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Integration? „Wir haben keine Zeit und wollen Arbeit!“ #WirSchaffenDas

Flüchtlinge Arbeitsmarkt Integration

… Flüchtlinge willkommen im deutschen Arbeitsmarkt!

UPDATE: Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht ab sofort monatlich aktualisierte Berichte zum Thema Migration und Arbeitsmarkt (Link unten im Text).

Originalbeitrag:

Jetzt sind sie also hier: Nahezu 1.100.000 Flüchtlinge kamen 2015 nach Deutschland. Alle konnten mit viel Aufwand, Engagement und Improvisationsvermögen untergebracht werden. Keiner musste draußen schlafen. Das ist eine große Leistung und doch erst die Stufe 1.

Denn nun muss der nächste Step erfolgen: Integration. Besonders die Integration in den Arbeitsmarkt.

Gesellschaftliche Integration und Teilhabe gelingt unter anderem durch Arbeit. Das weiß auch Ingenieur Achmed L. aus Basra: „Ich will mich hier integrieren, will Arbeit, aber wir sitzen im Heim und können nicht warten auf den nächsten Deutschkurs. Wir haben keine Möglichkeit deutsch zu sprechen, wir wollen aber loslegen. Bitte gebt uns die Möglichkeit einzusteigen, wenigstens ein Praktikum zu machen!“

Integration der Flüchtlinge durch Arbeit

Vielleicht nicht einmal die Mehrheit, aber sehr viele der Flüchtlinge sind gut bis hoch qualifiziert. Sie gilt es schnellstens in Arbeit zu integrieren. Denn wer arbeitet, fühlt sich aufgenommen und nimmt teil am gesellschaftlichen Leben unseres Landes. Das ist Integration.

Refugees welcome – Gutes Beispiel CarConnects

Ein erfreuliches Beispiel von Anpacken ist in diesem Zusammenhang die Aktion im Rahmen der Karrieremesse Car-Connects. 200 qualifizierte Flüchtlinge wurden per Fragebogen identifiziert und eingeladen, auf der Messe mit Unternehmen zu sprechen und sich über Möglichkeiten dort zu informieren, wo am Tag zuvor noch die CEO von General Motors Mary Batta über ein neues Opel-e-Fahrzeug und der Daimler-Chef Dieter Zetsche über Zukunftstrends in der Autobranche referierten.

Sowieso vor Ort in Bochum konnte ich mit Akteuren und Betroffenen über die Aktion und die aktuelle Situation der Flüchtlinge sprechen.

Veranstalter und Autopapst Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg Essen formuliert, wieso er und seine Partner von Land, IHK und Arbeitsagentur diese Aktion starten: „Wir haben so viele neue Migranten und wir schauen, dass wir die Qualifizierten finden, denn wir brauchen die.“

Hut ab für die Aktion „Refugees welcome“ und die Haltung dahinter!

Hochmotivierte Flüchtlinge wollen arbeiten

Der Bedarf an Fachkräften sei groß, so Dudenhöffer: „Ein Großteil der Automobilindustrie sucht junge internationale Leute, in Softwareentwicklung, Elektrotechnik und Maschinenbau. Migranten haben den großen Vorteil, dass sie nicht so an der Scholle hängen. Sie sind oft sehr mobil und offen auch woanders hinzugehen. Deutsche Sprache ist bei der internationalen Autoindustrie auch gar nicht so von Bedeutung, Unternehmenssprache ist oft englisch und das können die Migranten oft besser als wir.“

Mindestens genauso wichtig, wie der Bedarf der Unternehmen sei jedoch die individuelle Lage der Menschen: „Wichtig ist, dass die Migranten schnell aktiv werden. Das schlimmste ist, dass sie dort in so einem Heim sitzen und nicht aktiv sind.“

Die Gespräche mit den Betroffenen zeigten übrigens, dass die alles andere als inaktiv sein wollen. Im Gegenteil. Genau wie Achmed aus Basra äußerten sich viele.

Flüchtlinge zwischen Ungeduld und Hoffung

Ich sprach auf der Messe zum Beispiel Hassan B. aus Syrien. Der 45 jährige Ingenieur zeigt mir erst einmal ein tagesaktuelles Foto seiner Kinder aus seiner Heimatstadt Aleppo. Sie seien wohlauf aber nicht sicher. Nur seine Schwester sei in Deutschland, seine Familie solle nachkommen, sobald er Arbeit hat.

