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Bildung in Deutschland? Digitalisierung Fehlanzeige! #Bildungsbericht

Bildung in Deutschland Fail
... Bildung in Deutschland. Eher nicht digital.

Bildung in Deutschland 2016?

Digitalisierung fehlt!

„Bildung in Deutschland“. Unter diesem griffigen Titel wurde gerade der Bildungsbericht Deutschland 2016 vorgestellt. Immerhin präsentiert durch die Kultusministerkonferenz (KMK), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF).

Alle zwei Jahre geben diese Institutionen einen umfassenden Nationalen Bildungsbericht raus, seit 2006. Neben einer ausführlichen allgemeinen Betrachtung hatte jeder Bildungsbericht jeweils ein Schwerpunktthema: In den vergangen Jahren waren es die Themen Migration, Übergänge im Bildungssystem, Demografischer Wandel, Kulturelle Bildung, Menschen mit Behinderungen und jetzt wieder Migration.

Zugegeben: Das sind alles sehr wichtige Themen im Bildungsbereich.

Bildung in Deutschland und Digitalisierung? Fehlanzeige!

Mir fällt allerdings sofort auf: Das Thema „Digitalisierung“ fehlt. Seit 2006 gibt es den Nationalen Bildungsbericht in dieser Form. Zehn Jahre, in denen Gesellschaft, Freizeit, Arbeitswelt, Alltag durchdrungen worden sind mit digitalen Inhalten, Verfahren, Abläufen, Gadgets. In der allenthalben von digitalem Wandel, Industrie 4.0, Arbeiten 4.0 und sogar Bildung 4.0 gesprochen wird.

Und der zentrale Nationale Bildungsbericht "Bildung in Deutschland", den Bundesregierung, Länderregierungen und Forschung zu verantworten haben, hat sich mit dem „Digitalen Wandel“ als Schwerpunktthema noch nie befasst. Schlimmer in den einzelnen Berichten finden sich Stichwörter zum Thema Digitalisierung nur marginal. Auch Version 6 von „Bildung in Deutschland“ enthält nichts davon!

Rumms!

Digitaler Wandel allenthalben

Dabei wandelt sich unsere Lebens- und Arbeitswelt gerade allenthalben rasant durch die Digitalisierung in allen Bereichen:

Kids verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit mit Smartphone, Tablet, Youtube, Snapchat und Instagram. eCommerce, SmartMobility, Industrie 4.0 und digitalisierte Dienstleistung – der Plattformkapitalismus- verwandeln die gesamte Arbeitswelt atemberaubend. Urlaubsbuchung, Einkauf, Banking, Behördengang und Steuererklärung funktionieren heute überwiegend, bisweilen nur noch online.

Viele – Medien, Politiker, Fachleute – sprechen auch von digitaler Revolution. Internationale Wettbewerbsfähigkeit wird häufig als Grund genannt, dass Menschen für die Digitalisierung fit sein sollten. Dabei gibt es noch einen viel wichtigeren: Den mündigen und aktiven Umgang mit digitalen Prozessen, Verfahren, Geräten und Angeboten.

Dass es also gut wäre, die Menschen als mündige Bürger von klein auf für diese digitalisierte Welt fit zu machen, liegt auf der Hand. Was wäre also näher liegender, dies zu einem Schwerpunkt von institutionalisierter Bildung in Deutschland zu machen.

Zukunftsfähigkeit ohne Digitalisierung?

Der Bericht Bildung in Deutschland 2016 befasst sich indessen durchaus mit der Zukunft unserer Arbeitswelt, was auch am Statement der Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka deutlich wird: "Der aktuelle Bildungsbericht zeigt das ungebrochene Interesse der Menschen an mehr, an besserer Bildung. Das ist künftig auch eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Arbeitsleben, ob in der Werkhalle oder im Büro.“

Nur – dass die Zukunft der Arbeitswelt davon abhängen könnte, wie es um die digitale Fitness der Bewohner dieses Landes bestellt ist – davon steht nichts im Bildungsbericht.

Die KMK-Präsidentin Claudia Bogedan macht deutlich, wo der Fokus von Politik und Wissenschaft liegt: "Chancengleichheit ist und bleibt unser zentrales bildungspolitisches Ziel. Jedes Kind, jeder Jugendliche und jeder Erwachsene soll in Deutschland die bestmöglichen Bildungschancen erhalten, unabhängig von kultureller oder sozialer Herkunft oder materiellen Möglichkeiten."

So!

Recht hat sie!

Allerdings gehört zu den bestmöglichen Bildungschancen eben der Umgang mit digitalen Werkzeugen und Angeboten unbedingt dazu. Dass Deutschland in Sachen Digitalisierung in allen Bildungsbereichen Nachholbedarf hat, hat sich mittlerweile nicht nur rumgesprochen sondern wird regelmäßig von Politik, Medien und Fachleuten benannt, zum Beispiel hier, hier und kürzlich noch hier und hier.

