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Arbeitswelt Deutschland 2025: Katastrophe oder Paradies? Plus 5 Tipps, das rauszukriegen.

Wissensarbeit oder Museum

Im Museum gibt’s den Rückblick. Wie sieht die Arbeitswelt den morgen aus?

2025 werden also doch keine 6,5 Millionen Menschen fehlen. Der Fachkräftemangel ist abgesagt.

Zahlen und Prognosen über die zukünftigen Bedarfe am Arbeitsmarkt scheinen also trotz allen Wissens um Bevölkerungsentwicklung und demografischen Wandel schwierig.

  • Wie sieht es denn mit der qualitativen Seite aus?
  • Welche Änderungen erwarten wir in zehn Jahren in unserer täglichen Arbeitsumgebung?
  • Wie entwickelt sich unsere Arbeitswelt inhaltlich bis 2025 und darüber hinaus?

Durch demografischen Wandel und Digitalisierung erleben wir aktuell eine qualitative Veränderung unserer Arbeitswelt, die es in dieser Rasanz möglicherweise noch nicht gegeben hat.

Der Rückgang an jungen Arbeitskräften führt zum Buhlen um die jungen begehrten Kräfte, der Generation Y. Es soll gar Menschen geben, die in diesem Zusammenhang vom Krieg um Talente reden.

Die klassischen Modelle von Vollzeit-Präsenz-Jobs lösen sich scheinbar mehr und mehr auf. Bestehende Führungsmodelle werden kritisch hinterfragt. Statt fünf Tage 9 to 5 zu arbeiten, gibt es den vermehrten Wunsch nach Homeoffice, Flexibilität der Arbeitszeiten, aber im Gegenzug auch die Anforderungen von ständiger Smartphone-Erreichbarkeit. NewWork allenthaltben oder Brave New Work?

NewWork: Schöne neue Arbeitswelt?

Die einen sehen das Aufziehen einer neuen Unternehmenskultur auf Augenhöhe. Der gleichnamige, durchaus sehenswerte Film, der solche NewWork-Beispiele zeigt, sorgt für Aufmerksamkeit, aber auch für Kritik, wie hier im Blog von Bernd Slaghuis nachzulesen ist. Man sollte ihn sich angeschaut haben, um mitreden zu können. Hier ist der Film zu sehen:

AUGENHÖHE OmU (dt.) from Daniel Trebien on Vimeo.

Manch andere äußern sich skeptisch über die Entwicklungen der Arbeitswelt wie HR-Blogger Henrik Zaborowski, der „mit Sorge in die Zukunft“ sieht, weil Unternehmen die Zeichen der Zeit nicht erkennen und qualifizierte Fachkräfte nach wie vor „auf den Arm genommen“ würden.

Arbeitsvisionen 2025

Wie sich unsere Arbeitswelt in den nächsten 10 Jahren qualitativ verändern wird, dieser Frage geht im Blog von Guido Bosbach eine ganze lesenswerte Interviewreihe „Arbeitsvisionen 2025“ nach. Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte werden zu ihren Vorstellungen, wie wir zukünftig arbeiten werden.

Manche wie Vordenker Gunter Dueck äußern sich eher skeptisch über die Arbeitswelt in 10 Jahren. Andere wie der Mitentwickler des „Manifest für ein neues Arbeiten“ Microsoft-Direktor Thorsten Hübschen sehen positiv in die Zukunft der Arbeitswelt. Und der schweizerische Personalfachmann Jörg Buckmann sieht es recht nüchtern: „Ich glaube nicht, dass sich insgesamt so unglaublich viel verändern wird. Auf jeden Fall nicht so viel, wie heute immer wieder prognostiziert wird.“

Evolution statt Revolution

Was denken Sie?

Ich glaube, dass die Veränderung der Arbeitswelt trotz rasanter Digitalisierung insgesamt eher evolutionär denn revolutionär voranschreitet. Vor allen Dingen aber werden verschiedene Arbeitsfelder unterschiedlich von Veränderungen betroffen sein. Es wird in 10 Jahren Berufe geben, da wird sich im Vergleich zu heute nicht viel geändert haben. Andere Arbeitsplätze werden in 10 Jahren nicht wiederzuerkennen sein. Und einige, möglicherweise gar einige Branchen wird es in 10 Jahren nicht mehr geben. Vielleicht frisst der Kapitalismus die Arbeit doch mehr und mehr auf?

Gut wäre zu wissen, welche Arbeitsfelder, Jobs und Berufe in 10 Jahren besonders attraktiv sind. Und welche möglicherweise der Digitalisierung zum Opfer fallen. Man könnte sich dann ja darauf vorbereiten.