Gleichzeitig breitet er vor mir seine Dokumente aus, die er allesamt gerettet hat: Zeugnisse, Zertifikate ordentlich übersetzt. Man merkt, Hassan hat schon die deutsche Bürokratie kennen gelernt. Er ist Maschinenbauingenieur und floh, weil er den Mund nicht halten konnte.

Hassan will gleich arbeiten, versteht nicht, dass er vielleicht noch einige oder viele Monate Geduld haben muss, bis er arbeiten darf.

Ähnliche Geschichten erzählt der Mann aus dem Irak, der Afghane und der Nigerianer. Sie alle sind gut qualifiziert und brennen dafür, bald, besser jetzt arbeiten zu dürfen. Zugegeben, das ist die Elite der Flüchtlinge, aber von diesen gibt es sicher mehrere Tausend in Deutschland und sie warten!

Sie wollen nicht alimentiert werden, sie wollen durch ihre Arbeit beitragen zu unserer Gesellschaft, sie wollen ihre Erfahrungen und ihr Knowhow einbringen.

Sie müssen wir schnell in Arbeit und Gesellschaft integrieren! Jetzt! Denn sie werden Vorreiter sein für andere Flüchtlinge.

Und der Arbeitsmarkt kann die Flüchtlinge aufnehmen, sagen Unternehmen, sagen Experten, sagen die Zahlen:

Flüchtlinge und Arbeitsmarkt: Chance und Last?

Neben den individuellen Fragen von Job und Arbeit der aktuellen Zuwanderer stehen nämlich auch gesellschaftliche Fragen hinsichtlich der Integration in den Arbeitsmarkt auf der Agenda.

Welche Auswirkung wird die Zuwanderung von Flüchtlingen für die Arbeitswelt haben? Welche Bedeutung hat die aktuelle Migration im Kontext der Debatte um demografischen Wandel, den Fachkräftebedarf und die Zukunft der Arbeitswelt? Gelingt die Integration der Flüchtlinge?

„Der deutsche Arbeitsmarkt wird die Zuwanderung der Flüchtlinge profitieren.“

oder

„Der deutsche Arbeitsmarkt wird durch die Zuwanderung der Flüchtlinge leiden.“

Wie schon bei der Diskussion um den Fachkräftemangel kommt es darauf an, aus welcher Perspektive man die Lage betrachtet und welcher Zeithorizont angelegt wird. Im folgenden skizziere ich den aktuellen Stand der Diskussion zu den Auswirkungen der Zuwanderung auf den deutschen Arbeitsmarkt. Am Schluss des Beitrags nenne ich drei Aspekte für die erfolgreiche Integration unserer Zuwanderer in den Arbeitsmarkt.

Kurzfristige Wirkung der Zuwanderung auf dem Arbeitsmarkt

Kurzfristig jedenfalls profitiert der Arbeitsmarkt von der zu bewältigen Aufgabe der Flüchtlingsintegration: So stellte die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Bericht für den Arbeitsmarktindex BA-X im November 2015 (LINK als pdf) fest:

„Bei der Betrachtung der gemeldeten Stellen nach gesuchten Berufen fällt derzeit vor allem die stark gestiegene Nachfrage nach Wach- und Sicherheitspersonal sowie für den sozialen Bereich und die Öffentliche Verwaltung auf. Dieser Zuwachs dürfte vor allem mit dem hohen Bedarf an Arbeitskräften im Umfeld des Flüchtlingsmanagements zusammenhängen.“

Es gehe um ganz handfeste pragmatische Jobs, die zurzeit zu besetzen sind: Sprachlehrer, Sicherheitskräfte, Baupersonal für die Betreuung von Flüchtlingen und deren Unterkünfte.  Verwaltungskräfte für das mittlerweile berühmte Bundesamt für Migration und Flüchtlingsfragen aber auch für die Jobcenter. Bei Karrierebibel.de gab’s dazu eine Liste.

Flüchtlinge und Arbeitsmarkt: Mittelfristige Auswirkung

Mittelfristig wird die Zahl der Arbeitslosen durch die Zuwanderung geringfügig steigen, wenn die anerkannten, aber noch nicht für den deutschen Arbeitsmarkt aktivierten Flüchtlinge im Kontext der Jobcenter und Arbeitsagenturen erscheinen. Arbeitsministerin Nahles erwartet für 2016 einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Der Chef des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Möller rechnet im Jahresschnitt mit einem Plus von 70.000 in der Statistik.

