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Anno 1996: Mein erstes Webprojekt oder prähistorisches Bloggen

1996. HTML mit GIF. Handarbeit ohne Webdesign.

1996. HTML mit GIF. Handarbeit ohne Webdesign.

 

„Herzlichen Glückwunsch! Wir werden Ihre Webseite als Referenz für innovative Projekte in der Rubrik Bildung auf unsere Hauptseite nehmen“ sagte mir Lycos eines Tages per Mail.

„Ist klar“, dachte ich. Student. Linkliste. Ein wenig Fachsimpelei. So ging das. Als noch wenig los war im Internet.

Niedliche Unbekümmertheit im Web 1.0.

1996 startete ich mein erstes Webprojekt. Mein Werkzeug hieß HTML-Editor. Und das war der dann auch: Ein Editor für HTML-Sprache. Mehr gab’s nicht. Zumindest für mich. Webdesign war

Zukunft.

Facebook war noch Äonen entfernt. Kaum einer kümmerte sich um so weltbewegende Dinge wie Suchmaschinenoptimierung. Wie denn auch? Die wichtigsten Suchmaschinen waren AltaVista und Fireball – Google war noch lange hin.

Mit wenig Aufwand auf der Titelseite

Prähistorisches Bloggen: Mit einer kommentierten Linkliste und ein paar fachlichen Einlassungen zu Themen aus Weiterbildung und Erwachsenenbildung schaffte ich es damals tatsächlich auf die Titelseiten von Lycos.de, Fireball.com und Online-Tip. Wobei ich über letztere definitiv gar nichts mehr im Internet finde. Über den „BildungsCircus“ von Lars Henning auch nicht. Soviel zum Thema Spuren im Web.

Ich beendete mein erstes Webprojekt 2001 – als das erste Internet grad seine tiefe Krise hatte.

Unterm Strich blieben als Ergebnis: Vorträge auf wissenschaftlichen Tagungen über das Webprojekt und drei bis vier Jobangebote. Seinerzeit. Als noch wenig los war.

Die Zeiten haben sich geändert: Lycos.de und Fireball sind komplett in der Bedeutungslosigkeit versunken. Ich firmiere seit 2002 unter dem Namen „Lars Hahn“.

Neue Zeiten: Web 2.0

Irgendwann kamen Google, dann Facebook. Zwischenzeitlich gab es MySpace, StudiVZ und diverse andere Hypes. Das Grundrauschen im Web hat sich beträchtlich erhöht. Wer gehört und gelesen werden will, muss viel tun. Ohne Suchmaschinenoptimierung ist eine Webseite dem digitalen Untergang geweiht.

Auch sonst ist viel passiert: Selbst mein Vater ist online und das Internet ist jetzt 2.0. Alle machen mit. Heute wird nicht mehr nur das Fernsehprogramm im Internet besprochen. Das Internet findet sich sogar in den Abendnachrichten und meine 85 jährige Schwiegermutter zitiert aus Twitter.

Zwischen meinem ersten und zweiten persönlichen Internetprojekt liegen geschlagene zwölf Jahre. In Webzeit umgerechnet sind viele Generationen. Einiges ist völlig anders: Musste ich mich damals mit kryptischen HTML-Codes rumschlagen und mich auf kleine GIF-Bildchen beschränken, macht heute WordPress den Technik-Part mit viel aufwendiger gestaltetem Design. Demnächst gibt’s ein kleines Video, das mehr Speicherplatz fressen wird, als anno 1998 mein ganzer Computer hatte.

Manches hat sich in den letzten Jahren aber nicht geändert. In den letzten Wochen ist mir nämlich noch mal aufgefallen, welche Aspekte mein erstes und mein zweites Internetprojekt gemeinsam haben.

5 Dinge, die für (m)ein Webprojekt wichtig sind – damals und heute

  • Eine gute, gehaltvolle Webseite lebt und entwickelt sich im Lauf der Zeit. Sie wächst und gedeiht.
  • Bis ein brauchbares Ergebnis entsteht, recherchiere ich lang und bastle an meinem Projekt.
  • Ich beziehe andere im Web in mein Webprojekt mit ein und beziehe mich auf andere – garantiert nicht nur wegen der Backlinks.
  • Ich spreche mit Menschen über mein Projekt, dann liest es auch jemand und gibt Rückmeldungen.
  • Wenn ich Wissen teile, dann wird die Seite stärker gelesen. Wenn nicht, dann nicht.

Gerade für die Reputation ist ein eigenes Webprojekt heute um ein vielfaches wichtiger, als noch 15 Jahren. Besonders Menschen, die sich als Freiberufler oder Jobsuchende beruflich positionieren wollen, empfehle ich: „Nutzen Sie Ihr persönliches Thema und schreiben einen Beiträge, am besten einen eigenen Blog. Ersatzweise publizieren Sie Ihr Thema in sozialen Netzwerken, z.B. durch Beiträge in XING-Themen.“

Für diesen Artikel kramte ich mir die alten Dateien des „BildungsCircus“ noch einmal heraus. Gestalterisch war das Ganze eher – wie soll ich sagen… Süß! Das wichtigste war damals natürlich der Counter, durch den alle Besucher sofort erkennen konnten: Diese Seite wird gelesen! Er funktioniert nicht mehr. Der Dienst ist abgeschaltet. Google Analytics tut bessere Dienste.

Sentimentalität stellt sich ein. Ein wenig ist es, als ginge man durch ein altes verlassenes lange leerstehendes Haus und kramt in alten Dingen. Erinnerungen aus den Anfangszeiten des World Wide Web. Wer kennt die noch?

UPDATE: Mit diesem Artikel nehme ich einfach mal unorthodoxerweise an der Blogparade „Es war einmal… meine erste Webseite“ von ikiru.de teil. Der Text passt einfach zu gut.

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der LVQ Weiterbildung gGmbH beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

5 Kommentare

  1. Christian Spließ

    05/04/2013 @ 15:38

    Wie fasste das Frank Tentler mal so schön bei einem stARt-Camp zusammen: „Finde deine eigene Katze und blogge drüber.“ – #Thema und #Content und #persönlich. 🙂
    Ad Astra

    Antworten
    • Personality ist also meine Katze? Könnte was dran sein. 🙂
      Wobei: es geht ja auch stets um das Netzwerken, zumindest indirekt. Systematisch Kaffeetrinken quasi.

      Antworten
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