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Willkommenskultur? Wir können das schaffen! #1000malwillkommen

1000 mal Willkommen Lars Hahn

… #1000malwillkommen

UPDATE: Zwischenzeitlich gibt es die erwähnenswerte Aktion „Blogger für Flüchtlinge„, die unter anderem von Nico Lumma und Kerstin Hoffmann unterstützt werden. Ich tue das hiermit auch! Spenden können bei #BloggerFuerFluechtlinge übrigens auch Menschen, die nicht bloggen.

Original-Beitrag:

Off-Topic. Heute schreibe ich hier über Flüchtlinge. Über Grundrechte. Über Willkommenskultur. Und über Menschlichkeit.

„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“

1949 wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland unter dem Eindruck von Nationalsozialismus, Terror, Krieg, Flucht und Vertreibung verabschiedet.

Zur Erinnerung:

Ab1933 flüchteten viele Deutsche über Nacht aus Deutschland, weil sie unter dem neuen System der nationalsozialistischen Herrschaft in Lebensgefahr waren. Darunter waren nicht nur Politiker und jüdische Mitbürger, sondern auch Filmschaffende, Naturwissenschaftler, Maler, Literaten und Sozialwissenschaftler. Albert Einstein, Walter Benjamin, Lion Feuchtwanger, Oskar Kokoschka, Thomas Mann, Willy Brandt, um nur einige zu nennen.

Nach 1945 wiederum flüchteten 12 bis 14 Millionen Deutsche aus den ehemaligen östlichen Gebieten in das Gebiet der heutigen Bundesrepublik und der DDR, deren Bevölkerung dadurch um 20 Prozent stieg (!).

Kürzlich hielt Bundespräsident Gauck dazu eine beachtenswerte Rede und sagt unter anderem: „Vor 70 Jahren hat ein armes und zerstörtes Deutschland Millionen von Flüchtlingen zu integrieren vermocht. Denken wir heute nicht zu klein von uns.“

Grundgesetz – Asylrecht – Hochachtung

Deutschland hat also viel Erfahrung mit Flucht, Krieg und Vertreibung. Deshalb also Grundgesetz. Ich muss sagen: „Hochachtung“. Was da damals rauskam, finde ich gut!

Die deutsche Verfassung beginnt eben nicht mit der staatlichen Ordnung, mit der Gewaltenteilung und lauter Orga-Dingen. Sie beginnt mit den Grundrechten jedes einzelnen.

Und dazu gehört(e) das uneingeschränkte Asylrecht.

Erst 1993 wurde von deutschen Politikern unter dem Druck von Pogromen und aufgehetzter Stimmung wurde der sogenannte Asylkompromiss geschlossen, der das Grundrecht um ein Geflecht von Ausnahmen durchlöcherte. Die bekannteste Ausnahme ist der Ansatz der sicheren Herkunftsstaaten, der ein Asylgesuch faktisch unmöglich macht, wenn Menschen über diese Staaten einreisen (viele von ihnen bleiben übrigens trotzdem, weil Deutschland sie nicht ausweisen darf).

Ebbte die Zahl der Schutzsuchenden in den Jahren nach dieser Niederlage für die Grundrechte stetig ab, steigt sie – jedem bekannt – zurzeit in nie dagewesene Höhen. 800.000 Flüchtlingen werden in Deutschland dieses Jahr erwartet.

Das ist viel. Mit einer hohen Dynamik. Organisatorisch erst mal umzusetzen.

Aber ansonsten: Überhaupt nicht diskutabel!

Politisch Verfolgte haben das Recht, Asyl zu beantragen. Das ist eine Basis unserer Gesellschaftsordnung. Punkt. Ausrufezeichen.

Bei eindeutigen Kriegsflüchtlingen scheint es da ja noch einen „Common Sense“ zu geben. Aber darüber hinaus bröckelt die Eintracht. Man möge die Liste der sicheren Herkunftsstaaten erweitern. Man möge überlegen, ob man Flüchtlingen weniger Geld zahlt, als das Bundesverfassungsgericht als Existenzminimum eines jeden Menschen definiert hat (ja, geht’s noch?). Politiker schwurbeln davon, man müsse die Ängste und Sorgen der Bürger ernst nehmen, dass zu viele kämen. Hallo? „Nehmen Sie die Sorgen und Bürger der Kriegstraumatisierten ernst!“ sage ich.

Wer hassaufgeladene Pegiden und Rechte in ihrer Argumentation bestärkt, ob Boulevard-Presse oder Politiker, riskiert nicht nur ein neues Solingen, Mölln, Hoyerswerda, Rostock, und missachtet eines der wichtigsten Grundrechte, sondern verscherzt es sich auch mit der Willkommenskultur.

Willkommenskultur – uneingeschränkt

2013 gab es den sechsten Integrationsgipfel der Bundesregierung. Und viele andere Veranstaltungen, die konstatierten, dass Deutschland dringend viele ausländische Fachkräfte brauche, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen. Zahlen von mehreren Millionen fehlenden Fachkräften machten die Runde.

Unter diesem Eindruck entstand die Forderung der Bundesregierung

„Wir brauchen Einwanderung, wir brauchen Migranten“.

Jetzt also kommen sie, die oftmals durchaus gut qualifizierten Migranten und wandern ein. In hohen Zahlen. Nur eben nicht so geregelt, wie das manche vielleicht geplant hatten.

„Ja, so hatten wir das aber damals nicht gemeint mit der Willkommenskultur“ mag nun mancher denken.

Apropos Willkommenskultur! Wenn ein Land schon nicht in der Lage ist, Flüchtlinge und Schutzsuchende mit Würde und Herzlichkeit zu behandeln, wird es die angeworbenen Premium-Einwanderer erst recht nicht für sie gewinnen.

1000 mal Willkommen

Ich sage: „1000 mal Willkommen!“ und schließe mich damit einer beachtenswerten Aktion an, von der ich mir wünsche, dass es alle tun.

Zum einen: Es geht momentan darum, die zu uns kommenden Menschen – würdevoll und professionell – zu organisieren. Das werden Ämter, Behörden und Organisationen tun. Und viele, viele Ehrenamtliche. Hut ab vor allen und deren Anstrengungen.

Und wir anderen? Wir „Bürger“? Wir „Volk“? Wir sollten mindestens uneingeschränkt eine anständige Haltung von „Willkommen“ haben und das zeigen.

P.S. Bewogen zu diesem Artikel hat mich ein Radio-Interview mit der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, deren Botschaft eben diese uneingeschränkte Haltung „Wir können das schaffen“ ist. Mich hat diese Haltung beeindruckt. Ich würde sie mir von mehr Verantwortlichen wünschen.

P.P.S. Als ich kürzlich von meiner Absicht zu diesem Beitrag erzählte, fragte mich jemand, ob ich nicht als Geschäftsführer eines Unternehmens lieber öffentlich politisch neutral sein wolle. Nein, eben gerade nicht, antwortete ich. Parteipolitisch durchaus. Da ist es bei mir sowieso kompliziert, da äußere ich mich tatsächlich nicht öffentlich. Aber hier geht viel mehr, es geht um Grundrechte, es geht um Menschlichkeit. Da ist es richtig und wichtig, dass ich mich öffentlich äußere. Außerdem: Der Umgang mit Flucht und Migration gehört zu unserem Alltag. Auch bei meiner Arbeit in der LVQ, in der wir zum Beispiel viele übrigens hochqualifizierte syrische und irakische Teilnehmer haben.

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

 

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

2 Kommentare

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