Artikelformat

Motor aus! Arbeitsplatz Autobranche? In Zukunft Geschichte.

Deutsche Autobranche Wrong Way

… Deutsche Autobranche? Wrong Way!

Disclaimer: Dieser Beitrag über das baldige Ende der deutschen Autobranche war just für den Tag geplant, als die VW-Abgas-Affäre die Schlagzeilen dominierte. Suboptimales Timing, wo es doch hier um das generelle System-Problem der Branche geht.

Also Achtung: Dieser Beitrag enthält starken Tobak: Der Arbeitsplatz Autobranche wird 2025 in Deutschland nicht mehr nennenswert existieren. Behaupte ich.

Doch erst mal zum Anfang meiner Geschichte:

Mein erstes Handy war 1997 ein Nokia-Handy. Danach hatte ich zwei Siemens-Geräte. Beide waren große Player damals auf dem Weltmarkt der Mobiltelefonie.

2005 durfte ich mit hautnah miterleben, wie das Siemens-Handy-Werk in Kamp-Lintfort geschlossen wurde. Ich hatte die Gelegenheit den funktionierenden Prototyp eines Siemens-Touch-Screen-Handys zu sehen. 2008 schloss Nokia dann die Pforten in Bochum. Die deutschen Handybauer waren damit arbeitslos und durften sich nach anderen Jobs umschauen.

Kurze Zeit später kaufte ich mein erstes iphone. Übrigens – einen Tag nach der legendären iphone-Präsentation von Steve Jobs verkündete Nokia-Sprecher im Spiegel: „Ich bin mir sicher, dass wir der Marktführer bleiben“.

Nokia ist seit 2014 eine Handy-Marke von Microsoft und Siemens baut schon lange keine Handys mehr. Handys bauen heute Apple oder die von Google betriebssystemten Asiaten Samsung, LG, Huawei…

Zukunft der Arbeit? Ohne Auto!

Und jetzt also das Auto?

Im Rahmen der jährlich stattfindenden Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt wurde mal wieder diskutiert, ob denn die deutsche Automobilindustrie den Trend der Zukunft verpennt, wenn sie bei Elektromobilität, autonomen Fahren und integrierten Mobilitätskonzepten hoffnungslos hinterherhinkt.

Ich denke: Die deutsche Autobranche hat nicht den einen Trend verpennt, sondern fast alle: Elektromobilität, schlaue Autos, smarte Verkehrskonzepte – andere sind da immer ein Stückl weiter. Das wird Auswirkungen haben für die Arbeitswelt in Deutschland. Meiner gewagten Einschätzung nach werden dann nämlich spätestens 2025 kaum noch nennenswerte Zahlen von Autos in Deutschland produziert werden. Das wäre in 10 Jahren. Bei DER Leitindustrie Deutschlands. Disruptiv das Ganze! Dann nämlich werden chinesische Fabriken Autos produzieren, abwechselnd für so hippe Marken wie Apple, Google oder wie sie in zehn Jahren auch immer heißen mögen.

Vielleicht gibt es noch den einen oder anderen Zulieferer, der zum Beispiel in Velbert Schließanlagen baut. Möglicherweise werden auch VW, BMW und Co. Hardware-Lieferanten für die wirklichen Player? Vielleicht überleben auch ein paar Luxus-Hersteller für Nostalgiker (wer will schon den Mercedes-Stern sterben sehen?).

Aber das Gros der Autos, die wir 2025 nutzen werden, wird in China und anderswo gebaut werden.

Und diese Autos werden anders sein, als wir uns das heute vorstellen:

  • Autos werden natürlich (teilweise oder ganz) automatisiert fahren.
  • Autos werden natürlich andere Antriebskonzepte haben.
  • Autos werden natürlich sexy, smart und simple sein.
  • Autos werden natürlich integriert sein in ein Verkehrskonzept mit anderen Verkehrsträgern.
  • Autos werden gemietet, geshared, geleast, aber nur noch selten gekauft.

Möglicherweise wird das Auto der Zukunft gar eine Hardware sein, die es zum Smartphone-Vertrag dazu gibt. Oder zum Smart-Mobility-Vertrag gibt’s ein Auto und Handy dazu. Oder so.

