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Bildung 2.0: Wir sind Aktive Lerner! #Tipps

Bildung 2.0 - Aktive Lerner„Wir sind Aktive Lerner!“

Es war eine echte Digital Native, die den Saal rockte. Zumindest hatte sie mich sofort gewonnen und überzeugt. Mit der Äußerung „Entscheidend für Digital Native sind nicht die Gadgets und die Technik. Das Entscheidende ist: Wir sind Aktive Lerner.“

Bildung 2.0 war Thema auf der ersten Social Media Night des Social Media Club Düsseldorf. Thematisch ein weites Spektrum: Es ging dabei um das Einbeziehen von Social Media in institutionalisiertes Lernen wie Schule, Studium, Weiterbildung. Gastgeberin Claudia Hilker beschreibt das so: „Das Internet verändert das Lernen“.

Studentin Larissa Schmitz berichtete am Abend darüber, welche Anforderungen Digital Natives an Lernen stellen und bezeichnet sich selbst als „Activ Learner“.

Meine 3 Tipps für Aktiver Lerner gibt’s am Ende des Artikels. Und für Veranstalter von Bildung und Lernen gibt’s 3 Tipps, wie Sie mit Aktiven Lernern arbeiten können.

Bildung 2.0 – Aktives Lernen

Aktives Lernen. Den Begriff gibt es bereits seit den 90ern und bezeichnet eigenverantwortliches Lernen jenseits des Frontalunterrichts. Eine nette Erklärung bietet dieser schon zehn Jahre alte Artikel bei FAZ.net: „Was bedeutet Aktives Lernen?“. Hier ist es gemeint als aktive Beteiligung der Lernenden am Bildungsgeschehen durch Mitwirkung und aktive Gestaltung per Internet und Social Media. Welcher Begriff könnte besser den Paradigmenwechsel in Bildung und Lernen bezeichnen, den die digitale Transformation hervorbringt?

Denn so gemeinte Bildung 2.0 bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den Abschied von der „Allmacht“ von Lehrenden. Aktive Lerner mischen sich ein ins Lerngeschehen, indem sie – weltweit vernetzt – das Wissen selbst bereichern. Per Smartphone Antworten beisteuern, die keiner im Saal gewusst hätte. Parallelkommunikation zum Geschehen per Twitter beisteuern. Häppchen-Lernen nach Bedarf. Das muss nicht der Abschied vom klassischen Curriculum bedeuten, aber es könnte.

Eine besonders beliebte Lernform für Aktive Lerner sind übrigens die allseits gehypten MOOCs, die Massive Open Online Courses, große hypermediale Online-basierte Vorlesungen, die meistens von breiter Beteiligung der Teilnehmenden leben. Erklärungen, Definitionen und Abgrenzungen finden sich unter anderem bei LernspielwieseStreifzüge und bei howtomooc.org.

Doch zurück zum Aktiven Lernen mit dem Video „Active Learner“.

Bildung 2.0 – Keine Frage von Alter

Einen kleinen Denkfehler hat Larrisas These von den aktiven Digital Natives. Sie impliziert, dass es eine Generationsfrage sei, ob jemand Aktiver Lerner ist. So nach dem landläufigen Muster: Die Generation Y ist heute völlig anders, als ihre Vorgänger. Bildung 2.0 ist jedoch weniger eine Frage des Alters, sondern eher eine Frage der tatsächlichen Nutzung von Social Media und den digitalen Möglichkeiten. Und das ist mehr eine Frage der Medienkompetenz und des individuellen Umgangs mit gesellschaftlicher Entwicklung. Jedenfalls gibt es auch unter den digitalen Immigranten jenseits der 35 viele Aktive Lerner. Und es werden immer mehr werden!

„Vielleicht haben wir die Mitglieder der Generation Y als Treiber einer Veränderung gesehen, deren Zeit einfach gekommen ist? Vielleicht haben wir sie als Initiatoren einer Bewegung in Arbeitswelt und Gesellschaft erkannt, obwohl sie auch nur auf dem Beifahrersitz Platz genommen haben?“ meint positiver Psychologe, Blogger und Personalmensch Nico Rose in der LEAD digítal.

Bildung 2.0 – Zeitgleiche parallele Kommunikation

Das herkömmliche Lehrer-Schüler- oder Professor-Student-Verhältnis wird beim Aktiven Lernen also mehr und mehr aufgebrochen. Der asynchrone Fast-Einweg-Unterricht wird immer häufiger durch Mehrwegkommunikation abgelöst. Was das Web 2.0 bereits vorgemacht hat, wird bei Bildung 2.0 immer stärker zum Alltag.

Das kann man gut finden oder nicht. Spätestens unter Erwachsenen wird das Smartphone allgegenwärtig sein, wenn es das nicht bereits ist: Im Unterricht. In der Vorlesung. In der Konferenz. Bei der Tagung.

Als Kommunikationsmittel mit den Teilnehmern im Raum und mit denen im globalen Raum. Lernen im Saal wird durch digitale Vernetzung stets auch ein bischen global.

Zurzeit spielt dabei Twitter eine zunehmende Rolle. In Deutschland (immer noch) verhalten, wird Twitter weltweit mehr und mehr begleitende Kommunikationsplattform für Bildung und Lernen. Das Lerngeschehen wird angereichert durch Youtube, Links und Beiträge der Anwesenden und Abwesenden. Der Lehrende wird mehr und mehr ersetzt durch den Moderierenden. BarCamps sind perfekte Beispiele von Veranstaltungen, in denen ein solches Lernen stattfindet. „Wissen teilen ist geil und Lernen macht Spaß“ hieß deshalb schon einer der ersten Beiträge in diesem Blog.

