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Facebook und die doppelten Profile II: Erfahrungen, Tipps und Dankeschön!

Facebook-Profile-doppelt„Ich habe schon Leute gesperrt, die mir unter sage und schreibe 28 Profilen mit identischem Bild und Namensvariationen Freundschaftsanfragen gestellt haben. Zwei ist ja ein Klacks dagegen.“

Silvia Nickel im Facebook-Kommentar auf der schwindt-pr-Seite.

In meinem vorherigen Beitrag „Facebook: Zwei Profile geschäftlich und privat? 7 Tipps für ein sauberes Facebook-Profil“ empfahl ich, pro Person definitiv nur ein Facebook-Profil zu nutzen, weil a. die Facebook-Richtlinien das vorgeben, b. das transparenter für die anderen Akteure auf Facebook ist und c. es das Facebook-Spiel einfacher macht, wenn alle die gleichen Regeln beherzigen.

Der Artikel wurde passenderweise gerade bei Facebook häufig geteilt, zum Beispiel auf den Facebook-Seiten von Annette Schwindt, PR-Doktor Kerstin Hoffmann, aber auch von vielen anderen. Vielen Dank noch einmal dafür! Dieser Artikel greift Fragen, Kommentare und Tipps aus den Resonanzen auf, denn daraus habe ich noch einmal einiges gelernt.

Gerade weil ich die Möglichkeit der gleichzeitigen Nutzung von geschäftlichem und privatem Profil durch eine Person grundsätzlich in Frage stellte, gab es viel Resonanz und viele, sehr unterschiedliche Kommentare. Die überwiegende Zahl der Beiträge war zustimmend, jedoch gab es auch kritische Stimmen, Fragen und rege Diskussion.

Wie schon gesagt: Aus den Resonanzen habe ich einiges erfahren und manches gelernt. Nämlich, dass es bisweilen so einfach gar nicht ist, wie ich das im Beitrag dargestellt habe. Manche Menschen werden durch Arbeitgeber gezwungen, zwei Facebook-Profile zu pflegen. Einige tun dies, weil sie bereits ein ganz altes sehr privates Fake-Profil nicht für Geschäftliches nutzen möchten. Und wieder andere tun das, weil sie einfach die Sorge haben, dass ihre Aktivitäten in Gruppen mit intimen Themen wie Krankheit oder Sexualität auf einmal in geschäftlichen Bezügen auftauchen könnten.

Entsprechende geäußerte Kommentare werfen interessante Aspekte auf, die weit über den letzten Beitrag hinaus gehen. Weil die Fragestellungen durchaus für viele zutreffen können, werde ich in dieser kurzen Nachbetrachtung die interessantesten Aspekte kurz beleuchten.

Erfahrung 1: Unternehmen drängen Mitarbeiter in zwei Facebook-Profile

Es gibt Unternehmen und Organisationen, die geben ihren Mitarbeitern per Guideline oder Verfahrensanweisung vor, dass sie in ihren Social Media Profilen sich öffentlich nur „neutral“ äußern dürften, sobald geschäftliche Kontakte bei Facebook ins Spiel kämen. Manche Unternehmen empfehlen gar für private Zwecke ein zweites Profil anzulegen (zum Teil aus Unkenntnis der Facebook Richtlinien). Klasse finde ich dieses Feedback: Eine Organisation, deren Verfahren bisher nur getrennte geschäftliche und private Profile zuließ, ändert jetzt das Verfahren, weil die Mitarbeiterin die Problematik der zwei Profile für eine Person ansprach „und jetzt wird die „Verfahrensanweisung“ im QM geändert.“

  • Tipp 1: Sprechen Sie den Sachverhalt in Ihrem Unternehmen an. Thematisieren Sie die Möglichkeiten von Listen, öffentlichen und gefilterten Beiträgen.

Erfahrung 2: Mitarbeiter haben zwei Facebook-Profile. Das Unternehmen weiß das aber gar nicht.

