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XING macht „Klartext“ mit Content. Und Tschüss, Social Media?!

XING Klartext Social Media 20

… XING macht jetzt Klartext mit Content …

Ein Experiment:

„Stellen Sie sich mal Facebook vor ohne die Daten, Informationen und Posts seiner Nutzer. Welchen Wert hätte es dann noch?“

Mit diesem Experiment verdeutliche ich in meinen Vorträgen die Bedeutung des Kulturwandels durch Social Media. Das Bild eines leeren sozialen Netzwerks beeindruckt das Publikum stets. Benutzergenerierte Inhalte oder User generated Content machen nämlich den Wert einer Social Media Community aus.

„Stellen Sie sich mal XING vor ohne die Profile, Daten, Informationen und Beiträge der Mitglieder.“

Soziale Netzwerke leben von den Inhalten ihrer Nutzer. Die User gestalten in Profilen, Posts und Communities die inhaltliche Ausrichtung eines Portals.

Oder?!

Content is king

Momentan gibt es einen Trend bei den sozialen Netzwerken, journalistische, redaktionelle Inhalte selbst zu produzieren. Inhalte oder Neudeutsch „Content“ werden vom sozialen Netzwerk eigens hergestellt. Denn bekanntermaßen ist

Content allenthalben der King.

Mit XING News verteilte das Businessnetzwerk schon längere Zeit ausgewählte Nachrichten anderer Medien an die einzelnen Mitglieder – vornehmer heißt dieses (Ver)teilen auch „Kuratieren“ fremder Inhalte. Passend zu Branche und individuellem Profil erhalten die Nutzer Nachrichten im Neuigkeiten-Stream, bei Auswahl auch Inhalte von mehr als 100 Medien wie brandeins, manager magazin und gar Businesspunk.

Klartext: Experten, die was zu sagen haben

Jetzt kommt bei XING der nächste Aufschlag: Das Netzwerk ist mitten drin in einer “Content Offensive“. Sagt Xing-CEO Thomas Vollmöller. Nach den ersten Erfolgen mit dem Themenportal XING spielraum geht’s nun zur Sache. Mit dem journalistischen Angebot „XING Klartext“ richte sich XING „an den ‚mündigen‘ Leser und hilft ihm dabei, sich auf der Basis von pointierten Beiträgen selbst eine Meinung zu bilden und mitzudiskutieren“ so Vollmöller.

Das neue Angebot XING Klartext finden Sie ab sofort unter dem Reiter „News“ in Ihrem XING Profil. Laut XING ist sind die Beiträge auf diesem Angebot übrigens auch für Nicht-Mitglieder im Web abrufbar.

XING Klartext im Menue

… So finden Sie Klartext: Neuer Reiter in den XING-News

Bei Klartext schreiben Experten und bekannte Persönlichkeiten Beiträge zu kontroversen Themen aus Wirtschaft und Business, im erweiterten Pro- und Contra-Format. „Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben, schreiben exklusiv auf XING. Die Klartexter von XING zeigen klare Haltung, ordnen ein oder stellen ihre subjektive Sichtweise und Erfahrungen zur Debatte“ so Klartext-Herausgeber Roland Tichy. XING Klartext macht also Meinungsbildung mit redaktionellen produzierten Inhalten. Klingt irgendwie ähnlich wie Spiegel online, Zeit online, FAZ.net und Co.

XING Klartext – Tschüss Social Media?

„Ein soziales Netzwerk, das dessen Inhalte selbst produziert, ist doch gar kein Social Media mehr“, könnte man da unken. Also nicht mehr User-generated Content, sondern Xing-generated Content. Meinungsbildend. Moderiert.

Wenn es nach XING geht, sollen bei Klartext aber auch die User mitmachen: „Jedes XING-Mitglied schreibt Klartext und kann so selbst zum Klartext-Autor werden“ schreibt Herausgeber Tichy in seinem Willkommensbeitrag.

Klasse! Nutzer schreiben Beiträge. Bloggen bei XING? Gab’s so etwas nicht schon mal mit XING-Themen? Jeder kann mitmachen? Gewissermaßen „Auswärts schreiben“ wie seit Kurzem auch schon bei LinkedIn-Pulse, das kürzlich Kerstin Hoffmann ausführlich unter die Lupe nahm?

Zumindest sieht W&V die Klartext-Content-Offensive von XING als Angriff auf LinkedIn. Eine Anlehnung an die durch Klaus Eck in Deutschland bekannt gewordenen Publikationsplattform Medium sieht Meedia in der Einführung von XING-Klartext. Und Horizont.net sieht XING mit Klartext und erweiterten Angeboten perspektivisch gar als Konkurrenz zu etablierten Wirtschaftssites.