Deutsches Auto: Arroganz durch Technik

2015 sieht das aber noch ganz anders aus. So wie Nokia 2007 sich gegenüber dem iPhone sicher wähnte, weil ja die Finnen die besseren Ingenieure hätten, so agieren die Entscheider der deutschen Autoindustrie technikfokussiert und selbstverliebt:

Derweil sind die Kunden schon weiter. Eine aktuelle Infografik zeigt: Speziell in den Boomländern ergo Absatzmärkte Indien und China würde man auch iCar und Google Car kaufen. Und bei den jüngeren umso mehr.

Infografik: Google & Co. als Autobauer?  | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Hinzu kommt, dass man der jungen Generation Y nachsagt, dass bei ihr das Auto als Statussymbol ausgedient habe. Sie würden sich Mobilität wünschen und nicht so sehr Besitztum. Carsharing und andere Mobilitätskonzepte lassen grüßen.

Arbeitsplatz Autobranche? Motor aus!

Geht daher bald der deutschen Autoindustrie der Motor aus? Ich denke: Ja.

Es müsste schon ein abruptes Umdenken der verantwortlichen Manager deutscher Autokonzerne stattfinden, wenn sie es mit den zu erwartenden disruptiven Konzepten von Google, Apple und Co. aufnehmen wollen.

Was bedeutet es für die deutsche Arbeitswelt, wenn es heißt: Arbeitsplatz Autobranche adé?

Im engeren Sinne waren nach Angaben des Verbands der deutschen Automobilindustrie 774.900 Menschen in der Produktion von Autos tätig. Nimmt man angrenzende Industrien und Dienstleister hinzu, dürfte die Zahl weitaus höher sein, auch wenn der Mythos „jeder 7. Arbeitsplatz hängt vom Auto ab“ absurd sein dürfte.

Für die Arbeitswelt würde ein Ende der Produktion von Autos in zehn Jahren erhebliche Veränderungen und Verwerfungen bedeuten. Produktionsmitarbeiter, die immer Autos gebaut haben, müssten qualifiziert werden und für andere Bereiche fit gemacht werden. Die unrühmliche Schließung von Opel in Bochum könnte dafür als Blaupause dienen.

Ganz sicher ist unter dieser Perspektive die Diskussion um den Fachkräfte- und Ingenieurmangel auch noch einmal neu zu beleuchten. Möglicherweise wird man sie in den nächsten Jahren doch nicht alle benötigen, die Ingenieure und die Industriefachkräfte?

Um so wichtiger für jeden einzelnen, sich beruflich fit zu halten und bereit zu sein, für Veränderungen in meiner Branche.

5 Tipps für Menschen, die ihren Arbeitsplatz in der Autobranche haben

In der Zwischenzeit werden am Arbeitsplatz Autobranche weiter Autos gebaut, bis zum Tag X. Dann allerdings wird berufliche Fitness angesagt sein. Die Frage dann wird lauten: Was kann ich mitnehmen in andere Branchen, von dem was ich beruflich erreicht habe. Dafür lohnt es sich, bereits frühzeitig sein berufliches Profil zu stärken. Das sind meine

5 Tipps, die jeder beherzigen kann, dessen Branche vielleicht demnächst ins Schlingern gerät:

  • Stärken Sie Ihre beruflich übertragbare Fähigkeiten. Gerade Kompetenzen im Bereich der Wissensarbeit, die ich habe, die aber in anderen Branchen genauso gebraucht werden, wie zum Beispiel Qualitätsmanagement, Projektmanagement, Führungskompetenzen.
  • Formalisieren Sie entsprechende Erfahrungen und Kompetenzen durch Weiterbildung, wie zum Beispiel mit einem Abschluss zum Qualitätsmanager oder Projektmanager. Zertifikate zu erwerben, kann sich in der Phase des beruflichen Notfalls als Retter erweisen.
  • Sichern Sie Ihre Karriere durch eine Aufstiegsfortbildung. Besonders Führungskräfte, die sich „hochgearbeitet“ haben, sollten überlegen, ihren beruflichen Stand durch berufsbegleitendes Studium, Meister-Schule, IHK-Fortbildung.
  • Forschen Sie, wie sich Ihre konkrete Arbeitswelt in den nächsten Jahren verändern wird und welche Trends es gibt.
  • Sorgen Sie vor: Vernetzen Sie sich bereits jetzt mit Kollegen, Kunden und Lieferanten, nutzen Sie aktiv Netzwerke wie XING und LinkedIn und gehen Sie bezeiten Systematisch Kaffeetrinken.