Entscheidend seien hier die zügige Bearbeitung der Asylverfahren und die tatsächlichen Erfolge der Integration. „Das Hauptproblem sei die Sprache“ so die Ministerin. Und IAB-Chef Möller sekundiert: „Wir müssen aber damit rechnen, dass mehr als zwei Drittel der Asylbewerber keine abgeschlossene Ausbildung haben, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt zählt. (…) Wir müssen alle Instrumente intensiv nutzen, die schon da sind: Eingliederungszuschüsse, berufsvorbereitende Maßnahmen, andere Qualifikationsförderungen.“

Wenn alles gut läuft, könnte eine vernünftige Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt mittelfristig gelingen.

Langfristige Bedeutung der Zuwanderung für den Arbeitsmarkt

Ein aktueller Bericht des IAB konstatiert: Der deutsche Arbeitsmarkt wird langfristig von der aktuellen Zuwanderung der Flüchtlinge profitieren.

Das IAB hat nämlich mal eine Untersuchung zu einem aktuellen Thema veröffentlicht “Flüchtlingseffekte auf das Erwerbspersonenpotential” (LINK als pdf), nachdem sie ja schon kürzlich das Thema Fachkräftebedarf 2030 bearbeiteten. Aaber das war vor laaaaanger Zeit vor dem Peak der Zuwanderung.

Weil es um die langfristigen Wirkungen der Zuwanderung geht, habe ich mir den IAB-Bericht mal genauer angeschaut:

Zuwanderung der Flüchtlinge und Arbeitsmarkt

“Der Bericht untersucht die Wirkungen der Flüchtlingszuwanderung auf das Erwerbspersonenpotenzial. Betrachtet wird eine Zuwanderung von jeweils einer Million Asylsuchenden in den Jahren 2015 und 2016.”

Im Detail beschreibt das IAB in dem Bericht, dass einige Hunderttausend Zuwanderer dieser Gruppe unser Land wieder verlassen wird, manche von sich aus, manche gezwungen. Dafür gibt es andererseits zu erwartenden Familiennachzug.

600.000 zusätzliche Arbeitskräfte durch Flüchtlinge

Mit allerlei Rechen- und Statistikverfahren kommt das IAB für den deutschen Arbeitsmarkt aber netto auf einen Gewinn von 600.000 zusätzlichen Arbeitskräften:

“Unter den getroffenen Annahmen liegt das Erwerbspersonenpotenzial mittelfristig um knapp 600.000 höher als es ohne Asylzuwanderung der Fall wäre.”

Positive Effekte gibt es vor allem in den jüngeren Altersgruppen. Die Alterung des Erwerbspersonenpotenzials kann so vorübergehend gedämpft werden.” (!).

Rettung für den Bevölkerungsdöner

Bevölkerungsdöner

… Der Bevölkerungsdöner: demografischer Wandel sichtbar.

Wir haben nämlich demografischen Wandel seit zig Jahren. Das bedeutet dass die Bevölkerungspyramide längst in sich zusammengebrochen ist. Experten sprechen bei der Darstellung der ehemaligen Pyramide übrigens heute von Urnenform, häufiger wird wegen der Form auch vom Bevölkerungsdöner gesprochen (danke, Nico Rose für den neuen Begriff).

Bei der Lage trifft es sich also grundsätzlich gut, dass der Arbeitsmarkt eine stützende Entspannung erhält. Das Erwerbspersonenpotential wird durch Zuwanderung also spürbar gesteigert. Und wenn sie denn schon kommen, dann sollte man das doch nutzen, auch wenn der Fachkräftemangel sowieso ausfällt, so das s Mr.pm2null Henner Knabenreich diesen Begriff einfach noch einmal zum Unwort des Jahres 2015 gekürt hat.

Insbesondere die Tatsache, dass Zuwanderer im Schnitt wesentlich jünger sind, als die vorhandene Bevölkerung gibt es für den Arbeitsmarkt noch mal einen Gewinn. Alternde Belegschaften könnten davon – gerade auch in Handwerk und Fachberufen profitieren.