XING-generated Content mit User-Beteiligung

Bei XING-Klartext läuft das Ganze redaktionell gesteuerter als bei Medium oder LinkedIn Pulse. Jedes XING-Mitglied ist aufgerufen, Beiträge zu kommentieren und sich dabei aktiv zu beteiligen.

Falls Sie sich jetzt jedoch fragen: „Wenn ich jetzt einen Beitrag bei XING Klartext schreiben möchte, wie könnte ich das tun?“

Die Antwort von Chefredakteurin Jennifer Lachman: „Man kann das auf zwei Wegen machen: Auffallen durch qualitative Kommentare zu den Beiträgen oder durch Ansprache der Redaktion. Diese entscheidet dann, ob ein Thema oder ein Beitrag geeignet dafür ist, dass jemand Klartext-Autor wird.“ Die Redaktion filtert und moderiert.

Nicht jedes XING-Mitglied kann automatisch auch Beiträge schreiben oder Themen vorgeben. Das hört sich ein wenig an wie User-generated Content mit Ja-Aber oder „moderiertes Social Media“.

Ich hätte da schon mal ein, zwei Themenvorschläge, XING!

Professionell, redaktionell: Social Media 2.0

Mein erster Eindruck von XING Klartext:

Professionell moderiertes Social Media wie Klartext hat seine eindeutigen Vorteile: Themen werden übersichtlich und lesbar aufbereitet. Die Moderation gewährleistet eine Filterung der Beiträge und Kommentare nach Relevanz und Lesbarkeit. Und falls Sie bei XING Klartext als Kommentator oder gar Beitragsschreiber mitmachen: Ihre Beiträge landen in einem professionellen Umfeld mit garantierter Reichweite bei einer interessanten Zielgruppe. Mit Content auf eigener Webseite muss man da erst mal mühsam hinkommen.

Die andere Seite ist: Wenn Sie bei XING-Klartext Kommentare oder gar Beiträge schreiben, geben Sie Ihren persönlichen Content in das geschlossene Ökosystem eines Anbieters. Sollten sich die Bedingungen von Seiten des Anbieters mal ändern, betrifft das stets auch Ihren Content. Das gilt nicht nur für XING Klartext, sondern auch für vergleichbare Drittanbieter wie LinkedIn Pulse oder Medium.

Wenn Sie dauerhafte sichere Sichtbarkeit für Ihren Content erreichen wollen lauten meine Tipps daher:

  • Beiteiligen Sie sich nicht nur bei XING Klartext in der Debatte, sondern mischen Sie auch in anderen Plattformen mit.
  • Diskutieren Sie auch direkt in den Kommentaren einschlägiger Fachblogs. Solche Kommentare sind in der Regel bei Google sichtbar.
  • Wollen Sie Ihren Content mit Strategie und maximaler Sichtbarkeit langfristig selbst gestalten, bleibt wohl nur das eigene Blog.

Unter der Berücksichtigung der Spielregeln könnte XING Klartext ein spannendes Format werden. Kontroversen sind hier gewollt, verschiedene Standpunkte zu den jeweiligen Themen erwünscht.

Die letztliche Deutungshoheit von Nachrichten und Meinungen allerdings liegt bei diesem Angebot – wie im klassischen Journalismus und damit viel stärker als bei klassischen Social Networks – bei der Redaktion und damit beim Netzwerksanbieter. Mich erinnert dieser Ansatz an die Trennung von Profibeiträgen und Leserbrief-Ecken in Printmedien. In dieser Deutlichkeit ist das neu: Social Media 2.0.

Fazit: Bei XING gehen sie mit dem Format Klartext einen interessanten neuen Weg. Moderierte Kontroverse zu Themen aus Wirtschaft und Business.

Möge ihnen die Übung gelingen.

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

11 Kommentare

  1. Am Anfang war der MUD, dann kamen Foren, Social Media und nun Social Media 2.0 ? Nein! Das Prinzip ist stets das selbe. Da ist einer, der etwas in den Raum wirft und das Ganze zur Diskussion frei gibt. Es ist dabei völlig egal, ob die Frage im Raum moderiert oder unmoderiert entsteht. Im Prinzip ist es nichts anderes als bspw. das Forum bei heise.de, Welt, Spiegel und Co. – hier wird eine Nachricht redaktionell in einen Raum gestellt, die die Rezipienten aktiv diskutieren können. Alter Wein in neuen Schläcuchen. Mehr ist das nihct.

