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Krisen & Niederlagen: Lassen Sie es EINFACH sein! #TUN Teil 5

Sein lassen - Tun - Fusslahm

… Fußlahm? Einfach mal sein lassen …

Manchmal ist es am besten, es sein zu lassen. Aufzuhören mit Kraft und Energie zu kämpfen. Körperlich wie mental. Anzuerkennen, wenn Schluss ist.

Das ist befreiend und bietet Chancen für Neues. ‚Geht eine Tür zu, öffnet sich eine neue. Ganz gleich ob im geschäftlichen Kontext, in Sachen Karriere oder privat.

Ich hatte da kürzlich auch so ’ne Sache:

Bekanntermaßen joggt der Lars Hahn viel und gerne. Für die körperliche Fitness. Für den mentalen Ausgleich. Die Natur genießend. Die Gedanken sortierend. Bei Wind und Wetter. Laufen als substantieller Bestandteil des Alltags.

Nun gibt es aber bisweilen Hindernisse, die mich daran hindern zu joggen. Besonders lästig sind die sporatisch auftretenden Erkältungen, während derer ich – zur Last meines Umfeldes – stets nörgelnd ausharre, bis das Laufen wieder geht.

So auch kürzlich zum Jahreswechsel bei der obligatorischen Neujahrs-Erkältung.

Und dann noch das: Gerade wieder fit genug, landete ich doch tatsächlich bei einem meiner ersten Läufe auf allen Vieren. Das Resultat: Bänder gedehnt. Fuß außer Betrieb.

Und das im Spätwinter! Wo ich doch trainieren wollte für einen langen Lauf. Naja, zwei Wochen. Dachte ich. Eigentlich. Der Arzt so: „Mindestens 8 Wochen Pause“.

„Schluck!“

Kannste nix machen. „Nützt ja nix“, würde meine Oma sagen.

Also fasse ich den Entschluss, der dem Läufer in mir schwerfällt:

„Ich lasse die Sportpläne sein!“

Aufgeben und verlieren

Kennen Sie das?

Sie kämpfen, Sie geben alles, Sie machen und tun, Sie verausgaben sich, Sie stemmen sich stur oder verzweifelt gegen die Widrigkeiten…

Und doch: Nichts hilft. Ihr Ziel ist unerreichbar. Es wird schier noch unerreichbarer?!

Sie kennen das?

Und was dann?

Aufgeben? „Ich doch nicht!“

Ich werde doch nicht klein bei geben! Ich muss einfach bis zum Ende für mein Ziel kämpfen!

Kapitulieren? Verlieren? Ich?

Niemals!

Widerstand gegen das Unvermeidliche

Es gibt manchmal Lebensumstände, da lohnt es sich zu kämpfen, dranzubleiben. Ein Ziel zu erreichen und dafür die letzten Kräfte zu mobilisieren. Für den geschäftlichen Auftrag alles zu geben, für die Karriere zumindest temporär auf Privates zu verzichten oder beim Wettkampf auf den letzten Metern noch einmal über die Grenzen zu gehen. Nach dem Motto: „Ich tue alles, was mir möglich ist, damit ich mein Ziel erfolgreich erreiche.

In manchen Situationen merken Sie aber, Sie haben es einfach nicht in der Hand. Gesundheitliche Schicksalsschläge kommen, meist ohne das eigene Zutun. Unfälle brechen manchmal ins Leben hinein, quasi zufällig (das englische Wort für Unfall und Zufall heißt „accident“). Im Job passieren Dinge, die hatte man doch gar nicht so geplant: Wirtschaftliche Schieflage, betriebsbedingte Kündigungen, Insolvenzen. Und auch die zwischenmenschlichen Beziehungen schließlich laufen nicht immer wie gewünscht.

Und doch: Grad in kniffligen Situationen kämpfen viele Menschen oft bis zur eigenen Erschöpfung. Anfangs noch hoffend, „die Kurve zu kriegen“, geht es manchmal eben nicht so aus, wie man es erhofft hat. Der Sportler wird nicht zum Wettkampf gesund. Die Pleite des Betriebs lässt sich nicht abwenden. Die Krankheit eines geliebten Menschen war eben nicht heilbar.

Sie reiten ein Pferd, das tot ist

Und die Akteure im Geschehen: Sie merken manchmal nicht, dass das Pferd, was sie reiten, bereits tot ist. Sie kämpfen weiter und setzen alle Ressourcen ein, obwohl schon längst alles verloren ist, der Film schon längst vor ihnen abläuft. Sie weigern sich, das Geschehene anzuerkennen. Sie leisten Widerstand, obwohl der Widerstand längst zwecklos ist.