Flüchtlinge als Gewinn für den Arbeitsmarkt – wie geht das?

Drei Aspekte sind meines Erachtens Voraussetzung dafür, dass die Geschichte unserer Zuwanderer für den Arbeitsmarkt als Happy End ausgeht.

  1. Wir machen ernst mit der Willkommenskultur! Gerade die hier angekommenden sollten alle formalen Chancen erhalten, die man für eine nachhaltige Integration benötigt. Dazu gehört erst einmal, dass sie ein warmes Dach in diesem Winter erhalten und ihre Anträge auf Asyl effizient bearbeitet werden. Dazu gehört jedoch auch, dass man sie nicht mit einer Abschiebung nach einem Jahr bedroht! Die Entbürokratisierung der vielen Hürden bei der Integration gerade in die Arbeitswelt gehört ebenfalls dazu.
  2. Neben Instant-Sprachkursen dürfen wir uns dann alle strecken, um die neuen Mitbürger nachhaltig in die Arbeitswelt zu integrieren. Wenn ich schreibe “Alle”, meine ich Hiesige und Zuwanderer gleichermaßen.
    Integration bedeutet dann auch Anerkennung von Abschlüssen und Fähigkeiten aus bisheriger Berufserfahrung.
    Integration heißt dann (Aus-)Bildung, Qualifizierung und Weiterbildung.
    Integration heißt die Bereitschaft, unsere Newcomer wirklich in der Arbeitswelt mitmachen zu lassen.
  3. Wir könnten gar die Zuwanderer nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ als Bereicherung unseres Arbeitsmarkts betrachten. Vertrauensvorschuss: Internationalisieren wir doch unsere Arbeitswelt ein Stückchen durch die Zuwanderer aus Pakistan, Irak, Eritrea, Syrien, Iran, Libanon. So manche von ihnen sind internationaler und weltgewandter orientiert, als viele von uns.

Es gibt viele – bisweilen staatlich organisierte, oft ehrenamtliche – Aktivitäten, die sich bereits jetzt mit der Integration der Zuwanderer in die Arbeitswelt befassen. Das Blog Berufebilder behandelt in Jobs für Flüchtlinge ein Beispiel.

Dennoch: Viele Zuwanderer werden möglicherweise Abstriche beim Jobeinstieg in Deutschland machen müssen. Und genauso könnten Unternehmen Zugeständnisse beim Einstieg gewähren müssen.

Denn 600.000 zusätzliche Erwerbspersonen können dann ein Gewinn für den deutschen Arbeitsmarkt sein, wenn das Thema Integration in die Arbeitswelt sofort angepackt und nicht zerredet wird.

Ich fang dann auch schon mal damit an.

Flüchtlinge und Arbeitsmarkt: Tipps?

Und Sie?

Haben Sie Tipps für Flüchtlinge, Unternehmen und uns alle, wie die Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt gelingen kann?

Demnächst werde ich einen Beitrag mit entsprechenden Tipps veröffentlichen. Vielleicht ist Ihrer dabei?

Migration und Arbeitsmarkt: Weitere Infos und Links zum Thema

Migration und Arbeitsmarkt – Monatlich aktualisierte Statistik-Seite der Bundesagentur für Arbeit

Zuwanderungsmonitor 12/2015 des IAB (pdf)

IAB: Wirkungen der Flüchtlingszuwanderung auf das Erwerbspersonenpotenzial (pdf)

FAQ des BAMF: Zugang zum Arbietsmarkt für Flüchtlinge

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‘Systematisch Kaffeetrinken’ und Social Media Enthusiast. Als Geschäftsführer der “LVQ Weiterbildung gGmbH” beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

4 Kommentare

  1. Tom Schreter

    18/02/2016 @ 12:49

    Wow, äußerst differnzierte Auseinandersetzung mit diesem Thema! Ich finde du hättest nur bis zum Aussage, dass die Eingliederung in eine Gesellschaft dann funktioniert, wenn man arbeitet, schreiben können und das als einziges Argument nehmen können, denn es trifft den Nagel auf den Kopf. Da teile ich die Ansicht, dass fachkundige Flüchtlinge am besten sofort in den deutschen Arbeitsmarkt eingebracht werden, denn nicht nur die (jeweils nur zu prognostizierenden) Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sondern auch auf unsere Gesellschaft wären weitestgehend positiv. Man möge sich doch nur einmal vorstellen, wie Asylkritiker nicht mehr argumentieren können, dass Flüchtlinge nur faul auf der Staatskasse sitzen würden!

