachkräftemangel ? Klingt schon ein wenig komisch, oder ?
        Schauen Sie sich mal dazu diese Sache an und hören Sie mal, was der Moderator von den Wirtschaftsverbänden hinter vorgehaltener Hand zu hören bekam.

        https://www.youtube.com/watch?v=55StX2kwBKc

        Und den letzten Schuß in der Sache gibt dann auch noch Brüssel ab in der Form, dass wir in Deutschland darüber nachdenken sollen, die Meitserprüfung komplett abzuschaffen. Mal ganz offen gefragt, haben diese Lackaffen in Brüssel eigentlich eine Ahnung davon worüber die reden ?
        Und unsere dummen Politiker argumentieren dazu noch, dass es ja „hochqualifizierte“ Leute bei den Zuwanderern gibt. (die wir ja angeblich nicht haben)
        Dann möchte ich mal schildern wie die Sache im Klartext aussieht.

        Also, nehmen wir an, wir würden in Deutschland die Meisterprüfung abschaffen und nehmen wir weiterhin an, dass unsere Zuwanderer hochqualifiziert sind dann stelle ich mir das so vor.
        Da kommt einer (der noch nicht einmal seinen Namen schreiben kann) und auch nicht weiß, welche Aufgabe in Deutschland der TÜV hat. Und genau dieser baut bei der Oma die Gasheizung ein. Wenn dann die Oma das Teil aufdreht, mir bitte vorher bescheid sagen dass ich früh genug aus dem Haus komme. Ich habe nämlich keinen Bock darauf, dass mir die Brocken um die Ohren fliegen. So viel zu dem Thema „Meisterprüfung abschaffen“ und „hochqualifizierte Zuwanderer“.

        Antworten
        • Herr Dinsing hat offensichtlich ein emotionales Problem mit Einwanderung. Stumpfe Stammtischparolen statt inhaltlicher Argumentation.

          Vielleicht sollte Herr Dinsing zur Kenntnis nehmen: „Das Volk“ gibt es nicht. Es gibt nur individuelle Bürger. Die haben unterschiedliche Interessen. Und diese Interessen werden durch gewählte (!) Politiker im Bundestag vertreten.

          Personen die „das Volk“ schreiben, meinen in Wirklichkeit: „meine persönliche Ansicht“.

          Antworten
          • Sie haben recht. Pauschalisierungen helfen nicht weiter, weder die über ungerechtfertigte oder gar unerwünschte Zuwanderung, noch die über flächendeckenden Fachkräftemangel.
            Die Welt ist wie immer viel komplexer, als Pauschalisierungen vermuten lassen.
            😉

        • Flüchtlinge aufzunehmen gebietet ja weniger der Arbeitsmarkt als die völkerrechtlichen Verträge und der menschliche Anstand.

          Daneben geht es um geregelte Zuwanderung für qualifizierte Fachkräfte. Meines Wissens hat das eine mit dem anderen erst einmal nichts zu tun.
          Deswegen finde ich eine Vermischung unglücklich.

          Eine geregelte Zuwanderung für Fachkräfte finde ich für ausgewählte Berufszweige sogar sinnvoll. Das ändert jedoch nichts daran, dass man pauschal nicht von Fachkräftemangel sprechen kann.

          Antworten
          • Hallo Herr Hahn und Herr Pyak !

            „Eine geregelte Zuwanderung für Fachkräfte finde ich für ausgewählte Berufszweige sogar sinnvoll. Das ändert jedoch nichts daran, dass man pauschal nicht von Fachkräftemangel sprechen kann.“

            Die von Ihnen angesprochene Zuwanderung wurde laut Aufzeichnungen in den Medien dazu verwendet um an Billiglöhne zu kommen. In wie weit nun auch eine wirkliche fachliche Eignung vorliegt, wurde nicht erwähnt. Wir müssen uns vor Augen halten, dass gegenwärtig ca. 7 Mio Menschen ohne Job, aber erwerbsfähig sind. (3 Mio ALG I und 4 Mio ALG II) Ich unterstelle, dass nur 20 % (vermuntlich sind es über 50 %) über eine erstklassige Ausbildung verfügen und auch die entsprechende Berufserfahrung haben. Dann sind wir ja jetzt schon bei 1,4 Mio Leute die dem Arbeitsmarkt ab sofort zur Verfügung stehen. Die Facharbeiter, Techniker, Meister (die am Fließband stehen) noch gar nicht dazu gerechnet. Und was Ihr Vorredener sagt,

