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Zukunft der Arbeit? Gegenwartomat!

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… Zukunft der Arbeit oder doch Gegenwartomat?

Futuromat!

Das Thema der „Zukunft der Arbeit“ ist jetzt also im Mainstream angekommen. Die ARD widmet aktuell ihre Themenwoche unserer Arbeitswelt und deren Futur (lateinisch für Zukunft).

Digitalcamp, Magazine, Wissenschaftssendungen, Themenportale – selbst in Komödien und Tatort wimet sich das Erste der „Zukunft der Arbeit“. Das beschert dem Thema Publicity und ist erstmal lobenswert – werden so im Fernsehen mal andere Berufe gezeigt, als Pfarrer, Detektive, Models und Talkmaster.

Futuromat? Gegenwartomat?

Besondere Aufmerksamkeit erfährt gerade der Job-Futuromat. Immerhin eine Kooperation der ARD mit Bundesagentur für Arbeit und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Zukunft der Arbeit – seriös, wissenschaftlich untermauert. Könnte man meinen.

Mit dem Futuromat-Tool können Sie testen, welche Rationalisierungsmöglichkeiten durch „Roboter“ Ihr persönlicher Beruf hat. Unter der Frage „Kann ein Roboter meinen Job machen?“ können Sie Ihren aktuellen Jobtitel eingeben und erhalten das individuelle Ergebnis in Prozent.

Der Titel „Job-Futuromat“ lässt darauf schließen, dass es hier um das Futur, also die Zukunft der Arbeit ginge. Futuromat gleich Zukunftomat?

Klasse! Da könnte ich ja erfahren, wie sicher meine Arbeitsstelle trotz Digitalisierung in Zukunft sein wird!? Meinen Sie?

Zukunft der Arbeit: Futuromat im Selbstversuch

Im Selbstversuch habe ich den Futuromat ausprobiert. War ich doch in meinem abwechslungsreichen Berufsleben unter anderem schon Fahrlehrer und Dozent in der Erwachsenenbildung. Jetzt würde ich gerne wissen, wie es um das Futur, also die Zukunft der Arbeit für diese zwei Berufe bestellt ist:

Beispiel Fahrlehrer

Ergebnis Futuromat: „Fahrlehrer/in – 0 % der Tätigkeiten in diesem Beruf könnten schon heute Maschinen übernehmen.“ Und wenn es wirklich um die Zukunft der Arbeit des Fahrlehrers ginge, Futuromat? Demografischer Wandel, automatisiertes Fahren und vernetzte Verkehrssysteme werden zumindest dafür sorgen, dass weniger Fahrlehrer gebraucht werden. Nebenbei könnte der theoretische Unterricht schon jetzt (teil-) automatisiert laufen.

Beispiel Dozent Erwachsenenbildung

Ergebnis Futuromat: „Dozent/in – Erwachsenenbildung – 0 % der Tätigkeiten in diesem Beruf könnten schon heute Maschinen übernehmen.“ Bereits in der Gegenwart fragwürdig: Der Bereich der öffentlich finanzierten beruflichen Weiterbildung wird heute bereits in großen Teilen durch Weblernen, virtuelle Lernsysteme und ähnliches dominiert. Digitalisierung führt so zu weniger Bedarf an Trainern, die von einem Platz viele Unterrichtsräume gleichzeitig „bespielen“.

Schon diese Beispiele zeigen: Wenn ich für meinen Job die Zukunft der Arbeit erforschen will, kann der Futuromat kaum helfen. Denn weder technologische Entwicklungen, noch gesellschaftliche Tendenzen berücksichtigt der Futuromat bei seiner Auswertung. Die Wirkungen von Innovationen und technologische Entwicklungen der Zukunft fehlen ganz. Gerade bei Jobs in Verkehr, Industrie und Logistik kommt da demnächst einiges an 4.0-Sachen, die auch die Arbeitswelt in diesen Feldern gehörig durcheinander bringen werden.

Beim Futuromat-Tool hingegen geht allein um die Frage, welche Tätigkeiten eines Jobs, die das IAB dem jeweiligen Beruf zugeordnet hat, schon heute von einem Roboter erledigt werden könnten. Fazit unter anderem: Je spezialisierter die Ausbildung und Qualifikation, desto weniger rationalisierbar.

Aussagekraft für Sie? Eher beschränkt.

Denn heute wird Ihr Job ja noch von Ihnen gemacht oder?

Vorhersagen über die Zukunft der Arbeit per Gegenwartomat?

In den vielen Medien taucht der Futuromat allerdings sehr wohl als „Hellseher“ für die Zukunft der Arbeit auf.

Beispiele? So beschreibt die Münchner Abendzeitung den Job-Futuromaten als Tool „mit dem Nutzer überprüfen können, ob ihr Job bald von einem Roboter übernommen werden könnte“. Auch t3n schreibt „Ob und wie stark auch dein Job von einem Roboter bedroht ist, zeigt dir eine Website“ nämlich der Futuromat. Bei XING spielraum fragen sie: „Test: Ist Ihr Job vor den Maschinen sicher?“.
Und die tagesschau selbst titelt: „Schon heute dämpft die Digitalisierung der Arbeit den positiven Beschäftigungstrend in Deutschland. Das ergeben ARD-Analysen mit exklusiven Daten der Bundesagentur für Arbeit“ (Hervorhebungen jeweils von mir).

Bald. Bedrohung. Trend: Zukunft.

Es wird suggeriert, der Futuromat prognostiere die Zukunftsaussichten von Berufen just durch Eingabe eines Jobtitels. Vielleicht gar von den Urhebern der Daten und des Tools beabsichtigt?