Hilfreich ist es auf jeden Fall, sich frühzeitig über Möglichkeiten zu informieren und gegebenenfalls beraten zu lassen. Dazu gibt es eine Vielzahl an Karriereberatern und Bildungsanbietern. Ich wüsste da Ansprechpartner. 😉

Blogparade Zukunft der Arbeit

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade „Zukunft der Arbeit“, die der Bitkom KnowTech-Blog gerade veranstaltet #knt15.

Disclaimer: Der Autor wird weder von Google noch Apple gesponsort. Als gelernter Fahrlehrer und Referent für Verkehrsangelegenheiten konnte er zu Beginn seines Berufslebens viele Erfahrungen über das Funktionieren des Autolandes Deutschland sammeln. Sein Eindruck: Seitdem hat sich grundsätzlich nicht viel geändert. Ach, und noch etwas: Dieser Artikel bedeutet keine Kritik an der bestimmt oft genialen Leistung deutscher Ingenieure. Mir geht es um die fatalen strategischen Fehleinschätzungen.

Der Autor: Lars Hahn ist der Entdecker von ‚Systematisch Kaffeetrinken‘ und Social Media Enthusiast. Hier bloggt er persönlich. Als Geschäftsführer der „LVQ Weiterbildung gGmbH“ beschäftigt er sich mit Weiterbildung, Recruiting, Arbeitsmarktthemen, Karriereberatung und Social Media. Lars Hahn ist zu finden bei XING, Google+, Twitter und in vielen anderen sozialen Netzwerken.

Autor: Lars Hahn

Entdecker von 'Systematisch Kaffeetrinken'. Hier persönlich. Sonst CEO @LVQ_Bildung. Bloggt über Recruiting, Karriere, Arbeitsmarkt, Weiterbildung, SocialMedia und vieles.

27 Kommentare

  1. Dieter-Michael Last

    29/09/2015 @ 09:36

    Respekt Herr Hahn, sehr, sehr bedenkenswerte Analyse.

    Ob das wirklich alles so kommt, weiss bekanntlich niemand. Denn Prognosen sind nun mal besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen, wie einer unser hochintelligenten Kicker schon vor vielen Jahren erkannte. Doch das irgendetwas am System «Automobil» nicht stimmt, das muss inzwischen jeder zugeben. Unabhängig vom aktuellen VW-Skandal.

    Die längst absurd gewordene Elektronisierung des Autos lässt es blinken und piepsen, wenn man bitte gefälligst schalten möge, wenn man überholt wird oder wenn der Mitfahrer auf dem Rücksitz nicht angeschnallt ist (dabei sitzt da gar keiner, sondern meine Aktentasche ruht sich dort einfach etwas aus). Doch wenn mal irgendetwas wirklich «nicht richtig tut», dann fährt man in die Werkstatt und die «hochspezialisierten» Spezialisten hängen irgendeine Elektronikkiste an meine Karre und sagen hinterher: Wir können keinen Fehler finden.

    Wer will so etwas? Wer braucht so etwas?

    Technikverliebt wird auf die Erfolge in den drei, vier führenden Sportserien (Rallye > VW, F1 > Mercedes, WEC > Audi, Porsche, WTCC > Citroen) geschielt, aber der «Vorsprung durch Technik», der sich daraus ergibt, ist in Wahrhet reine «Teflon-Rechtfertigung». Mit unserem Strassenverkehr hat das alles nichts zu tun.

    Wer spürt das mehr als ein Pendler (Wegstrecke 110 km) und Vielfahrer? Ich fahre nach wie vor «gerne» Auto, wenn ich selbstbestimmt fahren kann. Vielleicht sehe ich deshalb die Ideen von Google und Apple kritisch. Aber was uns die grossen Automobil-Konzerne (des Westens) seit Jahren vorführen, wie sie die Politik beeinflussen und sich echten Innovationen verweigern, das ist haarsträubend.

