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U-Turn! Ändern von Gewohnheiten um 180 Grad! TUN Teil 4 #Blogparade

Mut zum Tun und Loslassen
... Gewohnheiten aufzugeben erfordert oft Mut und nicht Panik.

350 Bewerbungen hatte er geschrieben und nur 10 Gespräche bekommen. Und die waren alle fies. Dabei hatte er bereits von einem Jahr Systematisch Kaffeetrinken als Weg der Jobsuche kennen gelernt. Ein bisschen bei XING versucht, ein paar Kontakte angerufen. Ansonsten: Jede Woche fünf Bewerbungen. Mindestens. Und in der Regel noch nicht mal Antworten. Wie er sich fühle: „Durch“.

Warum er die Tipps zu Netzwerken und verdecktem Stellenmarkt beackern nicht umgesetzt habe? „Das war so anders, als das, was ich kenne. Das ging irgendwie nicht.“

Dinge im Leben ändern, gewohnte Pfade verlassen, (schlechte) Gewohnheiten ändern. Nachhaltig. Konsequent. Mit Nachdruck.

Das ist wohl gar nicht so einfach.

Ändern von Gewohnheiten: Aufhören anfangen geht nicht.

Kenn ich übrigens auch: Ich habe mal geraucht, vor langer Zeit. Stark und viel. Und häufig aufgehört. Und wieder angefangen. Und aufgehört. Und angefangen. Und so weiter.

Die Geschichte mit dem übermäßigen Süßigkeitenkonsum geht schon so über Jahre, aber das gehört eigentlich grad gar nicht hier her.

Die schlechtesten Tipps für das Ändern von Gewohnheiten:

  • Fangen Sie doch einfach morgen damit an (oder am nächsten Jahreswechsel).
  • Machen Sie nur kleine Schritte. Muten Sie sich nicht zu viel zu.
  • Lassen Sie doch erst mal nur gewisse Dinge sein (Schokolade sein lassen, Gummibärchen sind erlaubt).

Solche Tipps gehen überhaupt nicht! Halbheiten nützen gar nichts. Dann ist der Weg zu den alten Gewohnheiten einfach zu kurz. Und – schwuppdiwupp – alles ist beim alten.

Gewohnheiten wirklich aufgeben: 180-Wende und loslassen

Meine Erfahrung mit dem erfolgreichen Ändern von Gewohnheiten – bei mir selbst und Klienten und Kunden – führte zu folgenden Erkenntnissen:

  1. Wenn Sie Ihre Gewohnheit wirklich ändern wollen – ich meine wirklich, wirklich, wirklich – dann geht das nur über eine vollkommene 180 Grad-Wende (nein, nicht 360 Grad, wie ein Freund kürzlich versehentlich meinte).
  2. Wenn Sie in die falsche Richtung fahren, nützt es nichts, wenn Sie nur die Fahrspur wechseln, dann müssen Sie umdrehen.
  3. U-Turn! Und dann wirklich volles Rohr in die andere Richtung fahren! Und nicht umdrehen (denken Sie an Lots Frau)!

Um die beiden Beispiele zu bemühen:

  • Bewerbungen schreiben komplett sein lassen, stattdessen nur noch Kaffee trinken gehen mit Menschen, die mir helfen könnten (natürlich systematisch).
  • Süßigkeitenabstinenz. Stattdessen Früchte und Sport. Aber so richtig!

TUN und gleichzeitig loslassen!

Ideal funktioniert das Aufgeben von Gewohnheiten übrigens mit einer Mischung aus TUN und Loslassen. Aus Handeln und Gottvertrauen. Aus disziplinierten und beabsichtigten Aktionen und gleichzeitiger Erwartungslosigkeit. Mut, Gelassenheit und Weisheit. Zielstrebiges Handeln ganz ohne Ego gewissermaßen, was zugegeben das schwierigste am Ändern von Gewohnheiten ist.

Und vielleicht ist das so ähnlich wie bei Arthur Dent und Ford Prefect im Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“. Bekannterweise gibt es nämlich im Universum tatsächlich die Möglichkeit als Person zu fliegen. Die Problematik besteht dabei darin, die Absicht zu vergessen, was dann beim „Anhalter“ so klingt:

"Es ist eine Kunst, sagt er, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, daß man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben. Such dir einen schönen Tag aus, schlägt er vor, und probier's.

Der erste Teil ist ganz leicht. Er erfordert nichts weiter als schlicht die Fähigkeit, sich mit dem ganzen Gewicht nach vorn zu werfen, und den festen Willen, sich nichts daraus zu machen, daß es wehtut. Das heißt, es wird wehtun, wenn es einem nicht gelingt, den Boden zu verfehlen. Den meisten Leuten gelingt es nicht, ihn zu verfehlen, und wenn sie es dann erst recht versuchen, besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß es ihnen mit ziemlicher Wucht nicht gelingt, ihn zu verfehlen.

Zweifellos ist es dieser zweite Teil, nämlich das Verfehlen, der Schwierigkeiten bereitet. Das eine Problem ist, daß man den Boden zufällig verfehlen muß. Es hat keinen Zweck, sich bewußt vorzunehmen, den Boden zu verfehlen, denn das schafft man nicht. Man muß sich plötzlich von irgendwas ablenken lassen, wenn man auf halbem Wege ist, so daß man nicht mehr über das Fallen nachdenkt oder über den Boden oder darüber, wie weh es tun wird, wenn es einem nicht gelingt, ihn zu verfehlen."

Genauso ist es mit dem Ändern von Gewohnheiten. Sie müssen es nur Tun und dann die Absicht vergessen.