Oft weiß das Unternehmen ja gar nicht, was Mitarbeiter bei Facebook oder auch in anderen sozialen Netzwerken tun. So wurde aufgrund des Beitrags auch bei uns im Haus thematisiert, dass manche Mitarbeiter zwei Profile haben. Schließlich könne man gar nicht mehr anders, als Anfragen von freundschaftlichen Geschäftskontakten zu beantworten. Für uns alle ein Grund, die Frage der Nutzung der Facebook-Profile bei uns im Betrieb offensiv zu klären.

  • Tipp 2: Wenn Sie als Mitarbeiter eines Unternehmens ein geschäftliches und ein persönliches Facebook-Profil haben und jetzt überlegen, beide zusammenzulegen, sprechen Sie mit Ihrem Unternehmen, wie sie das auch im Sinne des Unternehmens tun können. Gut ist, wenn die Organisation überhaupt für diese Thematik sensibilisiert ist. Dann muss sie nämlich handeln.

Erfahrung 3: Menschen haben lange Zeit ein Fake-Profil und legen sich ein zweites seriöses Profil parallel an.

Von steadynews-Bloggerin Eva Ihnenfeld kam der Einwand, das gerade manche junge Menschen bisher ein Fake-Profil haben, in dem sie sehr privat sind. Für die berufliche Tätigkeit zum Beispiel als Facebook-Seitenmanager bräuchten Sie jetzt aber ein seriöses Profil, mit dem sie „als “Mensch” im Auftrag des Unternehmens schreiben, liken, kommentieren – was auch bei Fanpages getan wird“.

Meine Antwort dazu war: „Wenn jemand ein Fake-Profil hat, macht er ja sowieso alles schon an den besagten Richtlinien vorbei. Wenn schon falsch, dann macht ein 2. Profil auch nichts mehr. Weil: Ist ja immer noch falsch. … Blöd nur, wenn besagtem Community-Manager aufgrund von AGB-Verstoß das Konto gesperrt würde. Dann käme er oder sie auch nicht mehr an die Seite.“

Denn, wer mag ausschließen, dass Facebook bei erkennbar mehreren Profilen für einen Nutzer nicht gleich alle Profile sperrt? Zumindest ist das selbst bei Fake-Namen ganz schnell denkbar, wenn jemand die Profile durch Bild-Markierungen oder ähnliches in Zusammenhang bringt.

  • Tipp 3: Wenn Sie in Ausnahmefällen entgegen der Richtlinien von Facebook zwei oder mehrere Profile pflegen, beachten Sie besonders die Markierungen und die Privatsphäre-Einstellungen. Pflegen Sie das private Profil bewusst ohne öffentlich erkennbaren Bezug auf Ihre Person (Klarstellung: Ich heiße ein solches Vorgehen dennoch nicht gut.)

Facebook, Google, XING und Co. – Digitale Identitäten

Besonders beschäftigt haben mich nach dem Beitrag zum doppelten Facebook-Profil die Kommetare und Rückmeldungen zu den verschiedenen Identitäten, die oft ein und dieselbe Person im Web hat.

Ansatzweise habe ich mich in diesem Blog mit diesen und ähnlichen Fragen bereits in einigen Beiträgen beschäftigt, z. B. mit dem Thema der Karriere-SEO. Aber noch gibt es viele offene Fragen, wie Menschen mit Transparenz und Privatsphäre der Persönlichkeit in Zeiten der digitalen Vernetzung umgehen.

Eigentlich ist das ja gar kein neues Thema der digitalen Transformation unserer Gesellschaft. Denn natürlich gibt es auch Menschen, die offline mit mehreren strikt voneinander getrennten Identitäten durchs Leben wandern. Aber das Internet macht das, was Klaus Eck mit „Digitale Schizophrenie“ bezeichnete umso transparenter.

Die Fragen, die für mich noch zu klären sind, sind unter anderem:

  • „Ist es möglich, auch als Person im Internet verschiedene Identitäten getrennt voneinander zu pflegen?“
  • „Wann ist das unter dem Aspekt der persönlichen Reputation möglicherweise ratsam?“
  • „Wann ist das doppelte Profil aus Reputationsgründen eher schädlich oder gefährlich?“
  • „Wie kann ich verschiedene Themen meines Lebens ‚unter eine Decke‘ kriegen?“
  • „Gehören vielleicht bestimmte Lebensbereiche doch nicht ins Internet?“

Vielleicht fallen Ihnen Antworten ein? Oder gar noch mehr Fragen?

