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Konferenz re:publica? Was die da tun, das ist Arbeit. #rp17

Neues Arbeiten - Love my Job

… Neues Arbeiten auf der re:publica

„Fährst Du dies Jahr auch zur re:publica?“

„Nee, ich muss arbeiten.“

Mindestens zehnmal bin ich diesem Dialog in meinen Timelines begegnet. Die Antwort auf die Frage impliziert, dass der Besuch einer Konferenz, bei der viele klassische Business-Klischees über den Haufen geworfen sind, schon mal per se keine Arbeit sein kann. Müßiggang eher. Urlaub. Oder so.

Dabei wird auf der Konferenz re:publica intensiver gearbeitet, als in vielen Büros und Werkstätten Deutschlands.

Nur anders.

Ich beschreib das mal hier:

re:publica – ein Beispiel für anderes, neues Arbeiten

Bereits seit zehn Jahren und zum elften Mal findet in Berlin die Konferenz re:publica statt, diesmal unter dem Motto „Love out loud“. Gestartet mit ein paar Hundert Bloggern in einer Zeit, als Facebook noch Avantgarde war, ist die rp heute erwachsen geworden. 8.000 Menschen, die irgendwas mit Digitalem und Wissensarbeit machen treffen sich, um über neue Trends, aktuelle gesellschaftliche Themen und zukünftige Herausforderungen zu konferieren. Daimler-Chef Zetsche war genauso schon hier wie Edward Snowden (natürlich nur zugeschaltet).

Ich treibe mich beruflich auf vielen Konferenzen, Tagungen und Messen rum. Systematisch Kaffeetrinken. Und ich behaupte: Die re:publica ist anders. Nennt es NewWork oder nicht: Die rp ist ein Beispiel für ein neues Verständnis von Arbeiten, jenseits der traditionellen Business-Kultur von Krawatte, Präsenzpflicht, Geheimnisschutz, Konkurrenzdenken. Indessen – viele Besucher der rp werden dies als gar nicht so anders wahrnehmen – sie sind es gewohnt.

Neues Arbeiten – Fünf typische Merkmale

„Was macht denn nun dieses andere, neue Arbeiten aus?“ könnten Sie jetzt fragen.

Ich schreib hier mal die Merkmale auf, die für mich auf der re:publica zu hervorstechen. Menschen, die dort waren, bestätigen diese auch.

  1. Auf den ersten Blick fällt auf: Es finden an allen möglichen Orten ungezwungene Gespräche statt. Lässige Menschen mit Kaffee, Bier oder Limo in der Hand und sehr legeren Klamotten sitzen zusammen in Gruppen, bisweilen in Liegestühlen und an Bierbänken.
  2. Überhaupt: Auf der re:publica finden Gespräche statt. Allenthalben. Digital und analog. Und auch das verschwimmt bisweilen. Wer in den Gesprächen zuhört, merkt: Es geht oft um digitale Themen, Geschäftsmodelle, inhaltliche Konzepte.
  3. Das Vortragsprogramm ist ambitioniert. Es geht um fortschrittliche Technologien, innovative Geschäftsmodelle, gesellschaftliche Spannungsfelder, abends gerne mit angewandter Kultur angereichert. Der Bezug zu Digitalem und Kommunikation zieht sich durch wie ein roter Faden. Der Unterschied zu klassischen Konferenzen: Alle machen mit. Die Trennung zwischen Speakern und Publikum ist bisweilen aufgehoben. Per Diskussion und Live-Twitter wird das geschehen höchst interaktiv.
  4. Für mich ist die rp ein gutes Beispiel Co-Working, Co-Laboration, Co-nspiration. Es geht um Miteinander, nicht Gegeneinander. Kolaboration statt Konkurrenz. Das kreative Miteinander-Erarbeiten findet bisweilen im inoffiziellen Rahmenprogramm statt, gerne bei Sushi, Currywurst oder Frühstück. Viele Menschen berichten, dass sie mit konkreten Ideen für ihr Business die re:publica verlassen.
  5. Spätestens auf der #rp lösen sich klassische Vorstellungen von Arbeiten 9 to 5 auf. Gearbeitet wird an verschiedenen Orten, zu ambitionierten Zeiten von morgends bis spät nachts (dafür aber nachmittags mit Schwätzchen und Päuschen, wobei die eben auch zum kreativen Schaffensprozess dazugehören). Wer nach Kennzahlen arbeitet und auf Effizienz programmiert ist, wird hier definitiv auf die Prüfung gestellt. Wer Stechkarten mag, auch.
Neues Arbeiten mit Spass

… #rp17 – es bleibt immer Zeit für ein Selfie

Übrigens: Auch @DerLarsHahn zögerte dies Jahr wieder, die Konferenz re:publica zu besuchen. Zuhause im Office gäbe es ja so viel zu tun. Außerdem sehen Liegestühle und inspirierende Gespräche so verdächtig nach Müßiggang aus. Dabei sind zwei Tage rp – wenn auch erfüllend – anstrengender als jeder „normale“ Arbeitstag.

Aber Nähkästchen: Auf den letzten Konferenzen habe ich mehrere unser heutigen Trainer kennen gelernt. Zwei Konzepte unser heutigen Weiterbildungen sind auf der re:publica entstanden. Und natürlich unzählige Kontakte wurden hier gepflegt und geknüpft („Ach so siehst Du also im realen Leben aus“; Twitterinsider). Es ist Arbeit hier auf der re:publica. Nur anders.

Deswegen bin ich nach einem Intermezzo als #rpHomie auch heuer wieder hier.

Und Ihr?

Spoiler: „Das Ende von Arbeiten 4.0 – und was danach kommen könnte.“

Mein Beitrag zur #rp17: Ein Tweetup zur Zukunft der Arbeit. Was kommt nach Arbeiten 4.0? Wie sieht die Arbeit der Zukunft jenseits von End-Dystopien und Fachkräftemangel-Fabularien aus? Ist es New Work? Arbeiten 8.0? Gute Arbeit? Feel Good? Brave New World? Vielleicht gelingt es uns auf der #rp17 ganz im Geiste von „Love out Loud“ Ideen für ein lebenswertes und liebenswertes Arbeiten zu sammeln, gar einen neuen Begriff dafür zu kreieren. Ich werde berichten.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst Geschäftsführer @LVQ_Bildung. Bloggt über die Arbeitswelt, Social Media und allerlei Digitalkram.

1 Kommentar

  1. Leider lässt die Unternehmenskultur vielerorts das Arbeiten dieser Art gar nicht zu. Sobald zwei Menschen miteinander sprechen, sehen sie nach Freizeit aus. Das dauert, bis sich ein anderes Bild durchgesetzt hat! Ich mache übrigens gerade eine Umfrage um herauszufinden, was Menschen glücklich macht, bei ihrer Arbeit. Vorab kann ich schon verraten: Die freie Wahl des Arbeitsorts ist viel weniger wichtig als die freie Zeiteinteilung. Falls noch jemand mitmachen will: https://www.umfrageonline.com/s/ecf25de

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