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  2. Wieder eine bemerkenswert klare Analyse und Einordnung, Herr Hahn, vielen Dank.

    Ich kann allem zustimmen, vielleicht mit ein zwei anderen Akzenten, aber «Klartext» ist ein professionell und seriös gemachtes Angebot. Die Optik ist übersichtlich, gut zu lesen und modern.

    Das Entscheidende ist: Auch für mich geht der «Klartext» (zu) sehr in Richtung des klassischen Journalismus mit ein bisschen Social Media-Garnitur. Und ich muss mich fragen, ob ich das brauche. Es gibt so viel hervorragend gemachten «Content» – mit welcher Berechtigung nun auch noch «Klartetxt»?

    Dabei ist der Hinweis auf die Möglichkeit, dass auch XING-Mitglieder Klartext-Autoren werden können ausgesprochen unerfreulich. Prima Vista liest sich das toll, auf den zweiten Blich fallen jedoch die Ungereimtheiten auf. Sie haben wenigstens nachgefragt, wie man denn in den Genuss dieser Möglichkeit kommen kann. Die Tatsache, dass sie lediglich erwähnt, aber nicht gesagt wird, wie das funktioniert oder nach welchen redaktionellen Kriterien die Autoren ausgewählt werden, lässt bereits tief blicken.

    Angenommen diese «Möglichkeit» ist mehr als ein Feigenblatt, um die Verbindung zum ehemaligen Kerngeschäft, nämlich der Netzwerk-Plattform herzustellen, warum schreibt dann nicht schon in der ersten Ausgabe ein XING-Mitglied? Mir kann niemand erzählen, dass man in Hamburg nicht genügend hervorragende Experten kennt, die sich auf XING tummeln und die für eine solche Autorenschaft in Frage kämen.

    Und dann die Antwort, die man Ihnen auf Ihre Frage gegeben hat: «Auffallen durch qualitative Kommentare zu den Beiträgen» und dann wird man eventuell, vielleicht und möglicherweise angesprochen und darf auch etwas schreiben. Oh, wie grosszügig. Ich bin sicher, der saarländische Innenminister, Klaus Bouillon, übrigens auch ein Klartexter, hätte darauf geantwortet: «Wollen Sie mich verarschen?» Denn im Klartext heisst das: Erst mal sich mit hochwertigem und kostenlosen Content bewähren und dann wird man gegebenenfalls gebeten, Klartext-Autor zu werden. Vielleicht auch kostenlos?

    So wenig stimmig und überzeugend dieses Feigenblatt der Verbindung zum (ursprünglichen?) Kerngeschäft, der Netzwerk-Plattform ist, so fragwürdig ist für mich als zahlendes XING-Mitglied der «Klartext» an sich. Es gibt auf der Netzwerk-Plattform so viele Baustellen, deren Bearbeitung in der XING-Community seit Jahren immer wieder zugesagt wird, die aber bis heute nicht oder nicht zufriedenstellend gelöst sind. Von der Aktivierung der Referenzen über die Beseitigung der ungezählten Ungereimtheiten beim NG-Produkt bis hin zu einer Moderation der XC, die diese Bezeichnung auch verdient. Wenn uns immer wieder gesagt wird, dass «Kollegen Bescheid wüssten, aber gerade andere Prioritäten hätten», dann frage ich mich, ob die Rangierung der Aufgaben etwas mit dem Projekt «Klartext» zu tun hat. Falls ja, würde es richtig ärgerlich werden.

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    • Das ist Klartext, Herr Last! Danke für den ausführlichen Kommentar. In der Tat wünschte ich mir auch einige Verbesserungen der Standardfeatures. Die Angleichung der verschiedenen Plattform-Welten bei XING wäre immer noch auf meiner Liste. Statistik-Funktionen für’s Profil etc.

      Dennoch finde ich, dass XING mit Klartext einen Aufschlag wagen dürfte. Wenn es denn überzeugen täte. Die Kommentarte zum Editorial von Herrn Tichy lassen einiges erahnen, dass das in eine andere Richtung laufen täte. Aber geben wir ihnen eine Chance.

      Vielleicht gibt es dann ja auch Innovationen im Rest von XING. 😉

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  3. Für mich sieht es so aus, als wollte Xing noch schnell auf den Zug aufspringen, mit dem LinkedIn schon länger fährt. Dabei ist noch nicht ausgemacht, ob diese netzwerk-internen Blogs auf Dauer ein großer Publikumsmagnet sein werden. Ich teile hier die Skepsis von Dieter-Michael Last, dass hier gerade Angebote mit zu geringer Differenzierung von anderen Wirtschaftsmedien entstehen.