Chancengleichheit als Bildungsziel gilt überdies nicht nur für Kinder und Migranten, sondern auch für die vielen Nonliner und digitalen Immigranten, die es überproportional häufig in Deutschland gibt.

Im Bildungbericht "Bildung in Deutschland" wird das Thema Digitalisierung von Lernen und Bildung aber - bewusst oder unbewusst - umgangen, ignoriert oder einfach nur vergessen.

Chancengleichheit geht nur mit digitalen Werkzeugen und Angeboten

Dabei setzen Chancen in der zukünftigen Arbeitswelt oder gar Chancengleichheit eben den mündigen, kreativen Umgang mit komplexen digitalen Werkzeugen und Angeboten voraus. Wieviel Kreativität und Inspiration das auch in einem öffentlichen Schulsystem ermöglichen könnte, ist aktuell eindrucksvoll nachzulesen: „Schulen im Silicon Valley: Der Sternenhimmel ist das Ziel, nicht die Versetzung“.

Ein Lichtblick: Es gibt es neben dem aktuellen Bildungsbericht auch ein Strategiepapier der KMK „Strategie der KMK ‚Bildung in der digitalen Welt‘“. Bildungsexpertin Lisa Rosa warnt bei ihrer ausführlichen kritischen Würdigung dieses Papiers aber vor Euphorie: "Keine Revolution, kein qualitativer Sprung, nur Evolution und Optimierung. ... Mit anderen Worten: Nichts Neues also, außer, dass man nach langen Jahren der Verteufelung jetzt den Fokus eben mehr auf die „Vorteile“ legen muss, damit die Digitalisierung endlich auch in „die Bildung“ kommt. ... Zunehmend hat man den Eindruck des „sie wissen nicht, wovon sie reden“.

Indessen - ein Bildungssystem, das die wirkliche Einbeziehung von digitalen Werkzeugen, Verfahren und Angeboten nicht kann, hat zukünftig schlechte Karten. Bildung, die Zukunftsfähigkeit und Chancengleichheit zum Ziel hat, kann sich um das Thema Digitalisierung nicht herummogeln mit ein paar Alibi-iPads und digitalen Pilotprojekten.

Ein Nationaler Bildungsbericht darf das erst recht nicht, denn er soll "alle 2 Jahre Leistungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen des deutschen Bildungssystems" benennen! Die Herausforderung der Digitalisierung für die Gesellschaft wird jedoch ignoriert. Übrigens ist das seltsamerweise auch im Medienecho zu "Bildung in Deutschland" kaum Thema, zum Beispiel in diesen Berichten zu Bildung in Deutschland: Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, Wirtschaftswoche, Deutschlandfunk.

Bildungsbericht 2018 – Schwerpunktthema Digitalisierung

Darum wünsche ich mir einen Nationalen Bildungsbericht 2018, der sich das Thema Digitale Bildung als Schwerpunktthema vorknöpft. Hier schon mal ein paar Leitfragen für den Bericht:

  • Wie können digitale Werkzeuge und Angebote in Unterrichtskonzepte aller Bildungsformen integriert werden? Wirklich integriert!
  • Wie kann verantwortlicher und kreativer Umgang mit digitalen Angeboten, Verfahren und Werkzeugen gelernt und gelehrt werden?
  • Wie können Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Berufsschulen, Erwachsenenbildungseinrichtungen zu digital und analog erfahrbaren Lernorten gemacht werden?
  • Wie kriegen wir free-wifi in unsere Bildungseinrichtungen?
  • Wer bezahlt das alles?

Wobei: Vielleicht ist ein Tablet pro Schüler/Student/Teilnehmer gar preiswerter als die Unmengen an Schulbüchern? Oder man würde gar „Bring your own device“ erlauben?

Es gäbe noch so viel mehr Fragen zum Thema. Aber es gibt bereits viele Akteure, die Fragen gestellt haben und beginnen, Antworten zu geben zum Thema Digitalisierung und Bildung.

10 Ressourcen zur Digitalen Bildung im Netz

Natürlich ist Bildung 4.0 längst an manchen Stellen auch in Ministerien, Bildungseinrichtungen, Forschung, Medien und Wirtschaft angekommen. Digital nachzulesen zum Beispiel unter "NRW 4.0 - Lernen im digitalen Wandel" oder "open-educational-resources.de".

Ein paar Beispiele aus meiner Timeline vielleicht?

P.S. 2016 war das Schwerpunktthema des Berichts „Bildung in Deutschland“ Migration. Das ist sehr gut so. Hängt doch unsere Zukunft auch davon ab, dass wir unsere Zuwanderer in unsere Gesellschaft integrieren. Bildung ist dazu ein Schlüssel, das weiß also doch nun wirklich jeder. Oder?

 

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der LVQ Weiterbildung gGmbH beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

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2 Gedanken zu „Bildung in Deutschland? Digitalisierung Fehlanzeige! #Bildungsbericht

  1. Pingback: Blogposting 06/25/2016 – Nur mein Standpunkt

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