    Übrigens, auch innerhalb der Auto-Industrie gibt es radikale Ansätze, um zu neuen Lösungen zu kommen. Denken Sie bitte an Tata und deren Idee vom 1.000-Euro-Auto. Sicher, für nen Tausender werde ich wohl nie einen halbwegs sicheren Wagen erhalten, aber muss ein Mittelklasse-Wagen wirklich mit dem Jahresverdienst eines einfachen Arbeiters bezahlt werden? Nur um die meiste Zeit «Stehzeug» statt «Fahrzeug» zu sein und dabei täglich sichtbar an Wert zu verlieren?

    Vielleicht ist also die Frage der Zukunft nicht autonomes Fahren oder nicht, sondern Besitz oder «Fahren on demand»?

    Antworten
    • Vielen Dank Herr Last für Ihre ausführlichen Gedanken.
      Die Frage des Besitzes wird sicherlich noch spannend werden.

      Die sogenannte Generation Y tut sich jedenfalls nach meiner
      Beobachtung leichter mit dem Carsharen.

      Andere Autos müssen her, das glaube ich auch, und zwar was Antriebe angeht und was Intelligenz angeht. Ich glaub durchaus, dass smarte Autos mehr können. Warum soll denn nicht teilautonomes Fahren funktionieren? Im Stau muss ich doch nicht ständig aufpassen, dass könnte der Computer längst sicherer und besser.

      Und Tata-Mobil? http://iconosquare.com/viewer.php#/detail/621583728629519833_7322052

      Antworten
      • Ich denke schon, dass teilautonomes Fahren funktionieren kann. Und das mit dem Stau ist natürlich auch richtig.

        Aber warum muss ich überhaupt erst in einen Stau fahren? Dafür entsprechende Verkehrsleitsysteme zu entwickeln, empfinde ich als viel logischer als mir im Stau «das Steuer aus der Hand zu nehmen».

        Und «teilautonom» ist auch etwas völlig anderes als «völlig autonom». Letzteres kann auch funktionieren. Dafür gibt es ja durchaus Beispiele, siehe: Luftfahrt. Nur bitte, welcher Aufwand steckt dahinter? Dieser erscheint mir für den Individualverkehr ziemlich illusorisch. Ganz abgesehen davon, dass die Piloten in den beiden heikelsten Phasen eines Flugs, bei Start und Landung, auch heute noch gebraucht werden.

        Danke auch für den Hinweis auf Tata-Mobil, aber ich konnt den Link nicht öffnen. Bin leider nicht auf Instagram.

        Antworten
  2. Pingback: Arbeitsplatz Autobranche | XING spielraum

  3. Helmut Müller

    29/09/2015 @ 19:39

    Feiner Beitrag, Herr Hahn, ich werde ihn gern zitieren. Und ich kann nur zustimmen, auch in der Sorge um unsere deutsche Kernindustrie – nachdem ja schon die Software-Technologie Made in Germany abgewürgt wurde. Ich habe praktisch zeitgleich einen Systemvergleich zwischen der „Plattform Tesla“ und der evolutionären Weiterentwicklung der traditionellen Autobauer geschrieben und dazu Vergleiche zur Situation der Medienwelt angestellt, für die ich tätig bin. Vielleicht für Sie von Interesse: https://www.linkedin.com/pulse/wie-verlage-zu-tesla-werden-helmut-mueller
    Schöne Grüße!

    Antworten
    • Spannend Ihr Pulse Artikel. Soooo disruptiv hatte ich Tesla noch gar nicht gesehen. Und demnächst mit Mittelklasse-Angebot.
      Btw. Was ich nicht ganz verstanden habe: Wer ist denn im Verlagsgeschäft der Tesla?

      Antworten
      • Ich habe parallel etwas über Tesla gelesen und finde allein den Ansatz mit den Super-Chargern umwerfend. Allerdings, das darf man auch nicht vergessen: In ganz Deutschland gibt es bisher nur 46 Stück davon. Und dann wird die eigentlich beachtliche Reichweite von rund 400 km schon zu einem Lotteriespiel.