    Auffallend ist zudem, dass Xing strategisch ähnlich vorgeht wie Medium. Dort waren anfangs nur handverlesene (und teils gut bezahlte) Autoren zugelassen. Später jedoch wurde Medium zur offenen Plattform, auf der heute jeder schreiben und kommentieren kann. Das erwarte ich auch bei Xing: Mit den aktuellen Restriktionen wird nur versucht, einen hohen Qualitätsstandard zu etablieren. Potenzielle Autoren können und sollten also erst mal in Ruhe abwarten, wie sich Klartext von Xing entwickelt.

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  4. Pingback: Content ist Dingsbums ... King!

  5. Zwar bin ich dafür erstmal Welpenschutz gewähren zu lassen – aber nachdem ich mich durch ein, zwei Interview mit Herrn Tichy durchgearbeitet habe und mir jetzt mal die bisherigen Themen angesehen habe…
    „Zitierfähige Inhalte“ sind also angedacht. Ich weiß bis jetzt immer noch nicht, was damit wirklich gemeint ist – außer vielleicht, dass man in Richtung Zeitung mit vier Buchstaben denkt oder generell in diesem Print-Kosmos, allenfalls die Wikipedia ist in manchen Kreisen nicht unbedingt zitierfähig. Generell nach dem ersten Überblick der Themen muss ich auch eingestehen: Das ist jetzt nichts, was mich wirklich vom Hocker knallen lassen würde – das sind halt eher journalistische Kolumnen als wirklich gut aufgearbeitete Reportagen oder Beiträge. Vielleicht ist XING da noch auf dem Weg. Ich amüsiere mich immer wenn alle nach Buzzfeed-Modellen schielen und dabei vergessen, dass zumindest Buzzfeed in den USA auch ab und an mal journalistische Top-Artikel zu finden sind – nur so nebenbei angemerkt, weil Listicles auch nicht ausgeschlossen waren als Format.

    Was momentan merkwürdig ist: Ich habe mal eine Stichprobe gemacht und geschaut, bei welchen Kolumnen ich als XING-Nutzer aktiv kommentieren kann. Das ist momentan offenbar nicht bei allen möglich Allenfalls kann ich mal auf Zustimmung drücken – ich vermute, das ist dann auch eine interne Maßeinheit für den Erfolg – aber richtig kommentieren? Das geht nicht bei allen Artikeln und ich sehe momentan auch nicht das Muster warum man mal kommentieren kann, mal nicht. Bei relativ heiklen Themen wie der Flüchtlingsfrage könnte man das nachvollziehen – aber wer die Hitze nicht verträgt, der sollte dann halt nicht in die Küche gehen… Oder ein Team haben, das schnell Kommentare filtert. Scheint nicht so ganz der Fall zu sein?

    Die Frage ist: Habe ich als XING-Mitglied irgendeinen Mehrwert davon? Vielleicht, wenn ich mich für einzelne Themen interessiere – aber da die Kolumnen auch per Google zu erreichen sind brauche ich ja nicht unbedingt XING-Mitglied zu werden nur um Klartext lesen zu können. Das war ja wohl auch nicht beabsichtigt. Eleganter wäre eigentlich nicht nur den Extrabereich zu schaffen sondern die Artikel in den Newsfeed einließen zu lassen – und dann gezielt nach den Interessen der Nutzer. Sofern diese die ordentlich angeben.

    Genauso wie Facebook Notes jetzt auf die Medium-Nutzer schielt, genauso schielt XING mit dem Klartext-Angebot auf Linkes-In. Ich weiß nicht ob sich das in Zukunft wirklich lohnen wird – aber geben wir denen mal 100 Tage und dann schauen wir mal. Bisher bin ich jedenfalls nicht begeistert.
    Ad Astra

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  6. Kontroverse zum Programm zu machen und dann Themen ohne Kommentarmöglichkeit veröffentlichen, das finde ich auch heikel. Selbst, wenn es das Troll-Thema Flüchtlinge betrifft. Widerspricht Xing damit doch seinem Anspruch.
    Vielleicht bleibt das ja die Ausnahme in den 100 Tagen.
    Ich jedenfalls hätte ausgerechnet zum Beitrag von Herrn Alt noch was geschrieben. Dann aber eben nicht.

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