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Per Netzwerk zum Job – Kaffee mit Ute Blindert. #Buchtipp

UB_AusschnittUte Blindert ist Gründerin, Unternehmerin, Verlegerin, Betreiberin von zwei erfolgreichen Karriereportalen zukx.de und businessladys.de. Außerdem ist sie unter anderem engagiert bei den Digital Media Women und den Karriereexperten. Seit kurzem ist sie auch noch unter die Buchautoren gegangen. Ich traf sie kürzlich auf einen virtuellen Kaffee und nutzte die Chance zu einem kurzen Gespräch.

Lars Hahn: Hallo, Ute, Du bist Karriereexpertin mit einem starken Fokus auf Berufsstarter sowie junge Fach- und Führungskräfte. Also kennst Du Dich aus mit der sogenannten Generation Y? Was macht sie aus Deiner Sicht aus?

Ute Blindert: Meine Wahrnehmung der so genannten Generation Y ist ja ziemlich uneinheitlich, aber das ist ja oft so bei diesen Einteilungen. Ich erlebe sie teilweise so wie beschrieben, also als Digital Natives, als freizeit- und familienorientiert, gleichzeitig aber auch als sehr verunsichert.

GenerationY – gut ausgebildet und teilweise verunsichert

Die heute 20- bis 30-Jährigen haben von Anfang eingebläut bekommen: Macht schnell, beeilt euch, Turbo-Abi, zügiges Studium. Und dann sind sie so jung und erhalten nicht immer ermutigendes Feedback von Arbeitgeberseite auf ihr Engagement. Also, kurz gesagt: Ich erlebe sie als durchaus heterogen, teilweise verunsichert – und ganz oft aus meiner Sicht als Karriereexpertin als sehr gut ausgebildet, da viele neben dem Studium noch Auslandsaufenthalte, Praktika und Berufserfahrung mitbringen.

Lars Hahn: Hochschulabsolventen steigen oft begeistert in die Jobsuche ein und werden schnell ernüchtert. Woran liegt das?

Ute Blindert: Das kann natürlich viele Gründe haben. Wir müssen unterscheiden zwischen den gesuchten Fachrichtungen wie Technik, Informatik, Naturwissenschaften. Bei denen stehen die Jobchancen in der Regel ja gut. Meistens klappt es da auch ziemlich schnell mit dem Job. Geisteswissenschaftler und BWLer ohne Schwerpunkt haben es da deutlich schwerer. Die wenigen ausgeschriebenen Stellen sind da einfach heiß begehrt – und wer sich gegen 100 oder mehr andere Kandidaten durchsetzen muss, kann sich schon auf die Schulter klopfen, wenn er zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird.

Absolventen: Bewerbung nur bei den Großen

Manchmal liegt es auch daran, dass Absolventen nur nach den großen Unternehmen schauen und sich bei Konzernen auf Traineeprogramme bewerben. Das sind aber die richtig begehrten Stellen! Ein Beispiel: 3.000 Bewerbungen auf zwölf Stellen im Traineeprogramm eines großen Markenartiklers. No chance! Mein Tipp: Viel mehr im Mittelstand und bei kleineren Unternehmen nach Jobs suchen.

Lars Hahn: Du berätst gerne Ingenieure, hast Du mir mal verraten. Wieso?

Ute Blindert: Ich finde die so handfest! Die haben oft einen sehr direkten Zugang und verstehen klare Ansagen. Außerdem interessiert mich Technik sehr und hier bekomme ich zumindest am Rand einiges mit.

Lars Hahn: Selbst bist Du aber Islamwissenschaftlerin? Wie wird man so was? Und wie kann man damit beruflich erfolgreich werden?

Ute Blindert: Ja, ich habe tatsächlich Islamwissenschaft, Soziologie und Geschichte an der Universität zu Köln studiert. Das Studium hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil es meinen Wissenshunger gestillt hat. Und wer einmal Arabisch gelernt hat, weiß, was Arbeiten heißt;-)

Das Studium war eine wichtige Zeit und ich möchte sie nicht missen, aber erfolgreich gemacht haben mich eher andere Sachen, die ich neben dem Studium gemacht habe. Ich habe mich schon immer im Bereich Beruf und Karriere engagiert und auch publizistisch gearbeitet. Da ich ja immer gern auf Leute zugehe, bin ich so auf zu meinem ersten Job in einem Verlag gekommen. Erfolgreich gemacht hat mich dann allerdings erst mein eigenes Unternehmen, das ich dann so ausgestalten konnte, wie es meinen Vorstellungen entspricht.

Traumjob finden bedeutet Arbeit

Mir ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass ich mit meinem Team in den Karriereportalen die Fragen und Wünsche von Jobsuchenden wirklich aufgreife und ihnen die Tipps und Informationen liefere, die sie wirklich in den Job bei ihrem Traumarbeitgeber bringen.

Lars Hahn: In Deinem aktuellen Buch „Per Netzwerk zum Job“ schreibst Du: „Per Netzwerk kann jeder einen Traumjob finden und einen tollen Berufsstart hinlegen.“ Ist das nicht ein wenig zu einfach?