        Aber wahr ist nun mal: Das Auto mit dem digitalen Ansatz plus kostenloser Energie-Versorgung – das ist schon wirklich ein Paradigmenwechsel.

        Antworten
          • … das in der Regel von einer Person eine Stunde am Tag genutzt wird und die restlichen 23 Stunden unproduktiv rumsteht. Das ist eines der Kernprobleme.

          • Das sehe ich genauso und habe es in meinem ersten Kommentar auch sehr deutlich angesprochen. Deshalb ist für mich die Frage der Zukunft auch mehr die, wie wir die Fahrzeuge nutzen können.

            Das Bedürfnis der Menschen ist eben «Mobil sein» und nicht «ein Auto haben». So wie das Bedürfnis «fernsehen» ist und nicht «TV-Gerät besitzen» (Status-Überlegungen bei beiden Beispielen ausgenommen). TV-Hersteller bekommen ihr Missverständnis aktuell deutlich zu spüren und reagieren genauso verkehrt (gebogene Flatscreens, «Ambient Light» etc.) wie die Auto-Industrie.

            Insofern kratzt auch Tesla erst an der im Ausgangsbeitrag aufgezeigten Problemstellung. Denn auch bei Tesla muss ein Fahrzeug erworben werden, beim aktuellen GT-Typ sogar ein absolutes Premium-Fahrzeug das deutlich über der 100.000-Euro-Grenze liegt.

            Aber immerhin, Tesla hat einen Ansatz, vom Fahrzeug- und vom Fahr-Konzept her, der völlig anders ist als bei den etablierten Grosskonzernen. Immerhin zeigt das: Es geht auch anders.

  4. Hallo Lars,

    da erinnere ich mich an die spannende Zeit mitten im „Handywahn“, als eine Woche nach einem gemeinsamen Strategie Workshop mit BenQ-Siemens (BenQ hatte die Namensrechte für Siemens Handys übernommen) deren Ende verkündet wurde…. Da hatten auch ein paar Menschen andere Zukunftsaussichten als der Rest….

    Und weil die Gelegenheit so gut ist, nutze ich sie einfach mal um einen kleinen Auszug aus meinem gerade entstehenden Buch hier vorzuveröffentlichen, denn technikverliebt wir wir sind, glauben wir nicht an die Technik, zumindest nicht an die, die mit einem „not invented here“ Aufkleber versehen ist.
    Hier mal ein Szenario aus der Logistik: „Schon heute sind, gerade in großen Logistikzentren, vielerorts vollautomatisierte Hubwagen im Einsatz. Waren werden automatisch gefunden, gegriffen, Lieferungen konfektioniert und autonom bis an die Rampe gefahren. Gut möglich, dass irgendwo LKW’s bereits autonom beladen werden. Die ersten Testfahrten fahrerloser LKW werden gerade in den USA und bei uns gestartet und auch in Erzminen fahren die ersten Monstertrucks schon jetzt autonom. Damit kann in naher Zukunft Ware aus großen – und später immer kleineren – Warenzentren vollautomatisch etwa bis in die Produktion geliefert werden. In dieser Kette stehen auch Computer, die die Abrechnung automatisch anstoßen und versenden. 
Ebenso in Warenlagern, in denen bis heute die menschlichen Fähigkeiten unabkömmlich sind, hält die Digitalisierung Einzug, etwa indem Datenbrillen mit Augmented Reality die Augen- und Benutzerführung übernehmen.
Diese Vorgänge lassen fast problemlos weiter automatisieren, etwa indem die Ladeflächen selbst zu autonomen Einheiten werden, die dann vom LKW nur noch eingesammelt und gekoppelt werden. 
Die 1-Mann Spedition rückt in greifbare Nähe, wobei dieser Eine nur noch der Investor sein wird.“

    Du rätst dazu Kompetenzen in der Wissensarbeit auszubauen. Hmmmm, ganz ehrlich: auch da muss man schauen wohin die Reise geht: „Auch in den reinen Wissensbereichen, abseits der Kopplung von körperlicher Arbeitskraft und Wissen, übernehmen Computer zunehmend komplexere Aufgaben. So werden erste Zeitungsartikel eigenständig von Computern geschrieben und ganze Rechtsdatenbanken werden heute von Computern intelligent durchsucht statt Heerscharen von Anwälten und Praktikanten damit zu beschäftigen.
“
    In dem Bereich werden irgendwann (bald) auch ganz viele Routineaufgaben durch Computer übernommen. Der Sachbearbeiter der Zukunft hat einen Stromanschluß und eine Online Verbindung in seine Datenwelt.