Was die „Digitalen Identitäten“ angeht, gilt hier im Blog auf jeden Fall:

To be continued …

 

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

 

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Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst Geschäftsführer @LVQ_Bildung. Bloggt über die Arbeitswelt, Social Media und allerlei Digitalkram.

15 Kommentare

  1. Pingback: Facebook: Zwei Profile geschäftlich und privat? 7 Tipps für ein sauberes Facebook-Profil - Systematisch KaffeetrinkenSystematisch Kaffeetrinken

  2. Interessante Ansätze und Fragestellungen.
    Letzens erzählte ein Bekannter von mir, dass er ein zweites Facebook-Profil angelegt habe. Auf meine Frage nach dem Warum:
    “ Weißt du, meine Tochter ist dort auch angemeldet, da ist es schon gut zu wissen, was sie so postet und wer in der Freundesliste steht! Ich habe mich unter der falschen Identität einladen lassen.“

    Ich war entsetzt, was da gemacht wurde. Ein absolutes no go und ein krasser Vertrauensmissbrauch. Er meinte sogar noch, das dass doch völlig normal sei.

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    • Das ist allerdings eine Variante der gemeinsten Art: Kinder-Monitoring.
      Hier würde ich zusätzlich noch hinterfragen, wie seriös denn diese Form der Erziehung sei.

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  3. Danke für das Aufgreifen des Themas, den Denkanstoss „zu neuen Türen“ – eine Tür, die zum zweiten Profil, wird nun nämlich bald geschlossen 😉
    Beste Grüße, Tanja

    Antworten
    • Hut ab, Tanja!
      Finde ich klasse, wie konsequent Du das jetzt umsetzt. Bei Deinem Netzwerk könnte das ja richtig Arbeit bedeuten?!
      Bin gespannt auf Deine Erfahrungen mit „nur“ einem Facebook-Profil.

      Antworten
  4. Guten Tag Herr Hahn,
    2 Profile zu haben finde ich nicht gut. Ein privates Profil ist privat und dass man darauf achten sollte, was man postet, versteht sich eigentlich von selbst. Eine Firma sollte eine Seite haben. Da Mitarbeiter auch die Firma wechseln, macht es keinen Sinn, ein 2. privates Profil für berufliche Zwecke einzurichten. In den meisten sozialen Netzwerken kann man ja seine Follower in Kreise, Listen, etc. einteilen, um private und berufliche Kontakte zu trennen.
    Freundliche Grüße
    Claudia Dieterle

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  5. Ingrid Köstenberger

    17/06/2015 @ 20:20

    Habe 3 Profile und schreibe ständig Facebook an um die Altkonten zu löschen, aber es passiert nichts.Selbst komme ich nicht mehr hinein um es zu löschen.
    Was soll ich tun???

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  6. Toller Beitrag!

    Finde es aber durchaus anstrengen 2 verschiedene Profile zu pflegen. Das klingt wirklich nach Schizophrenie 🙂

    Ich persönlich versuche mich gar nicht erst mit meinen Kollegen per Facebook zu vernetzen. Meine Devise ist: XING und Linked in fürs Business, Facebook für Privates – das versuche ich auch zu trenne. Ist dies nicht möglich arbeite ich mit Listen, öffentlichen und gefilterten Beiträgen.

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  7. Ist ja alles gut und schon – aber: was ist, wenn mich meine Mitarbeiter explizit darum beten, NICHT ihr privates Profil zur Pflege von Kunden-Seiten nutzen zu müssen? Laut Facebooks Richtlinien geht das gar nicht. Ist doch total blöd.

    Antworten
  8. Ich pflege zwei Facebook-Profile und werde das weiterhin so machen. Mein privates Profil existiert schon lange, und ich nutze es vorwiegend politisch. Da vertrete ich gelegentlich auch mal Meinungen, die nicht mit derjenigen meiner Firma übereinstimmen. Und schreibe in einem Ton, der im geschäftlichen Umfeld unpassend ist.

