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Weihnachtsgeschichte: Magnificat, Vernetzung, Weltfrieden + Wünsche für 2016

Weihnachten und Vernetzung 2016

… Magnificat, Vernetzung, Weltfrieden!

Vernetzung?

An Weihnachten?

„Jetzt redet der schon wieder über Netzwerken? Och nö!“

sagen Sie?

Also gut: Ich erzähl Ihnen erst mal meine Weihnachtsgeschichte.

Und was über Weltfrieden.

Weihnachten 2015. Magnificat mit 15 Nationen.

Es ist Dezember 2015. Im örtlichen Gymnasium gibt es ein festliches Konzert. Mit Orchestern, Chören und Solisten. Sie spielen Mozart, Elgar, Bach, Meyerbeer, Rutter. Insgesamt 10 Komponisten aus acht Nationen.

„Magnificat“ lautet der Höhepunkt. Das ist Latein, und es geht ums Preisen und Loben.

Der Chor singt Weihnachtslieder in sieben Sprachen: Spanisch, Niederländisch, Ungarisch, Englisch, Deutsch, Latein und Südafrikanisch. Zum Schluss wird „Tochter Zion“ geschmettert, nach der Melodie des in Halle an der Saale geborenen Engländers Georg Friedrich Händel.

Festlich ist es. Bewegend.

Aber von wegen „deutsche Weihnachten“?!

Weihnachten: Ganz schön global, dieses Fest!

Bereits seit mehr als einem Jahr treiben in unseren Landen Pegiden ihr Unwesen mit kruden Thesen und xenophoben Ideen. In den vergangenen Tagen machten zu allem Überfluss diverse Geschichten im Netz die Runde, nach denen besorgte Bürger sich nun auch noch um das Deutsche in der Weihnacht Sorgen machen. Gipfel war der Shit-Candy-Storm wegen eines angeblichen muslimischen (!) Adventskalenders bei Lindt, der Motive aus dem Morgenland zeigt. In der Diskussion bei Facebook dazu wurde noch einmal klargestellt:

Jesus war Jude, wurde im Nahen Osten geboren. Ach, und Flüchtling war er auch.

Nix mit „deutscher Weihnacht“! Wer hätte das geahnt? Weihnachten geht auf Jesus von Nazareth zurück und nicht auf die alten Germanen.

Ach nochwas:

Der Weihnachtsmann kommt aus Amerika und Nikolaus war quasi Türke.

Nebenbei, wussten Sie wo 60 Prozent der Weltproduktion aller Weihnachtsartikel läuft? Sie ahnen das.

In China. Christmas made in China, lohnenswert nachzulesen hier.

Naher Osten, Amerika, China. Nicht erst in Zeiten globaler Vernetzung ist Weihnachten kein nationales Fest. Schon Händel und Mozart waren Weltbürger, die sich spielend in mehreren Sprachen und Kulturen bewegten.

Jahresrückblick 2015: Vernetzung tut not!

Ich bin jetzt mal kurz positiv:

  • 2015 gab’s Refugees welcome und Deutschland hat 1.000.000 Zuwanderer halbwegs in Würde aufgenommen. #Willkommenskultur eben!
  • 2015 hat sich Europa zusammengerauft und Griechenland über den Kollaps gerettet. Vorerst.
  • 2015 haben sich 196 Länder der Welt beim Klimagipfel in Paris auf ein „Dokument zur Rettung der Welt“ geeinigt. Merke: Klimaschutz gibt Weltfrieden!
  • 2015 war nebenbei auch ein ganz gutes Jahr für mich.

Drumherum allenthalben viel Getöse, Aufruhr, Schrecken, Proteste, Verwirrung und Fragen. Was letztlich gegen Ende des Jahres in der vielzitierten Äußerung gipfelte:

„Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“,

woraus das Netz gleich mal #DoItLikeDeMaiziere kreiierte.

Meine Wahrnehmung: Digitalisierung, Globalisierung, Gleichzeitigkeit und Unerklärlichkeit von so vielen Dingen verursachen bei zahlreichen Menschen weltweit Verwirrung, Irritation, Unsicherheit, Sorge, Angst, Überforderung. Die „German Angst“ scheint zurück zu sein: Aktuell titelt Spiegel online: „Die Mehrheit der Deutschen hat Angst, aber wovor?

Was die Sache nicht einfacher macht: Journalisten und Politiker sind davon augenscheinlich genauso betroffen wie wir Normalos. Nur: Jene wollen/sollen uns die Welt erklären. Was sie tun: Mit Unsicherheit, Verwirrung, Irritation, Sorge, Angst, Überforderung.

Ungünstig.

Woran das liegt?