    Doch, ich will hier nicht alles mies machen, denn wir können auch einfach mal clever die Maschinen sinnvoll nutzen und die Gelegenheit ergreifen neue Freiräume zu entdecken. Genau das haben wir bislang ja auch immer getan, wenn der technische Fortschritt unser Denken überholt hat.
    (Dazu will das Buch – in dem ein Interview mit Dir ja auch vorkommt – zumindest inspirieren.)

    Kaiser Wilhelm II. soll ja mal gesagt haben: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“
    Also, wer weiss…. 😉

    Viele Grüße
    Guido

    P.S. ich hoffe Du verzeihst mit die Werbeschaltung fürs Buch.

    Antworten
  5. Hallo Lars,

    ich bin selbst zertifizierter Autoverkäufer mit Sternweihen. 😉

    Großes Kompliment für diesen Artikel, welchen ich in den meisten Teilen auch genauso unterschreiben würde. Und weiterhin ist natürlich schon krass verschwenderisch, dass man sein gebundenes Kapital in Form eines Autos eigentlich den ganzen Tag rumstehen lässt.

    Meine Ergänzung geht in zwei Richtungen: einerseits bin ich Anhänger einer japanischen Automarke, weil die i.d.R. so herrlich bescheiden Weltmarktführer ist und dies ohne irgendwelche Zielvorgaben an die Weltherrschaft in deren Unternehmenscharta zu postulieren. VW will ja schließlich schon um des Image-Willen unbedingt Autokaiser werden, ob auf langfristigem oder eher mittelfristigem Weg und ja, da muss man dann ggf. auch mal ein wenig „kreativer“ werden, damit alle Bereiche Ihre Ergebnisse dazu einbringen.

    Andererseits unterstütze ich kein deutsches Unternehmen mit meinem Auto, aber es gibt für meinen Anwendungsfall (Vollhybrid, Kombi, kleiner Hubraum, adäquater Preis) bisher einfach keine Alternativen in den deutschen Prospekten. Spätestens bei den Servicekosten oder den regulären Garantiezeiten fallen dann reihenweise die deutschen Hersteller raus. Und schon vor Jahren habe ich angemerkt, dass ich z.B. sehr verwirrt bin, dass z.B. Hersteller von Fahrzeug-Premium-Produkten gleich nach der Gewährleistungsnovelle in Europa i.d.R. die kleinste mögliche Lösung den Kunden anbot – also i.d.R. 12 Monate Garantie und anschließend die Gewährleistung für 12 Monate, sodass das Risiko für Garantiekosten innerhalb der 24 Monate schön gering ist.

    In meinen Augen hat der Opel-Werbeclaim „Umparken im Kopf“ vieles hier in Deutschland optimal zusammengefasst. Man kann von Autos keine Wunder im Verbrauch erwarten, wenn ich mit 200 km/h ca. 1-2t Technik über die Autobahn prügele oder in nicht-optimierten Verkehrszonen (z.B. München, Stuttgart, etc.) permanent von einer roten Ampel zu nächsten schleichen darf.

    Wie egoistisch wir uns z.B. im Straßenverkehr derzeit bewegen merkt man spätestens dann, wenn man den berühmten Gang runterschaltet (oder hoch, wenn man es ökologisch sinnvoll betrachtet) und dann ob seines Hybrid-Autos mit Lichthupen oder Drängeleien bedacht wird. Dabei sieht aber jeder die nächste rote Ampel am Horizont oder den LKW beim Überholen. Und ich kann den Ärger natürlich auch verstehen, dass viele darauf neidisch sind, dass mein Bordcomputer (und Realmessung) einen Stadtverbrauch von nur ca. 4,0l zeigt.