Ute Blindert: Es hat ja niemand gesagt, dass das einfach ist! Seinen Traumjob zu finden bedeutet Arbeit, dafür ist der Lohn umso toller! Ich plädiere dafür, mehrgleisig zu fahren. Auf der einen Seite durchaus klassisch Stellenangebote zu durchforsten und Bewerbungen zu schicken. Diese allerdings ausgewählt und wirklich auf den Leser, also den Recruiter auf der andere Seite des Schreibtisches, zugeschnitten. Wie das geht, findet sich am Anfang meines Buchs – man kann es also auch als Bewerbungsratgeber benutzen.

Auf der anderen Seite sollte man bereits während des Studiums anzufangen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, sichtbar zu werden, sich auf Messen vorzustellen, um dann ganz konkret um eine Empfehlung, einen Jobtipp oder auch um eine Stelle bitten zu können. Auch hier klappt es nicht bei jeder Anfrage. Aber wer fünf Mal fragt, wird mindestens eine Antwort bekommen, die ihn weiterbringt. Das zeigen auch die Beispiele in meinem Buch: Alle haben durch ihre Fragen und ihr Dranbleiben letztendlich ihre Traumjobs gefunden. Ein schönes Beispiel ist Anna Naumann, die heute Community Marketing Managerin bei der Bilder-Plattform Pinterest ist.

Lars Hahn: Dein Buch ist kein Bewerbungsratgeber, sondern …?

Ute Blindert: Ein Ratgeber zur Jobsuche und für den weiteren Karriereweg. Mit guten, weil handfesten Bewerbungstipps! Ich bin da wahrscheinlich wie eine Ingenieurin gestrickt: ziemlich direkt – Ah, Problem, nachdenken, tüfteln, bauen, testen, fertig!

Lars Hahn: Bei fast der Hälfte Deines Buches geht es um Online-Profile und Web-Präsenz. Geht Netzwerken heute nicht mehr ohne Internet?

Jobsuche ohne Internet? „Warum sollte es?“

Warum sollte es? Mit dem Buch werden ja Absolventen, also künftige Fach- und Führungskräfte, angesprochen. Meiner Meinung nach verpassen diese viele Möglichkeiten, wenn sie das Internet mit Xing, LinkedIn etc. nicht nutzen.

Lars Hahn: Manche junge Menschen wollen doch gar nicht online präsent sein, hört man? Wie ist Deine Erfahrung?

Ute Blindert: Ja, die gibt es. Das sind aber auch diejenigen, die dann 100 Bewerbungen schreiben und sich beschweren, dass sie keiner einlädt. Letzten Endes muss es jeder selbst für sich entscheiden, aber ich plädiere eher dafür, diese guten Chancen zu nutzen.

Lars Hahn: Viele Hochschulabsolventen sind bei Facebook, Whatsapp, Instagram. Aber XING und LinkedIn haben längst nicht alle auf dem Plan. Lohnen sich diese Netzwerke Deiner Erfahrung nach überhaupt für Studierende und Absolventen?

Ute Blindert: Auf jeden Fall. Das sind einfach die Berufsnetzwerke, auf die man heute nicht mehr verzichten sollte.

Dein Netzwerk: Was für später

Und wer sich hier ein Netzwerk aufbaut, wenn man es (noch) nicht braucht, kann dann darauf zurückgreifen, wenn man dann eben doch Unterstützung braucht. Das ist übrigens auch ein dringender Appell an Menschen, die fest im Job stehen und denken: „Ach, ich brauche das nicht – ich habe hier einen super Job!“ Heute ist kein Job auf Dauer sicher – man muss sich nur mal in der Medienbranche umschauen oder in großen Konzernen, in denen auch alle paar Jahre alles neu sortiert wird. Wer sich erst sein Netzwerk aufbauen muss, wenn es den Job nicht mehr gibt… schwierig.

Lars Hahn: Mal ehrlich: Junge Menschen lesen doch keine Bücher mehr, oder? Gibt’s Deine Tipps auch als ebook oder zum Download?

Ute Blindert: Na, ich hoffe doch, dass das ein Gerücht ist;-) Klar, das Buch gibt es auch als eBook! Das tolle ist aber: Wer sich das Buch aus Papier kauft, bekommt automatisch das eBook mit dazu und kann am Webinar zum Buch teilnehmen!

Lars Hahn: Du gibst in Deinem Buch viele Tipps fürs Netzwerken, für die Jobsuche. Abschließend mal ganz unter uns: Gibt es einen absoluten Topp-Geheimtipp, den Du Jobstartern für die Jobsuche geben kannst?

Ute Blindert: Einfach machen!

Lars Hahn: Danke Ute, für das tolle Gespräch.


Disclaimer: Ute Blindert und Lars Hahn sind seit mehr als vier Jahren geschäftlich befreundet und arbeiteten bei verschiedenen Projekten zusammen. Das Buch wurde vorab von der Autorin zur Verfügung gestellt.

Bildnachweis: © Christine Sommerfeldt, Ute Blindert.

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst Geschäftsführer @LVQ_Bildung. Bloggt über die Arbeitswelt, Social Media und allerlei Digitalkram.

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