    Das geschäftliche Profil nutze ich vorwiegend, um die Seite der Unternehmung zu pflegen. Und da ich beim geschäftlichen Profil die Firma mit angegeben habe, kommen Freundschaftsanfragen von Leuten aus dem beruflichen Umfeld automatisch an das geschäftliche Profil und das private bleibt verschont.

    Facebook möchte natürlich allumfassend informiert sein über alles was wir tun, schreiben und lesen – da stört natürlich das, was weiter oben „digitale Schizophrenie“ genannt wurde. Natürlich habe ich keine Freude daran, gegen die Nutzungsbestimmungen von Facebook zu verstossen. Aber: Durch seine Grösse und Verbreitung zwingt mich Facebook dazu, die Seite auch beruflich zu nutzen. Das Anlegen eines Zweitpfofils ermöglicht es mir, mein privates weiterhin so zu nutzen wie ich das tun will.

    Nebenbei: Ich habe noch ein drittes Profil, welches ich zum Testen von Apps nutze, die ich für Facebook entwickle. Es ist mir ein Rätsel wie Facebook auf die Idee kommt, dass man für Tests das eigene Profil nutzen soll. Man muss die App ja auch mal mit einem Konto testen können, das nicht Admin ist für eine bestimmte Seite. Die Nutzungsbedinungen einzuhalten ist, wenn man sauber testen will, also sowieso unmöglich.

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    • Danke Jonas,

      die Begründung für mehrere Accounts ist in diesem Fall nachvollziehbar und – wenn auf eigenes Risiko bewusst gewählt – individuell vertretbar.
      Empfehlen würde ich diese Strategie dennoch nicht.

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  9. Pingback: Neue Linktipps für Ihr Onlinemarketing entdeckt! - Netz-Fundstücke 01/17 - IHK Onlinemarketing

  10. Sage es mal gleich positiv: Ich bin entschiedener Befürworter von bis zu 2 Profilen in sozialen Netzwerken und zwar eines für die private Nutzung und eines für die geschäftliche. Dies einfach aus dem Grund, dass man sonst gezwungen ist, die eignen (privaten) Meinungen – Vorlieben – Hobbies etc. gar nicht zu verfolgen und entsprechende Inhalte zu liken oder zu teilen, besonders, wenn diese im geschäftlichen Umfeld irritieren könnten. Es mag sein, dass Personen, deren private Interessen ähnlich gelagert sind wie ihre geschäftlichen, kein Problem mit einem
    einzigen Account (besonders auf Facebook) haben, doch je mehr diese Interessen differieren, desto problematischer wird dies. Ich kenne einige, die konsequent auf Privates in ihrer Facebook Chronik verzichten. Inhalte für Freunde und Öffentlichkeit getrennt zu veröffentlichen ist nur scheinbar eine Lösung, denn Freundschaftsanfragen von Geschäftsfreunden oder einfach an der eigenen geschäftlichen Ausrichtung interessierten Personen (z.B. innerhalb Facebook) sind dann problematisch, sobald diese dann als (Facebook-) Freund auch solche Inhalte einsehen können, die man aus dem geschäftlichen Fokus eigentlich heraushalten möchte.
    Der Zwang zu einem einzigen privat wie geschäftlich genutzten Profil fordert im Grunde den gläsernen Menschen, dessen Interessen sich an seiner Geschäftstätigkeit oder falls angestellt, an den Geschäftsinteressen seines Arbeitgebers auszurichten hat.
    Die Möglichkeit ein 2. rein privates genutztes Profil anlegen zu können, ermöglicht auch im Digitalzeitalter, privaten Interessen nachgehen und persönliche Meinungen teilen zu können, ohne dass diese zu Nachfragen im geschäftlichen Umfeld führen könnten.

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    • Danke Thomas, für den ausführlichen Kommentar.

      Die Listen in Facebook bieten ja gerade die Möglichkeit, sauber nach geschäftlichen, beruflichen, persönlichen oder privaten Profilen zu unterscheiden innerhalb eines Profils.

      Die Gefahr eines zweiten identifizierbaren Profils habe ich oben beschrieben: Spätestens ein Seitenadmin geht mit einem zweiten Profil ggf. das Risiko ein, das der Seitenzugriff nicht mehr möglich ist.

      Antworten

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