    Klar, wenn unter der Haube mehr als 200 Pferdchen im Zaum gehalten werden, dann wollen die natürlich auch mal auf der Prärie rumpflügen. Aber dann bitte nicht über die Verbrauchs- oder Emissionswerte schimpfen, da der Motorbau nunmal recht physik- und chemielastig ist. Die Energie muss nunmal umgewandelt werden. ;-))

    PS: 2. Realer Verbrauch unter echten Testbedingungen (Langstrecke Urlaub, Stadtfahrten am Urlaubsort, 4 Personen, bisserl Klima an, bisserl Fenster auf und inkl. Gepäcktransport) waren München nach Schwerin gute 5,27l Benzin. Das ist in Verhältnis Masse zu erhofftem Ergebnis für meine Familie ein phänomenaler Wert und ca. die Hälfte vom vorherigen Fahrzeug. ;-))

    PPS: 1997 hatte auch keiner an den Prius geglaubt und jetzt werden die Früchte dieser Bemühungen eingefahren. In China kann man wohl in Metropolen z.B. kaum oder keine Dieselfahrzeuge mehr zulassen und New York´s Taxis sind auch hybrid-elektrisch unterwegs.

    Und Tesla o.ä. wird da problemlos mitmischen und deren goldene Zeit kommt vermutlich erst noch. Für München täte ich mir auch gerne elektrische Busse wünschen, da die Dieselmonster auch immer schön im Stau stehen. Aber zu Infrastruktur (Busspuren etc.) sage ich jetzt mal nichts. 😉

    Ich schließe meinen langen Kommentar einfach mal mit den sinngemäßen Worten: „Wer aufhört stets besser zu werden, der hat bereits aufgehört gut zu sein!“

    Antworten
    • Danke Marc,
      ob die Japaner überleben werden, wird sich zeigen. Der Prius ist wenigstens ein innovativer Ansatz, den Deutschland noch liefern müsste.

      Antworten
  6. Hallo Lars,

    danke für den Artikel! Ich kann Dir nur zustimmen. Ich habe auf unserem innovation@work-Blog im Februar auf Dieter Zetsches Aussage “Wir haben lange Erfahrung im Automobilbau, wir haben das Auto erfunden. Und Erfahrung ist in einem so komplexen Geschäft wie dem Automobilbau mit entscheidend. Wer dort neu einsteigt, hat die nicht” reagiert http://tiny.cc/ctz73x.
    Ein ähnlich gelagerter Fall der zeigt, dass Ignoranz, Betriebsblindheit und fehlende Demut eine ganz unglückliche Kombination bilden und dazu führen (können), dass disruptive Innovationen verschlafen werden.

    Viele Grüße,
    Melanie

    Antworten
    • Danke, Melanie. In der Tat. Irrtum schützt vor Pleite nicht.
      Wobei: Herr Z.und die Daimlers gehören ja sogar noch zu den innovativeren in D.
      Übrigens klingt Euer Kongress-Format spannend.

      Antworten
      • Melanie Vogel - Futability®

        12/11/2015 @ 10:00

        Hallo Lars,

        ich habei Deine Antwort auf meinen Kommentar eben erst gesehen – sorry, sonst hätte ich schon früher geantwortet.
        Falls Du/Ihr Lust habt, Euch bei unseren Kongressen als Kooperationspartner mit einzubringen, melde Dich gern bei mir. Bei uns sind Kooperationen grundsätzlich kostenfrei und immer als Win-Win für beide seiten gedacht.

        Viele GRüße,
        melanie

        Antworten
  7. Pingback: Was Organisationen der Sozialwirtschaft mit VW zu tun haben… |

  8. Pingback: INJELEA-Lesenswertes 11. Oktober 2015: Systemtheorie, Unternehmenskultur, Leadership - INJELEA Blog

  9. Pingback: Der schmale Grad zwischen #NewWork & #NewAge | The HR FUTURE

  10. Pingback: Zusammenfassung der Blog-Parade 2015: Zukunft der Arbeit? | Bitkom KnowTech 2015

  11. Pingback: Bingo! NewWork-Buzzwords! Alphabetisch! #BlogABC - Arbeiten 4.0 verändert die Welt (4) - Systematisch KaffeetrinkenSystematisch Kaffeetrinken

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.