    Da gibt es in jedem Fall einige Anlaufstellen, die zu bearbeiten sind, um Integration schnell möglich zu machen.

    Aus Interesse: Bist du erst auf die Idee dieses Posts gekommen, nachdem du in Kontakt mit den Flüchtlingen auf der Messe gekommen bist? Genau so eine soziale Begegnung löst in vielen Menschen Gedanken in Lauf, da kann ich mir gut vorstellen, dass das bei dir auch der Fall war. 🙂

    Viele Grüße
    Tom

    Antworten
  2. „Bevölkerungsdöner“ habe ich noch nie gelesen – sehr schöne Bezeichnung für den „Tannenbaum“. 😉

    Dass Flüchtlinge wertvolle Arbeitskräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt sein können, steht außer Frage. Probleme sind: Sprachbarrieren. Bürokratische Barrieren. Menschliche Barrieren. Soweit so bekannt.

    Was ich an diesem Blogbeitrag sehr gut fand, war dass er zeigt, dass sich unter den Flüchtlingen bestens ausgebildete Ingenieure befinden, die zu beschäftigen bestimmt viele Unternehmen, die MINT-Mitarbeiter brauchen sich die Finger lecken würden. Wie man diesem anderen Blogartikel von einem MINT-Stellenportal hier entnehmen kann, sind die „Jobs der Zukunft“ in Bereichen wie Biotechnologie, Chemie, Medizintechnik, Pharmazie und Umwelttechnik zu finden. Unterschreibe ich sofort. Wenn man jetzt einbezieht, dass die deutschen Unis gerade hier über den Nachschub an Studenten klagen, stattdessen immer mehr junge Leute offenbar von einer Karriere im Bereich der Medien träumen und Geisteswissenschaften studieren, dann wird die Anwerbung von Fachkräften aus dem sogenannten Ausland im MINT Bereich natürlich immer wichtiger.

    Und „die Deutschen“ dürfen sich da natürlich nicht „beschweren“, wenn sie selbst zu wenig Interesse daran haben, sich hier auszubilden. Flüchtlinge / vertriebene Menschen wie der oben vorgestellte Hassan sind auf jeden Fall Teil der Lösung des Problems, davon bin ich überzeugt:

    – Hassan ist bestimmt in der Lage, recht schnell die wichtigsten Deutschkenntnisse zu erlangen, wenn man ihn entsprechend fördert
    – Hassan arbeitet auf einem Gebiet, auf dem die Sprachbarriere eh eher sekundär ist; ich gehe davon aus, dass er bereits gut Englisch spricht, und die ist in dem Bereich INgenieurswesen eh die Standardsprache (auch im Studium bereits)
    – Ingenieure, Mathematiker, Chemiker usw.: das sind alles Bereiche, in denen es Metasprachen gibt, die mit Syrisch, Deutsch oder sonstwas gar nichts zu tun haben: hier geht es um international verständliche Formeln, um Zahlen und um extra erstellte Bezeichnungen, eben eine Wissenschaftssprache, die unabhängig vom Herkunftsland verstanden und beherrscht werden muss

    Anders gesagt: Genau auf den Gebieten, wo die „Jobs der Zukunft“ zu finden sind, spielen schonmal die Sprachbarrieren m.E. die kleinste Rolle. Dann müssen wir hierzulande ja „nur“ noch an Bürokratie und Menschlichkeit arbeiten. Hoffentlich kommt eines Tages der Paradigmenwechsel!

    LG Ouz (ich bin, wie man am Namen erkennen kann, selbst ein Sohn von Immigranten, 2. Generation – sehe mich auch als „Beweis“ dafür, dass „so was“ klappen kann…)

    Antworten
  3. Oh habe ich etwa vergessen, meine Quelle zu den „Jobs der Zukunft“ zu verlinken? Das wollte ich nicht. Vielleicht könntet ihr so nett sein und den Link noch ergänzen: t5-karriereportal.de/t5-journal/wo-die-jobs-der-zukunft-zu-finden-sind-218.html – wäre sonst unfair den Urhebern gegenüber

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