Wer bereits ein BarCamp besucht hat, der weiß wie sich Aktives Lernen anfühlt. Denn ein BarCamp ist eine „Unkonferenz“, die sich dadurch auszeichnet, dass es keine Speaker einerseits und Zuhörer andererseits gibt. Alle Teilnehmenden sind auch Aktive. Die einzelnen Sessions laufen in der Regel höchst interaktiv. Im Raum vor Ort und über Social Media.

Wer jetzt wissen will, wie sich aktives Lernen anfühlt, sollte eines besuchen. Hier gibt es die Liste aller BarCamps in Deutschland.

Bildung 2.0 – Gleichzeitigkeit von traditionellen und innovativen Lernsituationen

Aktive Lerner agieren bisweilen noch selbstgesteuert und eigenverantwortlich in klassischem Unterricht oder bei traditionellen Konferenzen. Das kann schon mal zu Irritationen beiderseits führen. Deshalb ist es dienlich, ein paar Dinge zu beachten, damit das Umfeld einschätzen kann, was sie tun. Deshalb hier meine Tipps für Aktive Lerner und Veranstalter von Bildung 2.0.

3 Tipps für Aktive Lerner

  • Vernetzen Sie sich mit Mit-Lernenden über Twitter, Facebook und tauschen sich aktiv über das Geschehen aus.
  • Erklären Sie Nicht-Eingeweihten, des Geschehens, besonders den Lehrenden, was Sie tun.
  • Dokumentieren Sie Ihre Aktivitäten in Twitter, Facebook oder kolaborativen Dokumenten.

3 Tipps für Veranstalter von Bildung 2.0

  • Überlegen Sie, ob ein offenes Veranstaltungsformat wie BarCamp, Open Space passt und stimmen Sie Ihre Ziele daraufhin ab.
  • Rufen Sie bereits im Vorfeld zur Beteiligung auf und beziehen Sie die Lernenden z.B. per Twitterwall aktiv in das Geschehen mit ein.
  • Bereiten Sie Ihre Veranstaltung Social-Media-tauglich vor und nach: Hashtag und Social Media, Blog,Twitterwall und Facebook.

Digitale Transformation auch in der Bildung

Zurzeit befinden wir uns in einer Ära der digitalen Transformation. Das betrifft den Handel mit dem eCommerce, die Industrie mit der Industrie 4.0, die digitale Politik und eben auch die Bildung, die sich im Übergang befindet zur Bildung 2.0 oder gar Bildung 3.0.

Das bedeutet, dass im Rahmen der Transformation parallel traditionelle Prozesse und innovative Ansätze einher gehen, bisweilen gleichzeitig im selben Raum. Über kurz oder lang wird sich erst rausstellen, welche Lernformen bleiben werden. Sicher wird es noch Präsenzunterricht geben, nur wird er ebenso sicher anders aussehen, als noch vor zwanzig Jahren. Wer weiß es heute? Ich jedenfalls bin gespannt!

  • Wie ist das bei Ihnen?
  • Möglicherweise kennen Sie gar noch weitere Tipps für Aktive Lerner?
  • Oder haben Sie weitere Hinweise für Veranstalter?
  • Welche Erfahrungen haben Sie gemacht als Aktive Lerner?

P.S.: Bevor es einer anmerkt: Ich übe selbst noch, sowohl als Aktiver Lerner, als auch als Veranstalter.

 

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

5 Kommentare

  1. Stimmt so nicht: Die Nutzung von Smartphone & Co. allein macht das Lernen keineswegs aktiv! Entscheidend ist die Haltung, mit der man an den Lernprozeß herangeht – und zwar von allen Seiten, der Lerner ebenso wie eventueller Lehrender (die ja eher Lernunterstützer sein sollten). Wer moderne Medien benutzt, aber dabei alte Haltungen pflegt, ändert kaum etwas. Und wer twittert, kann dabei seinem Lernprozeß ggf. eher schaden: wenn er sich eben darauf nicht mehr einläßt, sondern lieber darüber quasi von außen berichtet.

    Antworten
    • Stimmt. Die Nutzung von Smartphone allein ist es nicht, was Aktives Lernen ausmacht. Man könnte ja auch Candy Crush oder ähnliches während der Vorlesung spielen.

      Die Haltung finde ich auch wichtig. Humanistische Ideale lassen sich mit modernen Medien durchaus verquicken finde ich. Denn diese sind im Zweifel eben auch nur Medien, Werkzeuge und Tools. Ähnlich wie Powerpoint. Das lässt sich sehr sinnvoll einsetzen, wird aber häufig von Vortragenden und Lehrenden als überdimensionaler Spickzettel missbraucht.

      Und was Twittern und Co. angeht: Wie bei jedweder Kommunikation kommt es drauf an, mit welchem Bewusstsein sie erfolgt. Den Monolog eines (Be-)“Lehrenden“ gerade bei Vorlesungen oder Konferenzen kann Twitter prima ergänzen und den Austausch unter den Zuhörenden bereichern.

      Mal ketzerisch: Möglicherweise hätte ja sogar Goethe die modernen Medien geliebt?

      Antworten
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