Pronose, Hochrechnung, Vorhersage der Zukunft der Arbeit. Das tut der Job-Futuromat trotz seines recht eindeutigen Names aber eben nicht. Lesen können Sie das auch im Kleingedruckten: „Finden Sie heraus, welche Tätigkeiten Ihres Berufes heute schon eine Maschine erledigen kann – und welche nur ein Mensch.“ Also eher:

Gegenwartomat statt Futuromat.

Tipp: Trendschnüffeln für Ihre Zukunft für Arbeit

Viele Untersuchungen beschäftigen sich in den letzten Jahren damit, wie sich die Zukunft unserer Arbeitswelt entwickeln wird. Während die einen noch den kollektiven Fachkräftemangel ausrufen, beschwören andere aufgrund von Digitalisierung und Automatisierung das Ende der Arbeit. Eine vielzitierte Studie der ING-Diba geht von einer Gefährdung von 59 Prozent aller Stellen durch Digitalisierung aus. Die Schöpfer des Futuromat nur von 17 Prozent. Und aus dem Off tönt immer noch eine Stimme: „6 Millionen Fachkräfte werden 2025 fehlen.“

Ich sagte kürzlich „Weder – noch“ zu diesen polarisierenden Szenarien.

Wenn Sie wirklich wissen möchten, wie es um Ihre berufliche Zukunft bestellt sein wird, hier mein Tipp: Betreiben Sie doch berufliches Trendschnüffeln!

  • Vertrauen Sie lieber keinen One-Click-Tools zur Zukunft der Arbeit.
  • Gehen Sie Forschen und Recherchieren in Ihrem Themenfeld und Ihrer Branche.
  • Lesen Sie Fachinfos im Web und in Print. Besuchen Sie Messen, Fachevents und Netzwerkveranstaltungen.
  • Fragen Sie Menschen Ihres Themengebiets, die sich auskennen und reden mit Ihnen über Zukunftstrends.
  • Mit andere Worten: Gehen Sie Systematisch Kaffeetrinken in Sachen Zukunft der Arbeit!

Und jetzt Sie!

Wie schätzen Sie die Zukunft Ihres Jobs ein?

Wie halten Sie sich beruflich zukunftstauglich?

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst Geschäftsführer @LVQ_Bildung. Bloggt über die Arbeitswelt, Social Media und allerlei Digitalkram.

9 Kommentare

  1. Jede/r in neuen oder neueren Berufen Tätige weiss, wie wenig die etablierten Job-Kategorien zu den eigenen beruflichen Tätigkeiten passen. Das wird in jedem Online-Fragebogen oder beim Besuch einer „zuständigen“ Arbeitsvermittungsstelle erlebt. Es ist ja eigentlich schon eine Realsatire, dass sich Menschen an Online-Maschinchen wenden sollen, damit diese ihnen sagen, sie seien künftig überflüssig. Wo ist der gute „Terminator“, wenn man ihn mal braucht? 😎

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  2. Wieder einmal eine sehr treffende Analyse, Herr Hahn.

    Meinen Beruf, Creative Director, konnte ich nicht mal eingeben. Mir wurde «Art-Direktor/in» vorgeschlagen. Das ist aber etwas völlig Anderes. Eine freie Eingabe der Berufsbezeichnung war nicht möglich.

    Der Job-Futuromat mag einen gewissen Unterhaltungswert haben, praktischen Nährwert hat er nicht.

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  3. Klasse Artikel, Lars. Den „Futuromat“ habe ich gestern auch ausprobiert und war enttäuscht. Nicht nur, dass zum Teil wirklich unsinnige Prozent-Zahlen angezeigt werden (z. B. Social-Media-Manager: 0%), sondern vor allem, weil er sehr an der Oberfläche kratzt bei solch einem komplexen Thema. Er passt für mich aber in die Panik-Mache, die ich oft diese Woche auch in Sendungen in der ARD erlebt habe. Die böse Digitalisierung als Vernichter der Arbeitsplätze. Insgesamt wird m.E. bei „Zukunft der Arbeit“ gerade zu sehr auf das Gestern und Heute geschaut und wir machen uns abgeleitet daraus Sorgen über die Zukunft. Klar, das ist publikumswirksam und sorgt für Quote, aber ich würde mir in dieser Themenwoche noch mehr Offenheit und Neugierde in Sachen Zukunft wünschen.
    LG, Bernd

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    • Genau. Früher war’s Kulturpessimismus. Heute ist es Digitalskepsis. Visionäre hab ich in der Themenwoche bisher auch nicht gesehen.
      Weniger Ideen und Lösungen als Probleme und Zukunftsangst.

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  4. Hallo Lars,

    danke für diese Analyse.

    Aus Spaß an der Freud‘ habe ich „Journalist“ in den Futuromat eingegeben:
    0 % könnten durch Maschinen ersetzt werden.
    Oh weia! Dieser Futuromat kann weder die Zukunft dieser Zunft vorhersagen, noch kennt er die digitale Gegenwart in diesem Bereich.
    Anscheinend haben die Programmierer des Futuromats noch nicht von Texten schreibender Software gehört: Deren Sport- und Polizeiberichte oder Veranstaltungshinweise können Lesern nicht unterscheiden von „händisch“ verfassten Texten realer Journalisten.

    Was bleibt? Dein beschriebenes berufliches Trendschnüffeln ist – derzeit 😉 – valider als der Futuromat. Ergänzend zu deinen Tipps bietet es sich an, ins Silicon Valley zu blicken und zu sehen, was dort im eigenen Berufsumfeld neu gedacht oder digital in Frage gestellt wird.

    LG Manuela

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