Seit Jahrhunderten sind aufgeklärte moderne Menschen gewohnt, linear in „Ursache-Wirkung“-Ketten zu denken und zu argumentieren. Das funktioniert in den letzten Jahren immer weniger. Denn zeitgemäße Kommunikation übers Internet, das durch Vernetzung – alles hängt irgendwie mit fast allem zusammen – gekennzeichnet ist, erfordert eine andere Art, die Welt wahrzunehmen, nämlich vernetzt. Darin sind wir alle noch etwas ungeübt.

2016 – das Jahr der Vernetzung

Deshalb ist für mich 2016 das Jahr in wir uns darin üben könnten, die Welt wirklich als vernetzt wahrzunehmen. Wahrnehmung 4.0 könnte man sagen. Echte Vernetzung lernen. Offline wie online.

Einstweilen verabschiede ich mich in die Weihnachtspause und wünsche Ihnen geruhsame Weihnachtstage und einen guten Jahreswechsel!

Ab Mitte Januar 2016 lesen Sie hier Neues.

Als Bonus hier noch mal der Beleg, dass das Abendland im Morgenland seinen Anfang nahm und schon damals vieles mit vielem zusammenhing:

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

4 Kommentare

  1. Lieber Lars,
    sehr schöner Artikel, wieder mal.
    Dazu passt Folgendes:
    Eine Freundin stamt ursprünglich aus einem Ort im weiteren Umkreis von Sigmaringen. Dort gibt es in der ehemaligen Kaserne eine BEA (Bundeserstaufnahmestelle). Dort würde es seither ganz schlimm zugehen. Müll läge überall herum und es wäre total unsicher geworden durch die Flüchtlinge.
    ich wunderte mich etwas, da ich auch ab und zu vor Ort bin, aber nichts bemerkte. Nun gut, ich fahre zu einem Büro, berate und fahre wieder zurück. Aber vielleicht sieht es in der Stadt anders aus? Schließlich ist meine Freundin grundsätzlich ein freundlicher Mensch.
    Doch ich nutzte einen Aufenthalt und befragte eine Sigmaringerin. Sie wohnt zentral, hat Töchter. Sie sagte, das mit dem Müll klappe prima. Dreimal am Tag laufen die Flüchtlinge Müll einsammeln. Ganz zu Anfang seien tatsächlich Müllsäcke an der BEA aufgetaucht. Es habe sich heraus gestellt, dass Anwohner sie hingebracht hätten. Die Anmache sei eben so, wie üblich, wenn ein paar Jungs gemeinsam unterwegs sind. Sie sei nicht schlimmer geworden.
    Meinem Eindruck nach könnte sie Recht haben.

    Mein Fazit: Glaube bloß keinen Gerüchten, wenn negative Aussagen über Flüchtlinge kursieren.

    Beste Grüße und schönen Weihnachtsurlaub allerseits.

    Antworten
    • Genau das ist es: Die Gerüchteküche verwirrt die Menschen. Mich eingeschlossen. Blöd, dass Gerüchte mittlerweile auch von den benannten „Profis“ Journalisten und Politikern forciert werden. Und das eigentlich themenübergreifend, nicht nur bei den Zuwanderern.

      Danke Dir noch mal für den Kommentar und schöne Feiertage!
      Lars

      Antworten
  2. Lieber Lars,

    Danke für Deine wundervollen Worte und starken Emotionen, die Du damit in die Welt sendest.

    In den letzten Wochen bin ich in den Genuss einer faszinierenden „Selbsterfahrung“ gekommen. Ich durfte Lernen, wie wenig mein Gehirn auf Basis von Tatsachen Entscheidungen fällt. Eine langjährige Wegbegleiterin hat ein Workshopprogramm aus 8×4 Einheiten entwickelt, das jedem Menschen ein Werkzeug in die Hand gibt (selbst-) bewusster Entscheider zu werden.

    Die Schritte dahin sind ganz einfach, wenngleich die Erkenntnis, dass eine Vielzahl unserer Entscheidungen über die Ängste führen, die in der frühesten Kindheit in uns abgespeichert sind.

    #Tatsachen – #Interpretationen – #Bewertungen

    Du hast in Deinem Beitrag wundervoll aufgezeigt, dass die Tatsachen (Nikolaus aus der Türkei, Jesus aus Israel, Santa Claus aus den Vereinigten Staaten) eine ganz andere Sprache sprechen, als die Interpretationen (Weihnachten sei „ger.manisch“) bzw. der inneren Bewertungen (die in diesem Fall zu einem CandyShitstorm führten) und Menschen aus Ihren Ängsten handeln lassen.

    Und so zähmst Du das http://bit.ly/Das-Reptil-in-Dir 🙂

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein frohes Fest. Fahrt Ihr wieder nach Indien?

    Ach ja, noch was witziges dazu las ich bei Facebook. Achtjähriges Kind spielt Stadt-Land-Fluss und schreibt als Land mit H … HEILAND.

    Alles Liebe aus Wien
    Dein MiSha

    Antworten
  3. Pingback: 12 Software (oder doch HR/OE) Trends für 2016 - Guido Bosbach - MOBI

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