Deshalb kann es für Sie und mich hilfreich sein, sich auf dem Laufenden zu halten, sich über regelmäßig über Trends im jeweiligen Themenfeld zu informieren und über den beruflichen Tellerrand zu schauen. Dieser Faktor ist auch Impulsgeber für meine

5 Tipps für Berufstätige und Bewerber für die Arbeitswelt der Zukunft

  1. Keine Panik! Vor Stellenabbau oder Fachkräftemangel! Bewerber, Sie benötigen immer nur eine einzige Stelle. Die können Sie möglicherweise ganz unabhängig von der aktuellen Entwicklung des Arbeitsmarktes behalten oder bekommen. Personaler, abseits von Engpässen gibt es möglicherweise Pfade der Personalgewinnung und des Personalmarketings, die Sie neu ausprobieren können.
  2. Forschen! Beobachten Sie qualitative Trends „Ihrer“ Arbeitswelt und Branche(n), statt Statistik-Prognosen des Arbeitsmarktes. Halten Sie sich fit für branchenübergreifende inhaltliche Entwicklungen unserer Arbeitswelt. Informieren Sie sich wie zum Beispiel hier aktuell bei XING spielraum darüber, wie die Arbeitswelt sich gesamt verändern wird. Stellen Sie sich zum Beispiel darauf ein, dass sich auch Ihr Arbeitsfeld möglicherweise (noch) stärker digitalisieren oder gar internationalisieren wird. Stetiges Lernen und Weiterbildung in fachlichen und kulturellen Kompetenzen wird für uns alle mehr und mehr dazugehören in der Arbeitswelt der Zukunft.
  3. Kaffeetrinken! Informieren Sie sich regelmäßig aus verschiedenen Quellen über Entwicklungen Ihres persönlichen Arbeitsfeldes. Reden Sie mit Kollegen und Mitbewerbern, vielleicht per Systematisch Kaffeetrinken? Beobachten Sie die Trends Ihrer Branche!
  4. Achtung! Lassen Sie sich nicht durch pauschale Fachkräftemangel-Rufe aus der Wirtschaft verrückt machen! Die Folgen des demografischen Wandels und die damit verbundenen günstigen Bedingungen erreichen gerade Sie vielleicht gar nicht.
  5. Aufpassen und Ruhe bewahren! Misstrauen Sie aktuellen Statements zu Trends am Arbeitsmarkt. Gerade mal herrscht grandioser Mangel an Ingenieurberufen. Oder doch nicht? Gesundheitsberufe garantieren eine tolle Karriere? Wirklich alle? Was geschieht, wenn die Automobilindustrie einbricht? Wenn die chinesische Wirtschaft mal wegbricht? Verfolgen Sie Ihre persönlichen beruflichen Ziele und geben nicht zu viel auf aktuelle Prognosen. Diese könnten morgen schon wieder überholt sein.

Hoffen Sie nicht auf den Fachkräftemangel und die damit verbundenen Verbesserungen Ihrer Arbeitswelt. Warten Sie auch nicht ab, ob und die Digitalisierung Ihre Arbeitswelt verändert.

  • Forschen Sie selbst.
  • Mischen Sie sich ein.
  • Jetzt!
  • Hier!

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

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Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst Geschäftsführer @LVQ_Bildung. Bloggt über die Arbeitswelt, Social Media und allerlei Digitalkram.

9 Kommentare

  1. Lieber Lars, vielen Dank für diesen echt klasse Artikel! Eine tolle Zusammenfassung verschiedener Quellen und Meinungen und die sehr guten Ratschläge „keine Panik“ und „selber forschen“. Genau darum muss es gehen. Jeder von uns ist selbst verantwortlich und sollte wach sein für das, was passiert!
    Herzlichen Gruß,
    Henrik

    Antworten
    • Danke. Passt ja auch zu Deiner aktuellen Ansage, dass Recruiter die Bewerber ernst nehmen sollten. Ach stimmt, war da nicht was mit „Candidate Experience“?

      Antworten
  2. Volker Davids

    25/02/2015 @ 13:52

    Hallo Lars!
    Toller Artikel. Agieren statt reagieren. Wer die Märkte und die Entwicklungen im Auge behält und die richtigen Schlüsse daraus zieht, ist in meinen Augen gut für die Zukunft aufgestellt. Bewerber/Arbeitnehmer und Unternehmen. Zudem ein nachhaltiges Netzwerk und vor allem KEINE PANIK 😉 Sehr schön!
    Viele Grüße,
    Volker

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  4. Hallo,
    häufig wird man mit Horror-Szenarien konfrontiert. Auch der Fachkräftemangel schlägt in diese Kerbe. Man sollte jedoch wirklich abwarten, was die Zeit bringt und nicht jedem Trend hinterher laufen.
    Keine Panik bringt es auf den Punkt.
    Gruß
    Christian

    Antworten
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