            „Vielleicht sollte Herr Dinsing zur Kenntnis nehmen: “Das Volk” gibt es nicht. Es gibt nur individuelle Bürger. Die haben unterschiedliche Interessen. Und diese Interessen werden durch gewählte (!) Politiker im Bundestag vertreten.“

            Herr Pyak, dann sind Sie der erste den ich kennen lerne und der behauptet, dass unsere Politspinner in Berlin die Interessen des Volkes vertreten !
            Wenn das so wäre, dann hätten wir ja eine reale Demokratie. Diese Herrschaften vertreten (wenn überhaupt) primär ihre eigenen Interessen. Was das Volk will, interessiert die doch nicht !

            Die meisten die ich frage, wissen noch nicht einmal was eine Demokratie ist. Da kommt dann der Spruch „wir dürfen doch wählen“. Das Wahlrecht alleine ist noch lange keine Demokratie. Schauen Sie zu unseren Nachbarn. Wenn in der Schweiz ein Richter sagt, „im Namen des Volkes“ dann hat er nicht gelogen. Denn dort wurde ja zuvor auch das Volk gefragt, was bei uns ja nicht der Fall ist.

            So und damit komme ich wieder zum Thema hier. Die Schweizer haben einem Beitritt der EU-Allianz nicht zugestimmt. Das war aber nicht die Regierung sondern das war ein Volksentscheid, also der Wille des Volkes.
            Die lassen sich auch nichts aus Brüssel vordiktieren und die bestimmen selbst, ob sie ausländische Fachkräfte aufnehmen wollen, oder nicht. Ich wüßte jetzt nicht was daran falsch sein soll.

          • Wenn Sie sich auf die offiziellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berufen, sind die Zahlen komplett anders
            „932.000 Personen erhielten im März 2015 Arbeitslosengeld I
            In der Grundsicherung für Arbeitsuchende waren 1.976.000 Menschen arbeitslos gemeldet“.
            Quelle: http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Presse/Presseinformationen/ArbeitsundAusbildungsmarkt/Detail/index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI737632

            Überdies ein Wort zur Netiquette: Eine Beschimpuung von Politikern als Politspinner widersprechen den Regeln dieses Blogs und sind überdies offtopic.
            http://systematischkaffeetrinken.de/ueber-lars-hahn/

  13. Herr Dinsing,

    „Ausländer stehlen uns die Arbeitsplätze“ zieht nicht mehr, darum formuliert man solche Gedanken heute anders:

    “In der Fremdarbeiter-Frage etwa erntet man mit der Argumentation ,Die sollen doch heimgehen‘ nur verständnisloses Grinsen. Aber welcher Linke würde nicht zustimmen, wenn man fordert: ,Dem Großkapital muß verboten werden, nur um des Profits willen ganze Völkerscharen in Europa zu verschieben… …Der Sinn bleibt der gleiche: Fremdarbeiter raus! Die Reaktion der Zuhörer aber wird grundverschieden sein.“

    Die Quelle: Ein Beitrag der Nationalsozialistin Thora Ruth im Magazin “La Plata Ruf”. Ein Magazin dass vom ehemaligen Goebbels Adjudanten Wilfred von Oven in Argentinien herausgegeben wurde…

    Quelle:
    http://www.mik.nrw.de/uploads/media/mythen_online_01.pdf

    Antworten
    • Hallo Herr Pyak,
      ich kann ihre Position inhaltlich nachvollziehen. Meine liegt Ihrer um Äonen näher. Allerdings auch hier der Hinweis auf die Netiquette. Die wie immer auch unbequeme Meinung eines Diskutanten mit einem Verweis auf eine Nationalsozialstin zu diskreditieren, ist mehr als grenzwertig. Demokratie zeichnet sich meiner Auffassung nach dadurch aus, dass sie undemokratische Äußerungen erträgt. So möchte ich hier verfahren.

      Antworten
      • Hallo Herr Hahn,

        ich habe bewusst keine Wertung vorgenommen, sondern lediglich aufgezeigt, dass das von Herrn Dinsing benutzte Argumentationsmuster von rechten Kreisen bewusst genutzt wird um Ausländerhass zu verbreiten.

