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Latein mit Lust? Über Lernen, Lernlust, Disziplin und TUN. #Blogparade

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Latein kann durchaus im Alltag nützlich sein.

“Non scholae, sed vitae discimus.”

Oder umgekehrt? Schon seit Generationen streiten sich die Menschen, wie nun Seneca es gemeint habe mit seinem vielzitierten Satz. Und wer die oben bekanntere Fassung daraus gemacht hat.

Latein war tatsächlich eines meiner Lieblingsfächer in der Schule. Latein!

Ich liebe die Sprachforschung, das Wörter abwägen und das Rätseln über den Sinn von Texten. Durch Latein erschloss sich mir Bedeutung und Schönheit von Grammatik auch in anderen Sprachen.

In Latein hatte ich die einzige 1+ meiner gesamten Oberstufenzeit. Vergil: Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris“

Gleichwohl: Häufig bedaure ich, dass ich nicht bereits frühzeitig neben Englisch und Latein noch eine weitere “lebendige” Fremdsprache so richtig gelernt hatte.

Kürzlich fragte ich aus aktuellem Anlass bei Facebook, “Latein oder Französisch?” und erhielt eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Antworten. Themen wie Bildung und Lernen reizt die Menschen zu antworten. Die Lektüre des Streams lohnt sich.

Latein mit Lernlust?

Und jetzt trudelte per Blogbeitrag von Wibke Ladwig die Einladung zur Blogparade von Bob Blume “Es war einmal die Lernlust” ins Haus. Blogparade heißt, Blogger lädt andere Blogger ein, zu einem Thema einen Beitrag zu schreiben. Lernlust also diesmal. Da muss ich doch einfach auch was schreiben.

Nämlich, wie ich ausgerechnet durch den Lateinunterricht meine Lernlust entwickelte. Und das war so:

Mein Lateinlehrer bis zum Latinum war “Herr S.-B.”. Er war ein Pauker von altem Schrot und Korn. Kam auch bei 28 Grad in Anzug und Krawatte. Ließ die Schüler zur Begrüßung aufstehen. Fragte täglich Vokabeln ab. In den achtziger Jahren mit seinen friedensbewegten Lehrern eigentlich der Prototyp eines ungeliebten Paukers.

Ich liebte seinen Unterricht.

Nicht offen aber insgeheim. Denn eigentlich war es uncool, so einen Lehrer cool zu finden. Ich liebte sein Brennen für die Sache. Ich liebte die spannenden Inhalte von Geschichte, Philosophie, Gesellschaftswissen. Ich liebte aber auch das Gefordert werden. Ich liebte das Geführt werden. Ich liebte zu wissen, dass Du dran sein wirst. Verlässlichkeit. Zielstrebigkeit. Ergebnis-, ja Erfolgsorientierung.

In der Pädagogik der 70er und 80er eben eher verpönte Werte. Vielleicht zu Recht. Zu frisch waren noch die Narben der durch Nazipädagogik versauten Generation. Herr S.-B. war immun. Er folgte seinen humanistischen, lateinischen Werten.

Disziplin und Lernlust

Warum nun hatte dieser Lateinunterricht eine inspirierende Wirkung auf mich?

Ich bin tendenziell faul. Und schweife gerne ab.

Das führt dazu, dass kreative Ansätze oft im Keim von Prokrastination und kurzfristiger Unlust ersticken. Und wenn keiner hinschaut, dann lass ich’s schnell sein. Resultat: Vieles angerissen, weniges zu Ende gebracht.

Jaja, höre ich sie sagen: “Intrinsisch motiviert ist doch viel besser, als einer Möhre hinterherzulaufen.”

Stimmt. Aber Disziplin, Ausdauer und Dranbleiben gehört dazu. Und das konnte und kann ich bisweilen nur schwer allein herstellen. Drum macht mir geführter Unterricht Spaß. Vorne Vorturner Klare Ansage. Aufgaben abarbeiten. Und so kam es, dass ich klassischen Unterricht á la Feuerzangebowle zu lieben begann.

Lernlust mit Lernanreizen

Heute ergeht es mir oft noch genauso. Nur: Mich führt keiner mehr (gut so).

Ich hab gelernt, dass ich die Lernanreize mir selbst setzen kann. Mich selber führen. Disziplin erzwingen. Wie das geht?

Mit laut formulierten Zielen und Projekten. Dies Blog “SystematischKaffeetrinken.de” ist ein Beispiel für so ein Projekt. Jeder soll wissen: Einmal pro Woche gibt’s einen Blogbeitrag. Mit jedem Blogbeitrag lerne ich, was das Zeug hält. In Gesprächen, bei Recherchen, in der Vorbereitung, beim Schreiben, durch die Kommentare und Feedbacks. Und im Überwinden des Blogger-Schweinehunds, wenn die Schreibblockade mal wieder zuschlägt. Das alles ist meine Möhre, hinter der ich herlaufe. Die Blogmöhre. Die Lernmöhre.

Bisweilen gerate ich wegen solch öffentlich bekannter Ziele unter Termin-Streß. Manchmal will ich dann auch partout nicht. In dem Moment. Temporäre Unlust.

Lernlust auf der langen Strecke

Dann kommt mir entgegen, dass ich auch ein Läufer bin. Lange Strecke. Und spätestens beim langen Lauf lernst Du Durststrecken zu überwinden. Dich mit dem Schweinehund anzufreunden und ihn mitzunehmen, statt ihn zu besiegen. TUN. Dranbleiben. Durchhalten.

Und sich am Ziel wie ein Schneekönig freuen!

P.S.: Latein oder Französisch? Die Entscheidung fällt das Kind selbst. Es mag die Lateinlehrerin. 

P.P.S. Bekanntlich Ich bin ein großer Fan von BarCamps. Gemeinsames Lernen. Spontane Themenfindung. Wissenteilen mit Spaß. Lernlust pur. Widerspruch zu oben? Selbst bei BarCamps hilft mir die selbstauferlegte „Disziplin“. Mindestens eine Session zu halten, mindestens einen Blogbeitrag am gleichen Tag zu veröffentlichen. Das bringt Ergebnisse und tiefe Befriedigung.

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

4 Kommentare

  1. Pingback: Blogparade: Es war einmal die Lernlust | Bob Blume

  2. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 8 in 2015 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2015

  3. Hallo Lars,
    das ist witzig, ich hatte auch Latein-Leistungskurs, weil den Kurs mein Lieblingslehrer machte. Ich finde, das Lernen macht mehr Freude, wenn das Thema begeistert und man ein Ziel hat.
    Viele Grüße
    Claudia

    Antworten
  4. Pingback: „Lernlust“: Auswertung der Blogparade | Bob Blume

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