Und warum?

Meine Vermutung: Wir tun so etwas, weil wir gelernt haben, dass wir kämpfen sollen, dass wir um jeden Preis Widerstand gegen die drohende Niederlage zu leisten haben. Durchhalten. Weil wir glauben, wir müssten das Geschehen in der Hand haben („handhaben“), auch wenn es in Wirklichkeit viel zu viele Umstände gibt, die wir gar nicht beeinflussen können.

Deswegen ist eine Kurskorrektur, ein Neuanfang manchmal so schwierig.

Lars Hahn gehört eher zu den hartnäckigen Zeitgenossen. Nennen Sie es Sturheit, ich gebe in der Regel nicht leicht freiwillig auf. Was in vielen Fällen hilft – zielführend voranzugehen -, entpuppt sich in Krise oder Niederlage oft als schädlich: Sturheit, Tun und Machen bis zur Selbstaufgabe oder –verleugnung.

Den Widerstand aufgeben

Aber dann irgendwann – völlig kraftlos, schön längst über die Reserven hinaus – da hilft es ja doch nichts: Es ist aus!

Das Dranbleiben und Kämpfen hat sich (diesmal) nicht ausgezahlt. Das gesetzte Ziel kann nicht erreicht werden. Der Dickschädel hat sich nicht durchgesetzt. Sie müssen sich eingestehen, dass die äußeren Bedingungen stärker waren.

Wir alle kennen diesen Zustand bei plötzlichen Krankheiten oder Unfällen. Eben noch versuchten wir, das Leben so gut wie es geht, trotz Krankheit weiter zu regeln und jetzt schon müssen wir erkennen, dass nur noch Geduld, Aushalten, Kapitulieren hilft.

Der Krieg ist aus: Das Kämpfen sein lassen!

Wäre es nicht schöner, wenn dieses Phänomen des Aushaltens und Seinlassens bereits einträte, wenn objektiv absehbar wäre, dass das Ziel nicht mehr erreichbar ist? Wäre es nicht sogar ökonomisch sinnvoller? Kräfte zu sparen, die man dann frühzeitig für Neues verwenden könnte?

Ein Freund sagte mal zum Zustand der Kapitulation vor der persönlichen Niederlage „Der Krieg ist aus!“ und meinte das durchaus positiv.

Mit Hilfe dieser Betrachtungsweise ist die Aufgabe des Widerstands bei Krise und Niederlage vergleichsweise leichter: Das Kämpfen einfach sein zu lassen. Diese Haltung kann man sogar lernen.

Es EINFACH sein lassen

Bei einem Lehrer, bei dem ich vor einigen Jahren lernte, ging es genau um diesen „Switch“ im Kopf. Den eigenen Widerstand gegen etwas zu überwinden durch die Haltung

  • Ich lasse ES … sein.

Es sein lassen: Praktisch daran ist, dass Sie anstelle der Pünktchen das für Sie passende Attribut einsetzen können:

  • Ich lasse es … so … sein.
  • Ich lasse es … gut … sein.
  • Ich lasse es … endlich … sein.

Und im doppelten Sinne

  • Ich lasse es … einfach … sein.
  • Ich lasse es … EINFACH … sein.

So gesehen:

Lassen Sie es einfach mal sein?

Lassen Sie es mal EINFACH sein!

Apropos: Wie gelingt Ihnen der Umgang mit Krisen oder so genannten Niederlagen? Welche Strategien des Seinlassens haben Sie? Haben Sie für solche Fälle Rezepte?

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der LVQ Weiterbildung gGmbH beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

5 Kommentare

  1. Lieber Lars,

    erstmal „gute Besserung“ für Deinen Fuß! Und Glückwunsch zu dem Artikel, den Du ja freiwillig nie geschrieben hättest, oder? 🙂 Es ist wie Du schreibst: Aufgeben ist manchmal eine Option. Und zwar die bessere / richtige! Hab das auch selber in vielen Jahren harten „Kampf“ gelernt. Es gibt Dinge, die bewegst du einfach nicht. Da kannst du kämpfen wie du willst. Und das anzuerkennen, gehört zum Leben dazu. Und das ist nichts schlimmes und auch kein Scheitern – das ist das Leben. Und wer klug ist, lernt damit umzugehen. So wie Du 😉

    Herzlichen Gruß,
    Henrik

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  2. Pingback: Was Stärken, das Scheitern und Hollywood uns für das Recruiting lehren! - hzaborowski - hzaborowski

    • Hallo Katrin,

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      Liebe Grüße!
      Lars Hahn

      Antworten

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