So einfach ist das.

Oder doch nicht?

Dieser Text ist ein Beitrag zur „Blogparade – den Arsch hoch kriegen und Gewohnheiten verändern“ von Gabi Golling, die noch bis zum 09.09. geht.

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken' und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der "LVQ Weiterbildung gGmbH" beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

13 Gedanken zu „U-Turn! Ändern von Gewohnheiten um 180 Grad! TUN Teil 4 #Blogparade

  1. Roland Kopp.Wichmann

    Ja, schreibt sich leicht: "Genauso ist es mit dem Ändern von Gewohnheiten. Sie müssen es nur Tun."
    Entschlossene Typen schaffen das auch meistens. Nicht immer.
    Die meisten fangen aber nicht an. Auch nicht mit kleinen Schritten.

    Warum das so ist - und wie man das ändert - schreibe ich in meinem Beitrag zu dieser Blogparade. Kommt am 9.9.15.

    Antworten
    1. Lars Hahn

      Da bin ich gespannt!
      Ich glaube aber, dass (fast) jeder etwas ändern könnte, wenn er statt einer Strategie der kleinen Schritte wirklich einen U-Turn einlegen täte. Eben 180 Grad.

      Antworten
  2. Bastian

    Hi Lars,

    für mich selbst passt der 3. Punkt wie die Faust aufs Auge. Allerdings gibt's sicher auch Menschen, für die ein kalter Gewohnheitsentzug ziemlich stressig werden kann.

    Neulich habe ich vom "Konzept" des Nettoprofits gehört. Wenn man z.B. sich gesünder ernähren will, versucht man nicht alles ungesunde zu meiden, sondern nur etwas weniger ungesundes zu sich zu nehmen. So, dass man bei jeder Mahlzeit im Vergleich zur sonst üblichen Zusammensetzung einen Nettoprofit hat. Ob das was bringt? Keine Ahnung :-).

    Danke dir für den knackigen Artikel, hat mir gut gefallen.

    LG
    Bastian

    Antworten
  3. Pingback: Blogparade - den Arsch hochkriegen | Arsch hoch, Prinzessin!

  4. Gabi Golling

    Lieber Lars,
    vielen Dank für Deine klaren Worte.
    "Etwas weniger" hat bei mir zum Thema Essen und Rauchen auch nicht funktioniert.
    Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass so ein U-Turn doch viele ängstigt. Oder man fällt wieder in alte Muster zurück und gibt dann frustiert auf.
    Deswegen ist es ja schön, viele Perspektiven im Rahmen einer Blogparade zu sammeln - und jede/r kann sich was rauspicken, das passt.
    Herzliche Grüße, Gabi

    Antworten
  5. Dorothea Mueth

    Lieber Lars, ich muss dir sagen: Ich lese ja nun schon seit einiger Zeit so einige Karriereblogs - aber du schreibst echt besonders gut! :-) Packend, knackig, geradezu schmissig und so lebendig, dass - glaube ich - nicht nur, wer dich kennt, dich leibhaftig vor sich argumentieren sieht.
    Und was das Festhalten von Gewohnheiten angeht, spielt m. E. auch Angst eine große Rolle - Angst etwas Vertrautes, Geborgenheit Spendendes zu verlieren und Angst vor dem Vakuum, das entsteht. Um die anzunehmen und zu überwinden, kann ein Vorgehen in einzelnen kleineren, besser: achtsamen, Schritten schon helfen. Der U-Turn kann eine weitere oder engere Kurve nehmen... und Gewohnheiten sind ja vielfältig verankert. So zeigen zB Alkoholismus-Studien, dass kontrolliert und gemeinsam zelebrierter Genuss langfristig eher vor dem Rückfall bewahrt als ein "nie mehr".
    Radikal ist freilich die innere Entscheidung, die am Anfang einer äusserlichen Selbst-Veränderung steht. Und wenn du der treu bist, spürst du auch, ob du dich mit einem Gummibärchen selbst bescheisst oder nicht ;-)
    Herzlichen Gruß! Dorothea

    Antworten
    1. Lars Hahn

      Danke Dir.
      Möglicherweise ist das auch ne Typfrage, ob das mit kontrolliertem Genuss funktioniert. Ich hab für mich festgestellt, dass die U-Turn-Variante besser funktioniert.

      Antworten
  6. Pingback: Arbeiten 4.0 verändert die Welt (1): Agiles Entscheiden - Systematisch KaffeetrinkenSystematisch Kaffeetrinken

  7. Jan

    Hallo :)
    Keine halben Sachen zu machen, scheint mir auch der beste Weg zu sein. Der U-turn veranschaulich das ganz gut. Das Problem ist ja auch, dass der Mensch dazu neigt, sich selbst zu betrügen wenn er sich die Möglichkeit dazu gibt. Man kennt das ja von sich selbst. Ich habe damals auch öfters mit dem Rauchen aufgehört. Erst als ich keine Ausnahmen mehr zugeleassen habe, wurde es das letzte Mal.
    Naja und wenn man sich den U-turn nicht zutraut und vorsichtshalber erstmal langsam anfangen will, dann ist man vermutlich noch gar nicht bereit sich zu ändern und würde sowieso betrügen wo es nur geht. In dem Fall sollte man doch lieber gleich alles beim Alten lassen. Das wäre auch besser für's Selbstbewusstsein.

    Antworten
  8. Pingback: Krisen & Niederlagen: Lassen Sie es EINFACH sein! #TUN Teil 5 - Systematisch KaffeetrinkenSystematisch Kaffeetrinken

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