        Dieser Ansicht ist auch der NRW Landesverfassungschutz. (Siehe Link in meinem Beitrag)

        Antworten
        • Udo Dinsing

          14/04/2015 @ 16:32

          Aber im gorßen und ganzen wissen die beiden Herren noch was sie schreiben, oder ?
          Heute wurde noch über „Spiegel-Online“ eine Umfrage gestartet ob eine Zuwanderung unseren „Fachkräftemangel“ beheben könnte. Über 90 % der antwortenden Personen äußerten sich dahingehend, dass dieses wohl nicht der Fall sei.
          Vergesst nicht, das auch noch dem Verfassungscghutz mitzuteilen. Ich glaube ich bin hier im falschen Film.

          Im übrigen habe ich niemals gesagt, dass Ausländer oder Zuwanderer oder Asylanten oder sont wie bezeichnet, Arbeitsplärtze klauen !
          Ja Herr Pyak, wer lesen kann ist klar im Vorteil und im übrigen sparen Sie sich bitte Ihre unqualifizierten und spitzfindigen Äußerungen über Personen, die Sie nicht kennen !“

          Antworten
  14. Mal so prinzipiell aus der Makroperspektive. Mit schrumpfender Bevölkerung müsste eigentlich auch die Konsumnachfrage schrumpfen und damit auch die Nachfrage an Fachkräften. Auch schrumpfen nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber. Habe das Ad hoc natürlich nicht gegengerechnet, wäre es vielleicht aber mal Wert.

    Antworten
    • Arbeitgeber, die schrumpfen. Ein schönes Bild. Aber natürlich könnte das sein. Gerade bei Familienbetrieben. Muss aber nicht zwangsläufig. Denn auch Startups könnten in der Zeit sprießen.

      Ich gehe generell von einem Produktivitätszuwachs in alle Bereichen aus. Hatten wir nämlich bisher immer. Und dann ist das nebensächlich.

      Antworten
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  16. Es gibt auch ganz andere Studien: http://www.welt.de/wirtschaft/article140401411/Maschinen-koennten-18-Millionen-Arbeitnehmer-verdraengen.html Dort glaubt man, dass über die Hälfte der Arbeitsplätze wegrationalisiert werden! Man muss sich aber nicht auf Studien verlassen. Selber nachdenken hilf auch. Wenn z.b: bald Autos selber fahren können, dürfte das ganz schlecht für Taxi-, Bus oder LKW-Fahrer sein.
    Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass von Arbeitgeberseite praktisch nichts mehr in Weiterbildung der Mitarbeiter investiert wird und ich arbeite in der Computerbranche. Wie schlecht sieht es da erst anderswo aus?
    Es kann ja sein, dass es in machen Bereichen Zuwanderung braucht. Aber im Moment läuft es so,dass man Zuwanderung dazu missbraucht das Lohnniveau niedrig zu halten und an Aus- und Weiterbildung zu sparen. Ich bin mit dieser Meinung sicher nicht alleine und ich kenne sogar jemanden, der dieser Meinung ist obwohl er selbst eine Migrationshintergrund hat.

    Antworten
    • Zumindest werden manche Großunternehmen stets den bequemeren Weg gehen. Also eher jmd. vermeintlich Fertiges aus der Fremde einfliegen, als eigene Leute mühsam zu entwickeln.

      Klassische Mittelständler indessen würden wohl im eigenen Teich verbleiben oder?!

      Antworten
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  18. Moin Lars, ich bin gerade mal wieder aus Gründen auf deinen Blogartikel gestoßen. Eine spannende Diskussion hat sich da aufgetan. Allerdings hätte ich der in der Form keinen Raum gegeben. Glücklicherweise kann man Kommentare ja moderieren, ja sollte es sogar. Das aber nur am Rande. Du kennst ja sicherlich auch den Fachkräftemonitor der IHK. Da scheinen diese neuen Zahlen noch nicht angekommen zu sein. So rechnet man bspw. in BaWü bis 2025 immer noch mit 178.000 fehlenden Fachkräften (http://bit.ly/fkbawü) Demnach würde ja ein Großteil der Fachkräfte allein im Ländle fehlen. Nun ja, wie auch immer. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Danke noch mal für den erhellenden Artikel!
    Henner

    Antworten
    • Danke Henner. Nach wie vor werden verschiedene Zahlen zur Berechnung verwendet. Das ist alles sowieso relativ, sind doch Rationalisierungseffekte durch Digitalisierung oder VW-Skandal natürlich nicht berücksichtigt.
      Man nehme nur mal an, für Teile der Pflege werden tatsächlich in 10 Jahren Pflegeroboter eingesetzt. Dann ist der gesamte Pflegenotstand erledigt.

      Antworten
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